Ältere können in der digitalisierten Arbeitswelt nicht mithalten.

Hintergrundinformationen zur These „Ältere können in der digitalisierten Arbeitswelt nicht mithalten“

Wie entwickelt sich das Durchschnittsalter der arbeitenden Bevölkerung?
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen hat sich zwischen 2000 und 2017 auf knapp 6 Mio. mehr als verdoppelt. Bei den 60- bis 64-Jährigen hat sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf über 2 Mio. mehr als verdreifacht. Insgesamt ist die Zahl aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesem Zeitraum „nur“ um 15,5 % gestiegen. (Quelle: BDA)  Die Erwerbstätigenquote der 55- bis unter 65-Jährigen hat sich von 2000 bis 2017 beinahe verdoppelt – von 37 % auf rd. 70 % (Eurostat, 2018). In keinem anderen EU-Land mit Ausnahme von Schweden geht ein größerer Anteil Älterer einer Erwerbstätigkeit nach. Insgesamt kann man also feststellen, dass der Anteil der Älteren an der Erwerbsbevölkerung stetig zunimmt und sich daher die Frage des Umgangs dieser Bevölkerungsgruppe mit der digitalisierten Arbeitswelt in den nächsten Jahren vermehrt stellen wird.

Siehe dazu Graphik in der Galerie unten.

Welche Kompetenzen werden im Zeitalter der Digitalisierung von den Beschäftigten erwartet?
Ausgangspunkt der These „Ältere können in der digitalisierten Arbeitswelt nicht mithalten“ ist die implizite Vermutung, dass das digitale Zeitalter von den Beschäftigten andere Kompetenzen erfordert, als die eher analoge Vergangenheit.

Definition Kompetenz:
Kompetenz beschreibt allgemein Fähigkeiten eines Menschen, die sich durch die selbstständige Bewältigung von bestimmten Aufgaben innerhalb eines Handlungskontextes ausbilden. Per Definition sind Kompetenzen knapp, wertvoll, dauerhaft, begrenzt imitierbar, schlecht übertragbar und beschränkt substituierbar.

Arbeitsdefinition digitale Kompetenzen:
Digitale Kompetenzen sind (neue) Fähigkeiten, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Lage versetzen, digitale Technologien anzuwenden, im Rahmen ihres Aufgabenprofils zu nutzen und darüber hinaus die digitale Transformation von Geschäftsprozessen mit voranzutreiben.
Es lassen sich drei Dimensionen unterscheiden: Neben fachlich-technischen und Businesskompetenzen spielt die digitale Fitness eine wesentliche Rolle. Letztere speist sich aus Offenheit, Interesse und Veränderungsantrieb gegenüber digitalen Möglichkeiten.
(Quelle: Deutsche Gesellschaft für Personalführung)

Siehe auch Mindmap der KMK zu Kompetenzen in der digitalen Welt.

Wie passen die Kompetenzen der Älteren mit den Erfordernissen der Digitalisierung zusammen?
Um diese Frage beantworten zu können, muss zunächst einmal präzisiert werden, was man unter „ältere Arbeitnehmern“ versteht. Geht man davon aus, dass Menschen ab etwa dem Geburtsjahr 1980 mit der Digitalisierung aufgewachsen sind, so müssten bereits alle, die heute älter als 40 Jahre sind, zu den Älteren gezählt werden.

