Der Rundfunkbeitrag sollte beibehalten werden.

Was versteht man unter „Medien“?

Der Begriff „Medien“ (lat. „medium“: Mittel) bezeichnet im weiteren Sinne Mittel, welche zum Erreichen eines Zweckes eingesetzt werden. Im engeren Sinne und alltäglich wird der Begriff meistens im Bereich der Kommunikation benutzt. Hier ist ein Medium das Mittel oder der Kanal, um eine Information vom Sender zum Empfänger zu transportieren. Umgangssprachlich werden als „Medien“ meist Sendeanstalten des Fernsehens, Rundfunks oder Verlagshäuser der Presse verstanden.

Ob soziale Netzwerke und Informationsangebote des Web 2.0 - also durch (anonyme) Nutzer generierte Inhalte wie z.B. Blogs - unter dem Begriff „soziale Medien“ als Teil des Mediensystems angesehen werden können, ist umstritten. Zwar decken immer mehr Menschen ihren Informationsbedarf über soziale Netzwerke, allerdings dienen diese meistens zur Verbreitung von nach wie vor journalistisch erarbeiteten Inhalten. Gleichzeitig vermischen sich im Bereich des Web 2.0 private Eindrücke mit journalistischer Berichterstattung, eine professionelle Kontrolle findet in der Regel nicht statt.

Das Vertrauen in die etablierten Medien ist nach wie vor hoch
 

Die Ergebnisse des Sachsen-Monitor 2016 – einer repräsentativen Umfrage unter der sächsischen Bevölkerung – zeigen, dass die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nach wie vor viel Vertrauen genießen: 75% der Befragten halten diese für glaubwürdig oder sehr glaubwürdig. Die Sendeanstalten, die durch den Rundfunkbeitrag ermöglicht werden, teilen sich damit den ersten Platz mit regionalen Tageszeitungen (ebenfalls 75%), doch bereits überregionale Tageszeitungen liegen mit 59% deutlich dahinter.  Auf dem vorletzten Platz liegen schließlich die sozialen Medien (27%), das Schlusslicht bildet die Boulevardpresse (19%).

Eine fundierte und ausgewogene journalistische Recherche ist eine aufwendige Arbeit. Dazu müssen einerseits ausreichend finanzielle Mittel bereitgestellt werden, die andererseits unabhängig vom Ergebnis der Recherche und der Positionierung des Journalisten zur Verfügung stehen.

Während bei privaten Medienangeboten jeder Bürger selbst entscheiden kann, diese wahrzunehmen oder zu boykottieren, so gibt es keine legale Möglichkeit, den Rundfunkbeitrag zu umgehen. Werden die Inhalte und Methoden der davon profitierenden Sendeanstalten (ARD, ZDF, Dradio und alle regionalen Sendeanstalten wie z. B. der MDR) aber als nicht vertrauenswürdig eingestuft, so steht auch die Rechtmäßigkeit der Abgabe in Frage.

Praktische Hinweise zum Thema Rundfunkbeitrag.
 

Private Medien – ein Garant für Unabhängigkeit?
 

Historisch betrachtet bildeten sich private Zeitungsverlage vor allem als Gegenpol zu staatsfinanzierter, einseitiger Berichterstattung oder Propaganda. Durch den Verkauf von Informationen an Bürger, welche für kritischen Journalismus ein Teil ihres Einkommens zu bezahlen bereit sind, werden aufwendige Recherchen finanziert. Das ermöglicht zwar eine freie Meinungsäußerung und kritische Berichterstattung, jedoch sind private Medien damit immer auch abhängig von den Verkaufszahlen ihres Mediums, unterliegen also den Mechanismen des Marktes. Das kann zu verschiedenen Phänomenen führen, welche wiederum dem Ideal eines fundierten und kritischen Journalismus‘ entgegenwirken.

