Ältere Autofahrer sind eine Bedrohung für den Straßenverkehr.

Toleranz
Toleranz kommt vom lateinischen Wort tolerare, was erdulden und ertragen bedeutet. Jemand, der tolerant ist, duldet und achtet andere Personen oder Gruppen auf der Grundlage eigener Wertvorstellungen. Ein toleranter Mensch lässt andere gelten und gewähren, obwohl er mit deren Denken oder Handeln selbst nicht einverstanden ist.
Toleranz ist damit zu unterscheiden von Akzeptanz, die deutlich weiter geht: Akzeptanz umfasst auch eine Zustimmung zu anderen Ansichten und Verhaltensweisen.

Zu unterscheiden ist zwischen unbedingter (grenzenloser) Toleranz und bedingter (begrenzter) Toleranz:

Unbedingte (grenzenlose) Toleranz als absolutes Prinzip bezeichnet die Duldung und Achtung Andersdenkender und –handelnder auch einschließlich des Falles, dass die Toleranz von den Tolerierten nicht erwidert wird. Einen häufigen Unterfall bildet hierbei die erzwungene unbedingte Toleranz in asymmetrischen Machtgefällelagen, z.B. im Verhältnis eines Untergebenen gegenüber einem Diktator. Hier ist aber ggf. zwischen nur vorgespiegelter Toleranz (aus Furcht vor Repressalien) bei in Wahrheit zugleich stiller Intoleranz zu unterscheiden.

Bedingte (begrenzte) Toleranz ist in der Praxis eher der Regelfall und kommt in zwei häufigen Ausprägungen vor: Erstens als „Toleranz auf Gegenseitigkeit“, wobei als Bedingung der Toleranzgewährung von dem Tolerierten verlangt wird, dass er im Gegenzug ebenso tolerant gegenüber einem selbst ist. Zweitens kann Toleranz situativ oder zeitlich begrenzt sein, indem ein bestimmtes Verhalten nur in bestimmten Umgebungen / Umständen oder nur für einen begrenzten Zeitraum toleriert wird. (Beispiel: Toleranz öffentlicher Nacktheit nur am FKK-Strand oder in der Sauna).

 

Toleranz zwischen den Generationen
Die These “Ältere Autofahrer stellen eine Bedrohung für den Straßenverkehr dar” bietet einen Ausgangspunkt zur Beschäftigung mit der Frage, wie es mit der Toleranz zwischen den Generationen, zwischen Jung und Alt, aussieht. Die These steht damit beispielhaft für die “Aufreger-Themen” im Generationendialog. Während die immer älter werdende Gesellschaft, immer mobiler wird; steigen die Unfallzahlen gerade von älteren Autofahrerinnen und Autofahrer. Die Forderung nach einem Fahrverbot ab einem bestimmten Alter werden in Diskussionen häufig angebracht. Während die Diskussionen um ein Fahrverbot eher verblassen, haben Versicherer bereits reagiert. Laut dem Verbraucherportal Verivox ist die KfZ-Haftpflichtversicherung für einen 80-Jährigen etwa doppelt so teuer, wie für einen 50-Jährigen. Bei der Berechnung der Versicherungspolicen nutzen die Versicherer Daten des Statistischen Bundesamtes. 2015 sind beispielsweise bis August des Jahres 36.400 Senioren im Straßenverkehr verletzt worden. 55 Prozent dieser Unfälle wurde von Senioren selbst, die mit dem Auto, dem Rad oder zu Fuß unterwegs waren, verursacht. Am häufigsten mussachten Fahrer über 65-Jahren die Vorfahrt oder lösen Unfälle beim Abbiegen aus. Oft ist die Verunsicherung und Überforderung in solchen Situationen Grund für Unfälle.

 

 

“Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.” Dieser Spruch, der doch so aktuell klingt, wird Sokrates nachgesagt und er dokumentiert, dass Spannungen zwischen den Generationen zu jeder Epoche existierteten. Ganz allgemein kommt die Sinus-Studie 2016 bei der Untersuchung der Wertorientierung junger Menschen zu dem Schluss, dass Jugendliche in Deutschland mittlerweile Toleranz pflegen, wie nie zuvor. Die Forscher erklären sich diese hohe Toleranz vor allem durch die Auswirkungen von Globalisierung und Flüchtlingsströmen. Inwieweit sich diese Toleranz auch auf die ältere Generation erstreckt, wird allerdings nicht ausgeführt. Heute wird die Frage, was die Alten von den Jungen und die Jungen von den Alten tolerieren müssen, häufig unter dem Stichwort Generationengerechtigkeit zusammengefasst.