Ein Blick in die Forschung zeigt folgendes Bild über die kognitiven Fähigkeiten älterer Menschen (Quelle):

  • Zwar zeigen sich bei den denkmechanischen, den sogenannten „flüssigen Leistungen“ wie der Informationsverarbeitung und auch dem problemlösenden Denken alternsbedingte Verluste. In diesen Disziplinen sind wir am besten im 4. Lebensjahrzehnt, halten das Niveau meist bis ca. zum 60. Lebensjahr. Danach lassen diese Fähigkeiten statistisch gesehen nach.
  • Aber die sogenannten „kristallinen Leistungen“ wie faktisches und prozedurales Wissen bleiben unverändert und nehmen sogar zu. Werden Qualifikationsmaßnahmen für ältere Beschäftigte auf der Basis ihres Erfahrungswissens strukturiert, sind der Lernzuwachs und die Lerngeschwindigkeit genauso hoch wie bei jüngeren Mitarbeiter.
  • Ältere behalten die Fähigkeit, sich normalen psychischen und physischen Anforderungen anzupassen.
  • Die Konzentrationsfähigkeit und der Wissensgebrauch sind bis ins hohe Alter kaum begrenzt. Die Lernfähigkeit ist entgegen landläufiger Vorurteile nicht schlechter als bei Jüngeren.
  • Die kommunikativen Fähigkeiten sind in älteren Jahren oft besser ausgeprägt als in jüngeren. Lebens- und Arbeitserfahrung verhilft zu einem schnellen Überblick bei komplexen Sachverhalten.

Weitere Informationen zur kognitiven Leistungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer

Mit Blick auf die oben dargestellten digitalen Kompetenzen lässt sich vermuten, dass die älteren Arbeitnehmer aufgrund ihrer schwächeren Fähigkeiten in der Informationsverarbeitung im Bereich der fachlich-technischen Kompetenzen im Nachteil sein könnten. Bei den so genannten Businesskompetenzen (siehe dazu auch Graphik in der Galerie unten) sind Eigenverantwortlichkeit, Kommunikationsfähigkeit, Vernetzungskompetenz wichtig, hier haben die Älteren eher ihre Stärken. Was die Agilität und Veränderungsbereitschaft angeht, sind die Jüngeren im Vorteil, dafür lernen die Älteren meist schneller, weil sie auf viel Erfahrung zurückgreifen können.

Auf der anderen Seite kann man natürlich auch die Frage stellen, ob das biologische Alter alleine etwas über die Kompetenzen von Menschen im Umgang mit der Digitalisierung aussagt. Setzt man die Digitalisierung gleich mit der Aufgeschlossenheit Neuem gegenüber, mit Offenheit, Interesse und Veränderungsantrieb gegenüber digitalen Möglichkeiten - wie unsere Definition digitaler Fitness von weiter oben - so wird man gewiss in jeder Altersgruppe sowohl Befürworter als auch Skeptiker und Gegner finden.

Tim Cole, Digitalisierungsexperte und Blogger-Pionier, bringt diese Diskussion folgendermaßen auf den Punkt: „ (…) digitale Kompetenz ist keine Frage des Alters – es ist eine Frage der Einstellung. Es gibt unter den sogenannten „Digital Natives“ ganz viele, die ein gebrochenes Verhältnis zu Digitalität und technologischer Innovation haben. Und es gibt Alte, die machen den Jungen auch in der digitalen Arbeitswelt noch etwas vor!“

Unterschiedliche Einstellungen zur Digitalisierung
Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Digitalisierung von den ArbeitnehmerInnen je nach Alter sehr unterschiedlich wahrgenommen wird: So stimmen weniger als 40 Prozent der 50- bis 59-Jährigen der Aussage zu, die Vorteile der neuen digitalen Technologien würden für sie persönlich überwiegen. In der Altersgruppe 18 bis 29 bejahen dies weit über 60 Prozent der Befragten. Die jüngere Generation misst der Digitalisierung tendenziell auch einen größeren Einfluss auf den Arbeitsalltag bei: Über 30 Prozent der Befragten bis 39 Jahre stimmen der Aussage zu „Die Digitalisierung zwingt mich dazu, deutlich schneller zu arbeiten“. Unter den 50- bis 69-Jährigen bejaht das nur ein knappes Viertel.