Einerseits muss jede Meldung daraufhin abgeklopft werden, ob sie „sich verkauft“: Komplexe Darstellungen eines Sachverhaltens unterliegen hier schnell einfachen Wahrheiten, Skandale um der Verkaufszahlen willen nehmen einen großen Platz in der Berichterstattung ein, die Schlagzeilen der Konkurrenz werden schnell übernommen, um immer selbst auch zu allen Sachfragen Informationen anbieten zu können (sog. „Herdenjournalismus“). All diese Problematiken verschärfen sich derweil, da Informationen zunehmend im Internet abgerufen werden. Hier gilt das Gebot der minutenschnellen Reaktion auf die Berichterstattung der Konkurrenz, während gleichzeitig verlässliche Einnahmen aus den Verkäufen der gedruckten Exemplare zurückgehen. Die Folgen sind immer aggressiver geschaltete Werbung, welche gleichzeitig eine Abhängigkeit gegenüber dem Werbetreibenden schafft und sogenannte „click-bait“-Strategien: Aufmerksamkeitsheischende Überschriften sollen den Nutzer verleiten, Meldungen aufzurufen und damit Werbeeinnahmen zu generieren, der eigentliche Inhalt rückt in den Hintergrund.

Doch auch wenn private Redaktionen unabhängig vom Wohlwollen staatlicher Institutionen sind, so sind sie dennoch direkt Rechenschaftspflichtig gegenüber den Inhabern des entsprechenden Verlages. Das führt zu zwei weiteren Problemen zu Ungunsten einer unabhängigen Berichterstattung: Einerseits findet eine starke Konzentration der verschiedenen Verlagshäuser statt: Immer weniger Medienkonzerne besitzen immer mehr kleine Verlage, wodurch die Einflussnahme auf die öffentliche Meinungsbildung bei immer wenigen Menschen liegt. Ein prominentes Beispiel hierfür ist das Medienimperium von Rupert Murdoch, doch auch in Deutschland lässt sich dieser Vorgang beobachten.

Führt man diese Betrachtungen zusammen, ergibt sich schlussendlich ein weiteres Problem: Eine abnehmend differenzierte Berichterstattung, welche sich im Besitz immer weniger Unternehmen befindet, führt zwangsläufig zu einer Polarisierung der Medienlandschaft, wie sich beispielhaft in den USA beobachten lässt.

Mehr zu den Folgen der Medienkonzentration.

Mehr zum Thema Polarisierung und Medienlandschaft der USA.
 

Öffentlich-rechtliche Sendeanstalten – zwischen Hofberichterstattung und Qualitätsjournalismus
 

Als Gegengewicht dazu existiert das System der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Durch eine verpflichtende Abgabe aller Bürger soll eine Berichterstattung ermöglicht werden, welche weitestgehend unabhängig von Verkaufszahlen funktioniert und im Idealfall den Konkurrenzdruck für Journalisten auf diese Weise minimiert.

Damit der erhobene Beitrag sinnvoll eingesetzt werden, bedarf es jedoch wiederum einer Form der Kontrolle, welche in diesem Fall nicht durch den Konsumenten vorgenommen werden kann. Da der Staat den Rundfunkbeitrag erhebt, werden unter anderem Vertreter des Staates und der Fraktionen im Bundestag in die Aufsichtsratsgremien entsandt. Dass Inhalte unter dieser Kontrolle allerdings Gefahr laufen, durch politische Interessen beeinflusst zu werden, wird beispielhaft durch den Fall von Nikolaus Brender illustriert. Brender war vom Jahr 2000 an Chefredakteur des ZDF in Mainz. Als er sich gegen den Versuch politischer Einflussnahme auf die Berichterstattung wehrte, wurde schließlich 2009 sein Vertrag nicht verlängert. Obwohl ihm durch seine eigenen Mitarbeiter sowie Fachkreise große Kompetenz bescheinigt wurde, organisierte der damalige Ministerpräsident Hessens, Roland Koch (CDU) im Aufsichtsrat des Senders eine zur Sperre ausreichende Minderheit gegen die Vertragsverlängerung. Schlussendlich gab das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2014 Brender Recht, bescheinigte dem ZDF „zu viel Staatsnähe“ und sorgte letztlich dafür, dass im neuen ZDF-Staatsvertrag der Einfluss von Entsandten der Politik reduziert wurde.

Ausführliche Darstellung des Fall Brenders.

Gutachten des Bundesfinanzministeriums, welches Problematiken und mögliche Reformwege des derzeitigen Rundfunksystems darstellt.

