Streit ist allgegenwärtig

Streit gibt es überall in unserer Gesellschaft: Rund 2 Millionen Prozesse werden jährlich in Deutschland geführt, darunter circa 300.000 Mietstreitigkeiten, 150.000 Verkehrsunfallprozesse und etwa die gleiche Zahl streitiger Käufe und Verkäufe. Etwa eine halbe Million Scheidungen gibt es jedes Jahr, rund 630.000 Arbeitsgerichtsverfahren und etwa 100.000 Prozesse zwischen Unternehmen. Etwa 4,8 Millionen Ermittlungsverfahren setzt die Staatsanwaltschaft jährlich in Gang in 736.000 Fällen kommt es zur Anklage. Moderne, demokratische Gesellschaften zeichnen sich durch eine geregelte Austragung von Interessengegensätzen aus. Es gibt verschiedenste Foren für die Austragung von Interessenkonflikten: politische Auseinandersetzungen finden im Parlament statt, Auseinandersetzungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern finden in Tarifverhandlungen statt, für Rechtsstreitigkeiten gibt es die Gerichte.

Was die Wahrnehmung von Konflikten zwischen verschiedenen Gruppen der Gesellschaft angeht, so sind die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland recht groß: In Westdeutschland hat die Konfliktwahrnehmung im Jahre 2010 gegenüber 1998 stark zugenommen, sowohl bei den Beziehungen zwischen arm und reich, als auch zwischen jung und alt, zwischen Mann und Frau, zwischen Ausländern und Deutschen und zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Lediglich die Konfliktwahrnehmung zwischen Ost und West geht aus Sicht der Westdeutschen zurück. In Ostdeutschland werden die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmerzwischen Deutschen und Ausländern und zwischen Arm und Reich konfliktärer eingeschätzt als im Westen. Die soziale Gerechtigkeit ist aus Sicht aller Deutschen das Thema, das den größten Konfliktstoff in sich trägt (siehe Grafik).

Annette Rehfeld-Staudt

aus: Statistisches Bundesamt (Hg.): Datenreport 2011, Bd. 2, S.383.