Der Islam gehört zu Deutschland.

Toleranz
Toleranz kommt vom lateinischen Wort tolerare, was erdulden und ertragen bedeutet. Jemand, der tolerant ist, duldet und achtet andere Personen oder Gruppen auf der Grundlage eigener Wertvorstellungen. Ein toleranter Mensch lässt andere gelten und gewähren, obwohl er mit deren Denken oder Handeln selbst nicht einverstanden ist.
Toleranz ist damit zu unterscheiden von Akzeptanz, die deutlich weiter geht: Akzeptanz umfasst auch eine Zustimmung zu anderen Ansichten und Verhaltensweisen.

Zu unterscheiden ist zwischen unbedingter (grenzenloser) Toleranz und bedingter (begrenzter) Toleranz:

Unbedingte (grenzenlose) Toleranz als absolutes Prinzip bezeichnet die Duldung und Achtung Andersdenkender und –handelnder auch einschließlich des Falles, dass die Toleranz von den Tolerierten nicht erwidert wird. Einen häufigen Unterfall bildet hierbei die erzwungene unbedingte Toleranz in asymmetrischen Machtgefällelagen, z.B. im Verhältnis eines Untergebenen gegenüber einem Diktator. Hier ist aber ggf. zwischen nur vorgespiegelter Toleranz (aus Furcht vor Repressalien) bei in Wahrheit zugleich stiller Intoleranz zu unterscheiden.

Bedingte (begrenzte) Toleranz ist in der Praxis eher der Regelfall und kommt in zwei häufigen Ausprägungen vor: Erstens als „Toleranz auf Gegenseitigkeit“, wobei als Bedingung der Toleranzgewährung von dem Tolerierten verlangt wird, dass er im Gegenzug ebenso tolerant gegenüber einem selbst ist. Zweitens kann Toleranz situativ oder zeitlich begrenzt sein, indem ein bestimmtes Verhalten nur in bestimmten Umgebungen / Umständen oder nur für einen begrenzten Zeitraum toleriert wird. (Beispiel: Toleranz öffentlicher Nacktheit nur am FKK-Strand oder in der Sauna).

Religiöse Toleranz: Der Islam gehört zu Deutschland.

Als der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff diese These im Oktober 2010 öffentlich vertrat, sprach er damit zugleich die Frage nach religiöser Toleranz direkt an. Er erntete schon damals viel Kritik, lange bevor im Jahr 2015 die große Flüchtlingswelle aus überwiegend muslimisch geprägten Ländern einsetzte. Auch die Verschleierungs- bzw. Kopftuchdebatte hinsichtlich muslimischer Frauen erregt bereits seit Jahrzehnten immer wieder einmal die Gemüter. An diesen Beispielen zeigt sich, dass der Islam und die mit ihm verbundene muslimische Lebensweise und Kultur in Deutschland schon seit langem umstritten ist. In die gleiche kritische Richtung deuten auch die Befunde einer Vergleichsstudie von Forschern der Universität Münster aus dem Jahr 2010: Während Niederländer, Franzosen und Dänen jeweils mehrheitlich positiv über Muslime dachten, traf dies in Deutschland nur für eine Minderheit von 34 % (West) und 26 % (Ost) der Befragten zu. Als Ursache negativer Einstellungen gegenüber Muslimen wurde die geringe Kontakthäufigkeit der Deutschen mit ihnen zitiert, und die bewegte sich speziell im Osten Deutschlands auf einem sehr niedrigen Niveau. Teile der westdeutschen Bevölkerung konnten hingegen seit Mitte der 1960er Jahre durch die türkischen Gastarbeiter Erfahrungen mit muslimischen Mitbürgern sammeln.

Einerseits ist das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland natürlich vor dem christlich geprägten Wertehintergrund der deutschen Geschichte entstanden, aber die darin in Artikel 4 verankerte Religionsfreiheit war im Nachkriegsdeutschland für die längste Zeit ebenso wenig umstritten wie die Trennung von Kirche und Staat und der Primat von Staat, Gesetz und Politik.
Andererseits ist es wohl kein Zufall, dass sich die Toleranzthematik schon historisch seit der Einstellung der Christenverfolgung im Römischen Reich meist am Thema "Religion" konkretisierte, weil hier in besonderer Weise unterschiedliche tradierte Lebens- und Verhaltensmuster aufeinander prallen, die jeweils mit Nachdruck nach Geltung und Akzeptanz verlangen. In Deutschland sorgte ganz unabhängig vom Islam bereits vor Jahrzehnten die Anbringung von Kruzifixen in bayerischen Klassenzimmern für heftigste Diskussionen, die bis vor das Bundesverfassungsgericht führten. Auch die Frage der Tolerierung religiöser Sekten wird bisweilen sehr leidenschaftlich geführt.