 

Generationengerechtigkeit ist ein Eckpfeiler unserer Gesellschaft. Das moderate Zusammenspiel zwischen Bedürfnissen und Notwendigkeiten der jungen, der arbeitenden und der alternden Bevölkerung in unserem Land ist oft nicht ganz einfach. Ob zum Thema Umwelt, Demografie, Wirtschaft oder Repräsentation. Oft spürt man ein vermeintliches Ungleichgewicht. Doch welche Ungleichgewichte gilt es zu tolerieren? Sind sie vielleicht sogar vorteilhaft? Und wann braucht es ein Gegenwirken? Wann hört Anstand auf und unter welchen Bedingungen könnte eine schief liegende Generationengerechtigkeit gefährlich werden?

 

Generationengerechtigkeit - Schulden

Auf die jungen Deutschen kommen riesige Lasten zu: steigende Soziallasten, Kosten der Energiewende, hohe Verschuldung. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag des Verbandes der Jungen Unternehmer machen sich 82 Prozent der Deutschen Sorgen um die Zukunft der Jungen und fordern, diese zu entlasten. 43 Prozent der Bevölkerung halten eine entsprechende Politik angesichts des demografischen Wandels sogar für „sehr dringend“.Hohe Schuldenberge und eine hoher Investitionsstau vor allem bei öffentlichen Investitionen sind eine große Hypothek für die nachfolgenden Generationen. Auf der anderen Seite hinterlassen die Älteren ihren Erben heute ein Vermögen in bisher ungekanntem Ausmaß.

 

Generationengerechtigkeit - Verantwortung

Eines der Themen, die immer wieder für Konflikte zwischen den Generationen führen und die die Toleranz von Alt und Jung auf ein harte Proben stellen, ist die fehlende Bereitschaft der Älteren, Verantwortung abzugeben bzw. die mangelnde Bereitschaft der Jungen, Verantwortung zu übernehmen. Trainiert wird die Übernahme von Verantwortung bereits in jungen Jahren, dennoch sind die Mitbestimmungsmöglichkeiten der Schüler an vielen Schulen auch in Sachsen sehr beschränkt.

 

Junge Menschen sind in den Parlamenten der Republik stark unterrepräsentiert und das, obwohl hier die Entscheidungen getroffen werden, die ihre Zukunft berühren. In Sachsen liegt das Durchschnittsalter der Abgeordneten zum Stichtag 10.01.2016 bei 47,9 Jahren. Immerhin sitzen aktuell 10 von 126 Landtagsabgeordneten im Parlament, die zur Altersgruppe bis 35 gehören. Von 630 Abgeordneten im derzeitigen 18. Bundestag sind gerade 6 Abgeordnete unter 30 Jahren. Der Anteil der jugendlichen Bevölkerung ist also um ein Vielfaches höher, als ihre Repräsentanz in den Parlamenten.

 

Deutsche Familien-Unternehmen haben in Größenordnungen ein Nachfolgeproblem, weil die Erben-Generation der heutigen Unternehmer nicht mehr bereit ist, die Verantwortung für die Betriebe der Eltern zu übernehmen. In der Zeitspanne zwischen den Jahren 2014 und 2018 steht bei rund 135.000 Familienunternehmen in Deutschland die Nachfolge an. Einer Studie zufolge schaffen aber nur 12 Prozent der Familienunternehmen die Weitergabe des Unternehmens bis in die dritte Generation. Und sogar nur noch magere 1 Prozent schaffen die Weitergabe des Familienunternehmens bis in die fünfte Generation.

 

Generationengerechtigkeit - Umwelt
Gerade im Bereich der Umwelt und der Ökologie scheint sich ein Generationskonflikt auf eine einfache Lösung zuzuspitzen: “entweder die Älteren leben zunehmend auf Kosten von immer weniger Jüngeren oder die Älteren müssen mit großen Wohlstandsverlusten rechnen.”

Ein Leitprinzip der Politik ist die nachhaltige Entwicklung. Dieses bedeutet, dass die Politik den Bedürfnissen der gegenwärtigen Generation entsprechen muss, ohne dass sie dabei die Möglichkeit zur Bedürfnisbefriedigung künftiger Generationen gefährdet. Der Erhalt dieses Grundsatzes erfordert, dass nur so viele Ressourcen genutzt werden, wie nachwachsen oder als Ersatz für diese Ressourcen zur Verfügung steht. Die Realität sieht jedoch so aus, dass die Weltbevölkerung deutlich über ihren Verhältnissen lebt. Das Problem ist, dass sich nachfolgende bzw. junge Generationen gegen diese Entwicklung nicht zur Wehr setzen können. Generationenübergreifend muss daher die Frage gestellt werden, wie lange dieser Zustand von der Menschheit noch toleriert werden darf.

