Der Ausstieg aus der Braunkohle zerstört die traditionelle Wirtschaft und gefährdet Arbeitsplätze

Warum das Thema Braunkohle?

Schon seit Jahrzehnten drehen sich Gespräche in Politik und Gesellschaft um das Thema Energie – ob Solar-, Wasser- oder Kern-. Das Thema Braunkohle kam erst im Sommer 2018 wieder zur Sprache, ausgelöst durch die Proteste im Hambacher Forst, bei denen hunderttausende Menschen gegen die Abholzung des Waldes demonstrierten. Braunkohle ist eine der wichtigsten Energieressourcen Deutschlands – der Trend geht dennoch in Richtung erneuerbarer Energien. Es stellt sich nun die Frage: Wie wichtig ist Braunkohle für die deutsche Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und die Politik, wie schädlich für die Umwelt und was bedeutet dieser Energieträger für die nachfolgenden Generationen?

 

Braunkohle und die Gesellschaft

Die Zahl der Beschäftigten in der Braunkohle-Industrie ist seit den 90er Jahren erheblich gesunken. Wo 1990 noch knappe 130 000 Menschen beschäftigt waren, waren es im Jahr 2017 nur noch 20.891. Im Kontrast dazu sind bereits heute mehr als 380.000 Menschen im Zusammenhang mit Erneuerbaren Energien beschäftigt. Dass durch einen baldigen Ausstieg aus der Braunkohle trotzdem viele Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren, steht jedoch außer Frage. Dies ist besonders für solche Regionen problematisch, in denen wenig alternative Arbeitsplätze neben der Braunkohle für die Betroffenen zur Verfügung stehen. Dies ist gerade in der Lausitz der Fall.  Gerade für ältere oder weniger hochqualifizierte Beschäftigte fällt zudem der Wechsel in andere Arbeitsbereiche schwer. Zudem stärkt die Kaufkraft der Beschäftigten in der Braunkohle indirekt auch die anderen Arbeitsplätze in der Region.

Es geht also darum, deren Verlust sozialverträglich zu gestalten. Ein langsamer Wandel für einen sanften Übergang aus der Braunkohlewirtschaft in andere Branchen wäre hierfür das beste Zukunftsszenario. Wobei „langsam“ inzwischen nur noch relativ ist: Die Bedro­hung durch den Klimawandel, der Pariser Klimavertrag und die bundesdeutschen Klimaziele drängen auf einen raschen Ausstieg. Und je später das passiert, desto ab­rupter und damit sozial unverträglicher wird er werden. 

 

Am 6. Juni 2018 wurde die Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung von der deutschen Bundesregierung eingesetzt, Vorsitzender ist der ehemalige sächsische Ministerpräsident Tillich. Diese "Kohlekommission" hat zur Aufgabe, den Strukturwandel in den deutschen Braunkohleregionen in Ost und West zu gestalten und zu planen, wie dieser bezahlt werden kann.

 

Braunkohle und die Umwelt

Es gibt wohl kaum einen Eingriff in Natur und Umwelt in der deutschen Wirtschaft, der so nachhaltig und gravierend ist wie der Abbau und die Nutzung von Braunkohle. Um die Kohle fördern zu können, werden ganze Landstriche abgebaggert, das Grundwasser für Jahrhunderte verschmutzt, Menschen umgesiedelt. Bei der Umwandlung der Braunkohle in Energie werden große Mengen Kohlendioxid freigesetzt und die Gewässer über das Kühlwasser aufgeheizt. Was nach Tagebauende bleibt, sind gigantische Restlöcher, die mühsam renaturiert werden müssen und anstelle fruchtbarer Böden entstehen Kultursubstrate, deren landwirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten dauerhaft eingeschränkt sind. Uralte Waldgebiete wie der Hambacher Forst verschwinden für immer.