Gehört der Islam wirklich zu Deutschland?

Im Januar 2015 widersprach Ministerpräsident Stanislav Tillich in Bezug auf das Bundesland Sachsen der oben zitierten These Wulffs - und löste damit seinerseits Kritik und Diskussionen aus. Sowohl Wulffs als auch Tillichs Äußerung führten wohl auch deswegen zu einem so starken Echo, weil die Formulierung "... gehört zu..." sehr interpretationsoffen ist. Was alles kann die Aussage bedeuten? Erstens könnte eine neutrale Ist-Zustandsbeschreibung gemeint sein (z.B.: "Der Islam ist angesichts der muslimischen Bevölkerungsminderheit heute ein Teil Deutschlands."). Zweitens könnte es sich um eine bewertende Soll-Beschreibung handeln (also: "Es ist gut so und richtig, dass der Islam zu Deutschland gehört."). Drittens schließlich könnte speziell die Formulierung Tillichs auch als die verkürzte Form einer geschichtlichen Aussage verstanden werden, die dann wohl niemand bestreiten würde (nämlich: "Der Islam gehört NICHT SCHON IMMER zu Sachsen.").

Ein Blick in die Ergebnisse von zwei Studien liefert zum einen Fakten, zum anderen Indizien über die subjektiv empfundene Zugehörigkeit oder Nicht-Zugehörigkeit des Islam zu Deutschland: Betrachtet man die Muslime in Deutschland statistisch, so fällt auf, dass sie in ihrer großen Mehrheit in engem Einklang mit dem Grundgesetz leben. Der Religionsmonitor 2015 stellt fest, dass in Deutschland lebende Muslime aufgrund der Erfahrung, als religiöse Minderheit zu leben, oftmals sehr viel liberale Einstellungen haben als Glaubensangehörige mehrheitlich muslimischer Länder: Der Aussage, die Demokratie sei eine gute Staatsform, stimmen 90 Prozent der hochreligiösen Sunniten zu. Der Satz „man sollte allen Religionen gegenüber offen sein“ erfährt eine Zustimmungsrate von 93 Prozent. 85 Prozent der befragten Muslime sind der Meinung, jede Religion habe einen wahren Kern. Die zunehmende religiöse Vielfalt in Deutschland empfinden 68 Prozent der hochreligiösen und 75 Prozent der weniger religiösen Muslime als Bereicherung.

Auch die Behauptung, Muslime seien in unsere Gesellschaft nicht integriert, lässt sich nur schwer nachvollziehen. So geben 90 Prozent der befragten (auch streng gläubigen) Sunniten an, sie hätten in ihrer Freizeit regelmäßigen Kontakt mit Angehörigen anderer (christlicher) Religionen oder mit konfessionslosen Menschen. Nur etwa 8 Prozent der Befragten halten sich bewusst in einem Netzwerk gläubiger Muslime auf.
Dieser Kontakt zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionen und konfessionslosen Menschen führt nachweisbar dazu, dass Vorurteile gegeneinander abgebaut werden. Der Aussage „der Islam ist bedrohlich“ stimmen in Nordrhein-Westfalen 46 Prozent der Bevölkerung zu, dabei handelt es sich größtenteils um Bewohner außerhalb großer Städte. In Sachsen hingegen stimmen derselben Aussage 78 Prozent der Befragten zu. Vergleicht man dazu den Anteil von Muslimen innerhalb der Gesamtbevölkerung (NRW: 2,8%, davon lebt ein Großteil innerhalb der Städte; Sachsen: 0,43%), so lässt sich leicht feststellen, dass der Islam vor allem dort als bedrohlich empfunden wird, wo wenige oder gar keine Muslime leben (bei der Erhebung dieser Fragen wurden ausschließlich Nicht-Muslime befragt).

Dass Muslime sich dennoch häufig dem Vorwurf ausgesetzt sehen, sie würden das Grundgesetz nicht anerkennen, liegt vor allem an der überproportionalen medialen Darstellung radikaler muslimischer Gruppierungen, hauptsächlich der Glaubensrichtung der Salafisten. Dabei handelt es sich allerdings um eine kleine Minderheit (weniger als 2% aller Muslime in Deutschland gehören dieser Glaubensrichtung an), die vollständig vom Verfassungsschutz überwacht wird.

