Dank der Flüchtlinge politisieren sich die Sachsen

Erste Politisierungsebene: Das politische Interesse ist geweckt.

Das Asylthema bewegt viele Menschen gefühlsmäßig aufgrund ihrer oft unmittelbaren Betroffenheit. Der Flüchtlingsstrom erregt also die Gemüter und kaum jemand bleibt unbeteiligt oder neutral, d.h. das Thema drängt die Menschen hin zu einer bestimmten politischen Positionierung.

Daten:

Umfragedaten: = Anzeichen dafür, dass das Flüchtlingsthema die Sachsen stärker bewegt als andere politische Themen (= Beleg für Politisierung)

Grafik 1 in Galerie unten: Wichtigste Probleme in Sachsen

Grafik 2 in Galerie unten: Herausforderungen in den nächsten fünf Jahren

     (Quelle jeweils: Sächsische Staatskanzlei)

Zitate:

- „[…] Trotzdem gibt es seit Ende 2015 mit „Gepida – Genervte Einwohner protestieren gegen Intoleranz Dresdner Außenseiter““ wieder Gegenaktionen. Und wir beobachten eine wachsende Politisierung von vielen Menschen in Dresden. Viele, die vor „Pegida“ nicht politisch aktiv waren, helfen jetzt Geflüchteten, neue Schülergruppen bilden sich, die Aktionen gegen Rassismus planen, an der Universität gibt es Forschungsseminare zu „Pegida“. So kommen viele ins Handeln, gestalten mit.“ (Michael Nattke vom Kulturbüro Sachsen, Text zit. auf www.netz-gegen-nazis.de)

- „Pegida im Spätherbst 2014 war auch eine gewaltige Politisierung. Wann haben sich in den vergangenen 25 Jahren so viele Menschen derart politisiert? Das geschah nicht unbedingt so, wie wir uns das in der repräsentativen Demokratie wünschen.“ (Frank Richter, SLpB, im Interview der Tageszeitung „Die Welt“ v. 26.08.15)

- Vorländer / Herold / Schäller ("PEGIDA", Wiesbaden 2015) sprechen von einer „gleichermaßen hoch politisierten wie tief gespaltenen Dresdner Bürgerschaft“ (S.3) und konstatieren eine „mit den Protesten ausgelöste Politisierung“ (S. 147).

- Geiges / Marg / Walter zitieren in ihrer Pegida-Studie (2015) andere Untersuchungen, in denen eine „negative Politisierung“ festgestellt wird: „Zahlreiche zuvor eher in Passivität zurückgedrängte Bürger »kehren in die öffentliche Arena zurück und werden aktiv, an den Wahlurnen, bei der politischen Mobilisierung, aber auf extrem konfliktuelle Art, hauptsächlich um zu verurteilen, zurückzuweisen und zu kämpfen«“ (S. 199).

 

Zweite Politisierungsebene: Das geweckte politische Interesse äußert sich im politischen Handeln (1) - Wahlbeteiligung

Es lässt sich annehmen, dass ein erhöhtes politisches Interesse der Sachsen auch zur Zunahme ihres politischen Handelns führt, zumindest in gewissem Maße. Ob dies tatsächlich der Fall ist, lässt sich u.a. an der Entwicklung der Wahlbeteiligung ablesen. Möglicherweise ansteigende Wahlbeteiligungen lassen sich allerdings nicht eindeutig auf die Flüchtlingsthematik zurückführen, da nicht nachzuweisen ist, welche anderen Ursachen ebenfalls Schwankungen in der Wahlbeteiligung auslösen. Mehr Klarheit verspricht hier die Betrachtung von Wählerwanderungen, vor allem hinsichtlich der Entwicklung bei den Nichtwählern.

Daten:

Grafiken  3 und 4 in Galerie unten: Steigende Wahlbeteiligung in Sachsen als ein Zeichen von Politisierung (allerdings NICHT steigend bei den Landtagswahlen!)
     (Quelle: Eigene Berechnungen nach Statistisches Jahrbuch Sachsen 2015, S. 173, Statistisches Landesamt Sachsen)

Grafiken 5 und 6 in Galerie unten: Wählerwanderungen der AfD und der Nichtwähler bei der Landtagswahl Sachsen 2014
     (Quelle: tagesschau.de)

 

Dritte Politisierungsebene: Das geweckte politische Interesse äußert sich im politischen Handeln (2) - andere politische Handlungsformen

Die Politisierung könnte sich auch im Anstieg bei einer Reihe anderer politischer Aktionsformen ausdrücken, z.B. durch mehr Beteiligung an politischen Blogs oder Foren im Internet oder durch zunehmende Teilnahme an politischen Demonstrationen (z.B. PEGIDA), die ihrerseits wieder eine weitere Politisierung bewirken, indem sie zu Gegendemonstrationen führen.

