Der heutigen Rentnergeneration geht es so gut wie keiner zuvor.

Hintergrundinformationen zur These "Der heutigen Rentnergeneration geht es so gut wie keiner zuvor."

Vergleicht man den Wohlstand der heutigen Menschen mit dem vor einigen Jahrzehnten, so erscheint die Sache zuerst eindeutig: Die meisten Haushalte verfügen heute über Waschmaschine, Telefon, internetfähigen PC und andere Dinge, die den Alltag erleichtern und selbst zu Zeiten des „Wirtschaftswunders“ der Nachkriegszeit noch als Luxus galten. Dieser Eindruck stellt sich bei näherer Analyse jedoch als zu oberflächlich heraus.

Generationenvertrag und Standardrente – ein (sehr) kurzer Überblick über das deutsche Rentensystem

Renten werden in Deutschland nicht aus Steuergeldern bezahlt, sondern nach dem System des sogenannten „Generationenvertrags“: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die heute im Arbeitsmarkt aktiv sind, geben einen Teil ihres Einkommens ab, welcher den Menschen, die heute im Ruhestand sind, als Rente ausgezahlt wird. Dabei erwerben alle Menschen, die einzahlen, ein Recht darauf, nach der eigenen Berufstätigkeit selbst von der jüngeren Generation versorgt zu werden.

Möchte man die finanzielle Situation der Rentnerinnen und Rentner in Deutschland beurteilen, lohnt sich also ein Blick auf die sogenannte „Standardrente“. Stellt man sich eine Person vor, welche genau 45 Jahre den Durchschnittslohn in Deutschland verdient und entsprechend in die Rentenkasse eingezahlt hat, dann wird diese Person Rente in Höhe der „Standardrente“ bekommen.

Dossier zum Thema Rentenpolitik bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Leicht sinkende Durchschnittsrente

Im Jahr 1990 betrug die Standardrente in Westdeutschland 852€, während sie heute 1.284€ zählt. Was zunächst wie eine deutliche Steigerung wirkt, muss aber auch daran gemessen werden, wie sich die Preise seitdem durch Inflation verteuert haben – rechnet man dies mit ein, müsste eine heutige Standardrente 1.438€ betragen, damit sich heutige Rentner den gleichen Lebensstandard leisten könnten wie im Jahr 1990. Effektiv sind die Renten also gesunken – wobei jedoch hier nicht mitbedacht wird, inwiefern Menschen auch auf private Maßnahmen zurückgreifen und ob diese durch die Gesetzgebung vergünstigt wurden (Aktien, Riesterrente, etc.).

Auch der Unterschied von Ost- und Westdeutschland stellt sich in dieser Hinsicht als immens heraus. So betrug die Standardrente des Jahres 1990 in Ostdeutschland nur 344€, rechnet man erneut die Verteuerung der letzten Jahrzehnte ein, so würden heute schon 575€ reichen, um denselben Lebensstandard zu erfüllen. Die Standardrente beträgt allerdings 1.230€. Hier haben sich die Renten also massiv gesteigert – was jedoch nur daran liegt, dass das Niveau in der Nachwendezeit ein sehr niedriges war, das stark ansteigende Preisniveau nach der Währungsreform war also noch nicht eingepreist. Effektiv ist die heutige Standardrente in Ostdeutschland nach wie vor niedriger als in Westdeutschland, wobei auch hier wiederum die unterschiedlichen Lebenserhaltungskosten, wie beispielsweise Miete, berücksichtigt werden müssen.

Mehr zum Thema Berechnungsmethoden der Rentenhöhe bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Rentenbestandsstatistik des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales mit ausführlicher Aufschlüsselung der Daten der gesetzlichen Rentenversicherung.