 

Die wirtschaftliche Bedeutung

Die Rolle Deutschlands in der globalen Energiepolitik ist eine einflussreiche: Ein deutscher Kohleausstieg könnte die Entwicklung in Europa vorantreiben und den Ausbau erneuerbarer Energien in den Nachbarländern anreizen

 

Deutschland gehört zu den Ländern mit den weltweit größten Braunkohlereserven und insbesondere für Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen und Sachsen ist der fossile Brennstoff für die Wirtschaft essentiell: Der Freistaat Sachsen setzt bis heute für seine Stromversorgung in erster Linie auf die Braunkohle. Während 2017 bundesweit die Braunkohle einen Anteil von 24,4 % am Strom-Mix hatte, waren es in Sachsen über 75%. Die erneuerbaren Energien tragen inzwischen mit 38,5% zum bundesdeutschen Strom-Mix bei – in Sachsen nur zu 11,8%. Mit der Braunkohle ist eine subventionsfreie und grundlastfähige Stromerzeugung möglich, während andere Energieträger auf kostspielige Subventionen angewiesen sind und die Verfügbarkeit der erneuerbaren Energien je nach Wetterlage schwankt. Daher stellt sich bei einem raschen Ausstieg aus der Braunkohle immer auch die Frage, inwieweit dann noch die Energiesicherheit gewährleistet werden kann.

Der Abbau von Braunkohle hat hier in Sachsen in den vergangenen Jahren wieder deutlich zugenommen. 2015 wurden in Sachsen fast 40 Millionen Tonnen Braunkohle abgebaut – acht Millionen Tonnen mehr als vor zehn Jahren und in etwa so viel wie Mitte der 1990er Jahre.  Damit schaufeln die Bagger in den Gruben bei Nochten, Reichwalde und Schleenhain jedes Jahr mehr, als im Tagebau Cospuden bei Leipzig während der gesamten Betriebszeit von 1981 bis 1991 ausgegraben wurde. Sachsen leistet durch seine heimische Braunkohle also einen wichtigen Beitrag dafür, dass Deutschland von Verwerfungen auf dem Weltmarkt im Bereich der Energierohstoffe, insbesondere bei Erdöl und Erdgas, weniger getroffen wird.

Die Kohle verstromenden Kraftwerke wurden in den letzten 15 Jahren unter hohen Kosten umfassend erneuert und brauchen weniger Kohle pro Kilowattstunde Strom. Dies reduziert den entstehenden CO2- Ausstoß.  Mit einem raschen Ausstieg aus der Kohle wären diese Milliardeninvestitionen umsonst gewesen. Gleichzeitig würde Deutschland seine Rolle als innovativer und technologisch hochwertiger Industriestandort für Braunkohlekraftwerke verlieren. Gerade für Sachsen sind solche modernen Industrien sehr wichtig.

Allerdings ist auch Sachsen als Bundesland in bundesdeutsche Abkommen eingebunden, also verpflichtet, den Treibhausgasausstoß bis 2050 im selben Maße wie alle anderen Bundesländer zu verringern. Außerdem hat sich die Bundesregierung mit ihrem Energieprogramm darauf festgelegt, den Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Stromverbrauch bis 2050 auf 80 % zu steigern. Es geht also darum, einen Weg zu finden, ohne der Wirtschaft, den Arbeitenden oder der Umwelt nachhaltig zu schaden.

 

Weiterführende Links

 

Aßmann, D., 2003. Akteure, Strukturen und Technologien für ein zukunftsfähiges

Energiesystem. Gestaltungsoptionen im nationalen und globalen Kontext. Frankfurt a.M.: Peter Lang.

Agora Energiewende, 2013a. Eine robustes Stromnetz für die Zukunft. Methodenvorschlag zur Planung - Kurzfassung einer Studie von BET Aachen. Berlin: Agora Energiewende.