Eine perfekte, unabhängige Medienlandschaft existiert nicht
 

Da gute Berichterstattung immer auf ausreichend finanzielle Mittel angewiesen ist, ergibt sich also auch automatisch eine Abhängigkeit zu den entsprechenden Geldgebern. Doch es gibt weitere Möglichkeiten, journalistische Standards zu verteidigen. So handelt es sich beim „Deutschen Presserat“ um ein Gremium, welches innerhalb der Bevölkerung, aber vor allem unter Journalisten hohes Ansehen genießt. Der Deutsche Presserat zeichnet hochwertige Berichterstattung aus und rügt Fehlverhalten von Journalisten. Obwohl er nur indirekten Einfluss auf die Vergabe von Geldern hat, wirkt er auf diese Weise als Korrektiv gegen unangemessene Berichterstattung.

„So geht Medien“ - Materialsammlung von ARD, ZDF und DRadio zu den Grundlagen des Journalismus.

 

Weiterführende Literatur
  • Flaig, Carolin: Wirtschaftsjournalismus und Markt. Notwendigkeit und Ansätze einer Regulierung. Berlin. 2009.
  • Hoffmann, Astrid: Der Rundfunkbeitrag. Eine Untersuchung zur funktionsgerechten Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Baden-Baden. 2016.
  • Kirchhof, Paul: Die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Baden-Baden. 2010.
  • Schulze, Juliana: Öffentlich-rechtliche versus private Nachrichten. Eine empirische Studie anhand ausgewählter Nachrichtentexte von MDR Jump und Radio PSR. Saarbrücken. 2011.
  • Segbers, Michael: Die Ware Nachricht. Wie Nachrichtenagenturen ticken. Konstanz. 2007.

731 Meinungen 680 Kommentare

Gast stimmt der These Der Rundfunkbeitrag sollte beibehalten werden. zu

Wer schon mal im Ausland ferngesehen hat, weiss zu schätzen, was wir an den Öffentlich-Rechtlichen haben!

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27.03.2017 35 Kommentare

Gast stimmt der These Der Rundfunkbeitrag sollte beibehalten werden. nicht zu

neue Informationsquellen, so dass die öffentlich-rechtlichen Medien weniger genutzt werden

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25.03.2017 2 Kommentare

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Das ist keine Gebühr sondern eine Steuer, die allen Bürgern auferlegt wird, unabhängig davon, ob sie die öffentlich/rechtlichen Medien nutzen.

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23.03.2017 1 Kommentar

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Da alle Sender das Gleiche sagen und Werbung auch im ÖR genügend kommt, kann man auf die Gebührensender auch verzichten.

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23.03.2017 2 Kommentare

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Ich nutze das Medium TV nicht

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23.03.2017 2 Kommentare

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Man braucht weder Rundfunkgebühren, das ginge auch alles über den Privatrundfunk ohne Gebühren

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22.03.2017 2 Kommentare

Klugscheißer12 stimmt der These Der Rundfunkbeitrag sollte beibehalten werden. zu

Rundfunkgebühren helfen, einen unabhängigen und qualitativ hochwertigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu ermöglichen und unterstützen so die Meinungsbildung in der Bevölkerung.

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20.03.2017 59 Kommentare

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Die Finanzierung von öffentlich-rechtlichen Medien durch Rundfunkgebühren macht sie unabhängiger von staatlichen Einflüssen.

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20.03.2017 43 Kommentare

Frank-DD positioniert sich zur These Der Rundfunkbeitrag sollte beibehalten werden. neutral

Die Gebühren sollten beibehalten werden, aber die öffentlich rechtlichen Sender sollten zu mehr Neutralität und Sachlichkeit reformiert werden. Bei manchen Themen haben viele Sender deutlich tendenzielle Richtungen.

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20.03.2017 2 Kommentare

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Gute Nachrichtensendungen, Magazine und Dokumentationen gibt es fast nur bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. Die privaten Anbieter sind zumeist sehr oberflächlich.

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20.03.2017 31 Kommentare

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Wozu denn? Um Rosamunde Pilcher-Produktionen zu finanzieren oder den Musikantenstadl zu fördern? Nein. Sollten doch die bezahlen, die das sehen wollen. Ich nicht.

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20.03.2017 11 Kommentare

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