Ungleichheit auch in der Rente – auf Arbeit im Niedriglohnsektor folgt Altersarmut

Ein wichtiger Punkt wurde bis hierhin jedoch noch gar nicht beleuchtet: Die Renten entwickeln sich massiv auseinander, da sie auf den Löhnen und Gehältern basieren, welche ebenfalls stark auseinanderdriften. Die Ungleichheit, welche sich bei der Einkommensverteilung beobachten lässt, wirkt sich direkt auf die Rente nieder. Bei niedrigem Einkommen, gerade in Familien, bei denen an Ankauf von Aktien oder anderen privaten Vorsorgemöglichkeiten nicht zu denken ist, fallen Menschen, welche im Niedriglohnsektor arbeiten, auf die staatliche Rente zurück. Wenn sie dabei keine 45 Arbeitsjahre vorweisen können, so führt dies zu Armut im Alter, welche auch entsprechend innerhalb der letzten Jahre zunimmt. So stellt der Paritätische Wohlfahrtsverband in seinem Armutsbericht 2019 fest, dass jeder Vierte der 12,8 Millionen in Armut lebenden Menschen in Deutschland Rentnerin oder Rentner ist. Bei den Tafeln in Deutschland, welche Essen für Bedürftige ausgeben, hat sich der Anteil älterer Menschen seit dem Jahr 2007 verdoppelt.

Mehr zum Thema Einkommensungleichheit in Deutschland bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Armutsbericht des paritätischen Wohlfahrtsverbands 2019.

Mehr zum Thema Altersarmut bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Was bedeutet Wohlstand?

Unter "arm" wird in diesem Zusammenhang verstanden, wer weniger als 60% des durchschnittlichen Einkommens vorweisen kann. Im Jahr 2019 betrug dieser Wert 930€ im Monat, von denen noch keine festen Kosten (Miete, Strom, etc.) gedeckt wurden. Armut wird hier also immer im Vergleich verstanden, was mitunter auch Kritik hervorruft, da auf diese Weise das Wohlstandsniveau, also die eingangs angeführte Frage, auf welche Konsumprodukte man zugreifen kann, nicht einfließt: Wer heute arm ist, hat unter Umständen dennoch mehr, als ein Mensch, der sich in den 1960er-Jahren einige Luxusprodukte leisten konnte. Dagegen ließe sich jedoch einwenden, dass Armut oft Teilhabe verhindert: Der Zugang zu kulturellen Veranstaltungen, das Teilnehmen an sozialen Ereignissen der eigenen (Enkel-)Kinder oder die freie Wahl des Wohnortes stehen armen Menschen nicht mehr im selben Maße offen, auch wenn der Lebensstandard in anderen Bereichen den der zurückliegenden Generationen übersteigt.

Die Frage, ob es heutige Rentnergenerationen besser haben als ihre Vorgänger, hängt also eng damit zusammen, wie man Wohlstand begreift, ob man die finanziellen Möglichkeiten der Rentnerinnen und Rentner in ihrer Zeit begreift oder über Epochen hinweg vergleicht.

Mehr zur Diskussion um den relativen Armutsbegriff bei der Hans-Böckler-Stiftung.

„Flakhelfer“ und „Trümmerkinder“ – die letzten Generationen mit direkter Kriegserfahrung

Darüber hinaus greift es zu kurz, Wohlstand nur in wirtschaftlichen Kategorien zu vermessen. Unter verschiedenen Aspekten, die für ein gutes und würdevolles Leben wichtig sind, spielt auch die Frage der gesellschaftlichen Stabilität eine wichtige, wenn nicht gar eine wichtigere Rolle als die finanziellen Möglichkeiten. Aber auch hier lässt sich in Bezug auf die heutige Rentnergeneration kein eindeutiges Bild zeichnen, da innerhalb dieser Gruppe nur die älteren Menschen noch unmittelbare Kriegserlebnisse zu verzeichnen haben, die jüngeren hingegen schon in der Nachkriegsordnung aufwuchsen. Aber auch diese Generation der „Trümmerkinder“ bis hin zu den „Baby-Boomern“ ist nicht selten noch durch den Zweiten Weltkrieg geprägt, sei es durch wirtschaftliche Notlagen Ende der 1940er-Jahre oder unterdrückte Traumata der zu Kriegszeiten sozialisierten Eltern.