39 Meinungen 21 Kommentare

Gast stimmt der These Ältere Autofahrer sind eine Bedrohung für den Straßenverkehr. nicht zu

Für das Führen von Kraftfahrzeugen sollte es einheitliche Voraussetzungen geben, die ggf. unabhängig vom Alter zu überprüfen sind. Männer dürfen ja auch Auto fahren.

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09.02.2017

Gast positioniert sich zur These Ältere Autofahrer sind eine Bedrohung für den Straßenverkehr. neutral

Hier sollte von Fall zu Fall unterschieden werden. Es gibt auch viele junge Autofahrer, die eine Bedrohung für den Straßenverkehr sind.

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06.02.2017

Gast stimmt der These Ältere Autofahrer sind eine Bedrohung für den Straßenverkehr. nicht zu

Das sehe ich nicht so. Mobilität ist ein element persönlicher Freieit, die auch für ältere Menschen gilt. Warum sind junge Autofahrer (ggf noch unter Alkohol oder Drogen) weniger gefährlich?

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05.02.2017

Ramgeis stimmt der These Ältere Autofahrer sind eine Bedrohung für den Straßenverkehr. nicht zu

und einen Test mit 50 bis 60 zu fordern, ist wohl sehr vermessen, ebenso unsinniger Gegenvorschlag: bis 30 Jahre jährlichen Test, erst dann wäre man "reif"

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04.02.2017

Gast stimmt der These Ältere Autofahrer sind eine Bedrohung für den Straßenverkehr. nicht zu

Sofern die Sinneswahrnehmung nachlässt steigt das Risiko von Unfällen. Menschen jeden Alters, denen dies (ggf. temporär) geschieht werden im Zweifel ihre Teilnahme im Straßenverkehr darauf anpassen - oder gibt es entgegenstehende Studien?

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03.02.2017

Gast positioniert sich zur These Ältere Autofahrer sind eine Bedrohung für den Straßenverkehr. neutral

Ältere Autofahrer sind nicht pauschal eine Gefährdung. Tendenziell mit zunehmendem Alter aber schon. Aber der Indikator ist nicht das Alter an sich, sondern die körperliche Eignung, ein Auto sicher fahren zu können.

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03.02.2017 1 Kommentar

Gast positioniert sich zur These Ältere Autofahrer sind eine Bedrohung für den Straßenverkehr. neutral

Schwierig die Situation so pauschal einzuschätzen. Allerdings halte ich einen erneuten Fahrtest im Alter von 50-60 vor allem zur Überprüfung der Verkehrskenntnisse für sinnvoll.

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02.02.2017

Marian_D stimmt der These Ältere Autofahrer sind eine Bedrohung für den Straßenverkehr. zu

So pauschal sollte man nicht darüber urteilen.

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02.02.2017

Gast stimmt der These Ältere Autofahrer sind eine Bedrohung für den Straßenverkehr. zu

Mit dem renteneintrittsalter sollte jede Person aller drei Jahre auf ihre Reaktionsfähigkeit getestet werden. Das Unfallrisiko würde sich minimieren.

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01.02.2017

Gast positioniert sich zur These Ältere Autofahrer sind eine Bedrohung für den Straßenverkehr. neutral

Ja, es gibt ältere Autofahrer, die eine Bedrohung darstellen, aber es gibt genau so welche, die sehr wohl noch gut und aufmerksam Auto fahren können.

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01.02.2017

Sorcha positioniert sich zur These Ältere Autofahrer sind eine Bedrohung für den Straßenverkehr. neutral

Sicherlich stellen ältere Autofahrer eine potenzielle Gefahr dar, wenn sie schlecht sehen oder langsam reagieren.

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30.01.2017

Gast stimmt der These Ältere Autofahrer sind eine Bedrohung für den Straßenverkehr. zu

ohne Tauglichkeitsprüfung bewegen sich zahlreiche tickende Zeitbomben über unsere Straßen, die jederzeit "Falschfahrer" "Gas und Bremse Verwechsler" etc. werden können.

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30.01.2017 2 Kommentare

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