 

https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Energie/gesetzeskarte.html

 

https://www.kommission-wsb.de/WSB/Navigation/DE/Home/home.html

 

https://www.bund-sachsen.de/fileadmin/sachsen/PDFs/Fact_Sheet/171129_Faktenblatt_Abhangigkeit_WEB.pdf

 

https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie

 

https://infoseiten.slpb.de/politik/sachsen/sachsen-allgemein/wirtschaftsstruktur/rohstoffland-sachsen/

 

https://www.mdr.de/sachsen/kommission-kohle-braunkohle-ausstieg-100.html

260 Meinungen 123 Kommentare

Gast stimmt der These Der Ausstieg aus der Braunkohle zerstört die traditionelle Wirtschaft und gefährdet Arbeitsplätze zu

wenn er überhastet und ohne Ersatzmassnahmen geschieht sicherlich, anzunehmen das es anders kommt, verbietet mir meine Lebenserfahrung

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17.12.2018

Gast stimmt der These Der Ausstieg aus der Braunkohle zerstört die traditionelle Wirtschaft und gefährdet Arbeitsplätze zu

Ein paar unbequeme Tatsachen für alle die die an das Märchen von der 100% Öko-Stromversorgung glauben und über die die Einpeitscher von Grünen, Greenpeace, BUND und co. natürlich nicht informieren.

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17.12.2018 1 Kommentar

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Die Braunkohleverstromung umfasst nicht nur die Tagebau- und Kraftwerksstandorte, sondern schließt die gesamte Region ein. Industrieangesiedelte Firmen an den Standorten, den Autoverkäufer, den Friseur, die Schulen usw...

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17.12.2018

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Der CO² - Anteil der Braunkohle wird zur Sündenbockhysterie hochgespielt.

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17.12.2018

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Ein voreiliger Ausstieg aus der Braunkohle zieht immense Strukturbrüche nach sich. Ganzen Regionen gehen massig Arbeitsplätze verloren, die Kaufkraft sinkt daraufhin und das wirkt sich auch auf weitere Unternehmen aus.

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17.12.2018

Gast positioniert sich zur These Der Ausstieg aus der Braunkohle zerstört die traditionelle Wirtschaft und gefährdet Arbeitsplätze neutral

Ein Ausstieg aus der Braunkohle (und gleichzeitig noch aus dem Atomstrom) ist nur sinnvoll, wenn es gleichwertige Alternativen gibt.

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17.12.2018

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Die Kraftwerke kommen ihrer Verpflichtung der Bundesrepublik Strom zu liefern Tag für Tag nach, im Gegenzug sollte die Regierung auch ihre Zusagen zu Laufzeiten einhalten, damit den Unternehmen die Zeit bleibt sich auf neue Geschäftsfelder einzurichten

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17.12.2018

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Günstiger, zuverlässiger und heimischer Energieträger!

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17.12.2018

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Logischerweise geht mit radikalen Umbrüchen in Wirtschaftszweigen auch (fast) immer ein Arbeitsplatzverlust einher. Die Politik greift gerade in der Energiepolitik stark regulierend ein.

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17.12.2018

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Die Energiekosten sind schon jetzt eine echte Zumutung, wir müssen uns darauf einstellen das es so weitergehen wird. Angeschürt von der Diskussion um CO2 Neutralität und Klimawandel.

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17.12.2018

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Solange keine sicheren Alternativen für die Erzeugung von Strom gefunden sind und das Land sich nicht von anderen Ländern abhängig machen möchte, benötigen wir die Braunkohleverstromung als zuverlässige Quelle zur Stromerzeugung.

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17.12.2018

Gast stimmt der These Der Ausstieg aus der Braunkohle zerstört die traditionelle Wirtschaft und gefährdet Arbeitsplätze zu

Wir müssen doch nur schauen, was sich nach dem Ausstiegsbeschluss zur Steinkohle in den betroffenen Regionen getan hat. Versprechen zum Strukturwandel gab es immer wieder, aber wurden diese auch wirklich umgesetzt?

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16.12.2018

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