Daten:

Grafik 7 in Galerie unten: Teilnehmerzahlen an PEGIDA-Demonstrationen in Dresden seit August 2014
     (Quelle: durchgezaehlt.org)

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Begriffsklärung „politisieren“, „sich politisieren“, „Politisierung“:

A) [transitives Verb mit OBJEKT] (jmd./etwas politisiert jmdn./etwas):

1. politisches Interesse oder Handeln wecken.

Bsp. "Dieser Streik politisierte die ganze Studentenschaft."

2. etwas politisch behandeln oder etwas zum bloßen Gegenstand der Politik machen.

(Bsp. "Man kann doch nicht alle Probleme politisieren.")

B) Verb [ohne OBJEKT] (jmd. politisiert):

1. in vereinfachender Weise und mit wenig Faktenwissen (erregt) über politische Fragen diskutieren (negativ konnotiert). (Bsp. "Müsst ihr immer anfangen zu politisieren!") (vgl. ähnlich:https://www.google.de/#q=politisieren)

C) [intransitives Verb, reflexiv, d.h. mit selbstbezogenem OBJEKT]:sich politisieren

(Bedeutung wie oben A)1)

D)Politisierung [Nomen]: (Doppelbedeutung!):

1. Prozess des Politisiert-Werdens oder des Sich-Politisierens,

2. Zustand des Politisiert-Seins

 

 

 

 

130 Meinungen 105 Kommentare

Gast stimmt der These Dank der Flüchtlinge politisieren sich die Sachsen nicht zu

Die Sachsen politisieren sich, weil es ihnen zu gut geht. Sie haben vergessen, daß sie vor knapp 30 Jahren die Wirtschaftsflüchtlinge waren...

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19.05.2016

Gast stimmt der These Dank der Flüchtlinge politisieren sich die Sachsen zu

diese plattform ist nur ein beispiel..

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19.05.2016

Gast stimmt der These Dank der Flüchtlinge politisieren sich die Sachsen zu

Bei vielen Leuten setzt ein Erkenntnisprozess ein, welcher weit über die Einwanderungskriese hinaus geht. Ich denke es wird zu einen stärkeren gesellschaftlichen Wandel kommen als sich das heute vermuten lässt.

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18.05.2016

Gast stimmt der These Dank der Flüchtlinge politisieren sich die Sachsen zu

Eine Auseinandersetzung zwingt zur Stellungnahme. Leider wird weder mit genügend Erfahrung noch Information debattiert. Hier scheint es kaum klare Köpfe zu geben. Stereotype, latenter Rassismus, Vorbehalte, Ängste ...

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16.05.2016

Gast stimmt der These Dank der Flüchtlinge politisieren sich die Sachsen zu

Ressentiments sind auch ohne Flüchtlinge da - besser, wir setzen uns offen damit auseinander.

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16.05.2016

Gast stimmt der These Dank der Flüchtlinge politisieren sich die Sachsen nicht zu

„Politisieren“ klingt viel zu positiv. Was in Sachsen gerade passiert ist, dass sich das in der Bevölkerung schon immer vorhandene Ressentiment gegen Ausländer, gegen „die da oben“ oder auch die „Amis“ Gehör verschafft.

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12.05.2016

Gast stimmt der These Dank der Flüchtlinge politisieren sich die Sachsen zu

man wegt das für und wider ab, jeder sagt auch ungefragt seinen Meinung

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12.05.2016

Gast stimmt der These Dank der Flüchtlinge politisieren sich die Sachsen zu

Bürger nehmen mehr als früher an Bürgerversammlungen und demokratischen Wahlen teil (z.B. OB-Wahl in Dresden oder auch Wahl in Sachsen-Anhalt).
Das ist im Grundsatz ein Gewinn für die Demokratie.

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12.05.2016

Gast stimmt der These Dank der Flüchtlinge politisieren sich die Sachsen zu

Bürger nehmen mehr als früher an Bürgerversammlungen und demokratischen Wahlen teil (z.B. OB-Wahl in Dresden oder auch Wahl in Sachsen-Anhalt).
Das ist im Grundsatz ein Gewinn für die Demokratie.

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12.05.2016

Gast stimmt der These Dank der Flüchtlinge politisieren sich die Sachsen zu

Ist doch offensichtlich, oder?

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11.05.2016

Gast stimmt der These Dank der Flüchtlinge politisieren sich die Sachsen zu

schade, dass es dafür Flüchtlinge braucht

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10.05.2016

Gast stimmt der These Dank der Flüchtlinge politisieren sich die Sachsen nicht zu

Das Meinungsspektrum wird ja eher nicht vielshichtiger.

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10.05.2016

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