Die Ergebnisse des Sachsen-Monitors 2016 machen deutlich, dass in Sachsen vor allem diejenigen Befragten vor der vermeintlichen „Islamisierung des christlichen Abendlands“ Sorge haben, die selbst auch den größten Abstand zum Christentum haben. Der Aussage „Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden“ (Zustimmung insgesamt: 39 Prozent) bejahen überdurchschnittlich oft solche Befragten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst konfessionslos sind: Arbeiter, Befragte, die sich selbst der Unterschicht zuordnen, und die Gruppe der 18-29-jährigen. Die pauschale Ablehnung des Islam ist also – trotz der Bezugnahme auf ein vermeintliches „christliches Abendland – offenbar häufig mit einer allgemeinen Skepsis gegenüber Religionen verbunden.

An den Positionierungen zur Aussage "Die meisten hier lebenden Muslime akzeptieren nicht unsere Werte" schließlich wird mit einer eklatanten Ausnahme deutlich, dass islamkritische Ansichten überproportional bei bildungsferneren bzw. wirtschaftlich weniger gut gestellten Schichten festzustellen sind: Während 69 Prozent aller sächsischen Befragten dieser Aussage "voll" oder "eher" zustimmen, liegt dieser Wert für die Befragten ohne Bildungsabschluss oder mit Hauptschulabschluss bei 78 Prozent, für Arbeitslose bei 75 Prozent und für Arbeiter bei 80 Prozent. Den Spitzen-Zustimmungswert von 88 Prozent erzielt jedoch eine andere Berufsgruppe: die Beamten!
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Quelle Studie Religion und Toleranz, Universität Münster 2010:
https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2010/dez/PM_Studie_Religioese_Vielfalt_in_Europa.html

Quelle Religionsmonitor 2015:
http://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/Projekte/51_Religionsmonitor/Zusammenfassung_der_Sonderauswertung.pdf

Quelle Sachsen-Monitor 2016:
https://www.staatsregierung.sachsen.de/download/staatsregierung/Tabellen_SN-Monitor_2016_Final.pdf

114 Meinungen 183 Kommentare

Gast stimmt der These Der Islam gehört zu Deutschland. zu

In Deutschland leben Menschen, die unterschiedlichen Religionen angehören. Der Islam gehört auch dazu.

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10.02.2017

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Religionsfreiheit für alle Religionen

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10.02.2017

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Relegionsfreiheit

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09.02.2017

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Für mich ist dies ein Fakt. Es ist ein unumstößliches Grundrecht, dass man in Deutschland seine Religion frei ausüben kann und viele in Deutschland lebende Menschen nennen den Islam ihre Religion.

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08.02.2017

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Abgesehen davon, dass alle in Deutschland lebenden Menschen ihre Religion frei wählen dürfen und der (säkuläre) Staat allen entsprechenden Weltanschauungen frei jeder Gesinnungspolitik neutral gegenüberstehen muss, tragen Muslime schon seit vielen Jahr

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08.02.2017 1 Kommentar

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Es sind hinreichend friedlicher Muslime seit langem Teil unserer Gesellschaft und Bevölkerung.

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08.02.2017 1 Kommentar

Ralf G. stimmt der These Der Islam gehört zu Deutschland. nicht zu

Bereits 2007 hatte eine Umfrage unter Muslimen in Deutschland zum Ergebnis, dass 22% der jungen Muslime und 13% über alle Altersgruppen glauben, dass Selbstmordattentate gerechtfertigt sind.

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08.02.2017 1 Kommentar

Gast stimmt der These Der Islam gehört zu Deutschland. nicht zu

Der Islam ist nicht mit der FDGO vereinbar.

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07.02.2017 3 Kommentare

Eva66 stimmt der These Der Islam gehört zu Deutschland. nicht zu

Der Islam ist eine intolerante, Ideologie mit wirtschaftlichen, finanziellen und religiösen Strukturen für das Leben. Die Religion dient nur der Tarnung!

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07.02.2017

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So wie andere Religionen auch.

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06.02.2017

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Seit mehr als tausend Jahren leben Muslime in Europa und seit dem 19. Jhd. in immer größer werdender Zahl auch in Deutschland.

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06.02.2017 1 Kommentar

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Religionsfreiheit ist im Grundgesetz verankert.

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06.02.2017 1 Kommentar

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