Auch die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz erfolgt unterschiedlich: Im Querschnitt aller befragten Altersgruppen zwischen 18 und 69 nutzt inzwischen etwas mehr als jeder Fünfte auch soziale Netzwerke, um sich nach einem neuen Job umzuschauen. Doch sieht man genauer hin, so zeigt sich: Während bei den 18- bis 39-Jährigen rund 37 Prozent Facebook, Xing und Co. zur Jobsuche nutzen, sind es bei den 40- bis 69-Jährigen gerade einmal 13 Prozent – Tendenz rückläufig.

Auch beim subjektiven Empfinden über die eigenen digitalen Kompetenzen und die Sicherheit im Umgang mit dem Internet zeigen sich große Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Während 79 Prozent der 14- bis 29-Jährigen sich eher sicher bis sehr sicher fühlen, gilt das nur für 41 Prozent der 60- bis 69-Jährigen. Und bei den über 70-Jährigen fühlt sich nur jeder Dritte (36 Prozent) eher sicher bis sehr sicher im Umgang mit dem Internet. (Quelle)
Man kann also davon ausgehen, dass die Älteren generell dem Internet mit mehr Zurückhaltung, Skepsis und einem Gefühl der Unsicherheit begegnen. Diese Einstellung alleine sagt jedoch nichts über die Kompetenzen aus.

 

Weiterführende Literatur:

Bertelsmann-Stiftung (Hrsg.) 2019. Digital souverän? Kompetenzen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter. Gütersloh.

49 Meinungen 8 Kommentare

Gast stimmt der These Ältere können in der digitalisierten Arbeitswelt nicht mithalten. nicht zu

Man sollte sich Zeit nehmen es gut zu erklären. Dann klappt es ganz sicher auch!

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12.01.2020

Gast stimmt der These Ältere können in der digitalisierten Arbeitswelt nicht mithalten. nicht zu

Ich denke, dass die älteren Menschen, die noch arbeiten, sich ganz gut reunfuchsen, wenn sie das wollen. Viele Rentner haben heute auch Handys und Tablets. Alles eine Frage des Interesses.

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12.01.2020

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warum denn nicht, laufen lernen habt ihr Jugend auch von den Älteren gelernt

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11.01.2020

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Jede*r kann lernen, es muss nur gewollt werden.

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11.01.2020

Gast stimmt der These Ältere können in der digitalisierten Arbeitswelt nicht mithalten. nicht zu

Wo bitte liegen denn die "Kompetenzen" der Jugend in Sachen Digital?

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11.01.2020

Gast stimmt der These Ältere können in der digitalisierten Arbeitswelt nicht mithalten. nicht zu

Einfach nur dümmliche These

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11.01.2020 1 Kommentar

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Je älter der Mensch wird, desto schwerer wird es für ihn neue Dinge zu lernen. Und da unsere Technik sich so schnell weiter entwickelt, kommen ältere mit ihrer beschränkten Lernfähigkeit einfach nicht hinterher.

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10.01.2020 1 Kommentar

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Wer sich in die Digitalisierung herein fitzen möchte, der kann das schaffen und lernen, wenn auch mit Mühe.

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09.01.2020

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Die jüngere Generation wächst damit auf, ältere verstehn meistens nichtmal die Hälfte

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09.01.2020

Gast positioniert sich zur These Ältere können in der digitalisierten Arbeitswelt nicht mithalten. neutral

Die jüngere Generation würde gut daran tun, mehr Dinge per Hand zu lernen. Sich immer auf Technik zu verlassen und arbeitsunfähig zu sein, wenn diese ausfällt, ist für den Arbeitsmarkt sicher nicht förderlich.

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09.01.2020

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Die kennen sowas nicht und haben deshalb oft Probleme

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08.01.2020 1 Kommentar

Gast stimmt der These Ältere können in der digitalisierten Arbeitswelt nicht mithalten. zu

Stimme ich absolut zu. Es ist erschreckend zu sehen, wie wenig Kompetenzen besonders bei federführenden Institutionen wie Stadträdte, Ministerien, Gremien und Co. herrschen.

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08.01.2020 1 Kommentar

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