Ausgabe des „Fluter“ zum Thema Generationen bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Weiterführende Literatur

  • Bode, Sabine: Nachkriegskinder. Die 1950er Jahrgänge und ihre Soldatenväter. Bonn, 2015
  • Braun, Reiner; Pfeiffer, Ulrich: Die Kinder der Babyboomer. Wie tickt die "knappe" Generation im Vergleich zu Eltern und Großeltern? Köln, 2012.
  • Götz, Irene (Hrsg.): Kein Ruhestand. Wie Frauen mit Altersarmut umgehen. München, 2019.
  • Köhler-Rama, Tim: Das Rentensystem verstehen. Einführung in die Politische Ökonomie der Alterssicherung. Frankfurt am Main, 2018.

42 Meinungen 9 Kommentare

Gast stimmt der These Der heutigen Rentnergeneration geht es so gut wie keiner zuvor. zu

Den finanziellen Aspekt lasse ich außen vor, da ich davon keine Ahnung habe, aber die Möglichkeiten sind einfach für Rentner heute mehr. Sei es eine Pflegekraft die Regelmäßig kommt und etwas mit den Rentnern unternehmen.

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29.01.2020

Gast positioniert sich zur These Der heutigen Rentnergeneration geht es so gut wie keiner zuvor. neutral

Ich kenne nicht die Lebenssituation in der Vergangenheit.

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29.01.2020

Gast positioniert sich zur These Der heutigen Rentnergeneration geht es so gut wie keiner zuvor. neutral

Das kann ich nicht beurteilen, allerdings höre ich keine Klagen von meinen Großeltern.

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29.01.2020

Gast stimmt der These Der heutigen Rentnergeneration geht es so gut wie keiner zuvor. nicht zu

Die Rente ist lachhaft und die Altenheime sind unterbesetzt. Das führt dazu, dass manche Pfleger die alten Leute schlagen, weil sie unter Druck stehen und nur ein paar Minuten pro Patient haben.

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28.01.2020

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Weil unser Rentensystem nicht funktioniert. Ich finde es ungerecht das Meschen die ihr Leben lang gearbeitet haben (als Friseurin) weniger bekommen als Meschen die mehr eingezahlt haben und z.B als Polizist gearbeitet haben.

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28.01.2020

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Das kann man nicht verallgemeinern.

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27.01.2020

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In Zukunft nicht mehr, aber Aktuell ja. Auf die DDR bezogen allerdings nicht.

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27.01.2020

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Ich denke, auch wenn es aktuell Rentern besser geht als jenen einer vorherigen Generation, brauchen sie trotzdem mehr Unterstützung, vor allem vom Staat.

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27.01.2020

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Es kommt ganz darauf an. Es gibt auch leider zunehmend Altersarmut. Dazu kommen auch soziale Probleme wie Vereinsamung und soziale Isolation im Alter. Die Familien sind nicht mehr so aufgestellt wie vor einigen Jahrzehnten (z.B.

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21.01.2020

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Solche pauschalen Behauptungen werden der Komplexität unserer Gesellschaft nicht gerecht und bringen uns nicht weiter. Auf meine Eltern träfe diese Aussage zu - auf unzählige andere hingegen nicht.

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21.01.2020

Gast stimmt der These Der heutigen Rentnergeneration geht es so gut wie keiner zuvor. zu

Den meisten

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18.01.2020

Gast stimmt der These Der heutigen Rentnergeneration geht es so gut wie keiner zuvor. nicht zu

Ich sehe viele Rentner Flaschen Sammeln oder zur Tafel gehen. Es mag einen gewissen Teil geben denen es sehr gut geht aber dem großteil fehlt das nötige Geld um den Lebensabend zu genießen.

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17.01.2020

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