Es ist ungerecht, dass die Älteren den Jüngeren bei Gesundheit und Pflege auf der Tasche liegen.

Hintergrundinformationen zur These: "Es ist ungerecht, dass die Älteren den Jüngeren bei Pflege und Gesundheit auf der Tasche liegen."

Das Demografie-Problem

Von 1999 bis 2017 ist die Zahl der pflegebedürftigen Personen in Deutschland um rund 1,4 Millionen gestiegen. Waren 1999 noch rund 2 Millionen Menschen pflegebedürftig, so waren es 2017 schon 3,4 Mio. Die Zahlen der Pflegebedürftigen im Alter von 80-89 Jahren (715.000 zu 1.337.000) und von über 90 Jahren (299.000 zu 544.000) haben sich dabei fast verdoppelt. Für die folgenden Jahre sieht der Trend ähnlich aus, da die Babyboomer-Jahrgänge nach und nach ins höhere Alter kommen. Prognosen rechnen für das Jahr 2050 mit 5,9 Millionen Pflegebedürftigen.
Sie dazu das Demografieportal des Bundes und der Länder, sowie Graphik unten in der Galerie

Steigende Zahlen an Pflegebedürftigen, aber auch steigende Zahlen an Menschen im höheren Alter, bedeuten mehr Kosten für die Krankenpflege. Der erweiterte Begriff der Pflegebedürftigkeit und die Einführung von Pflegegraden erhöhten beispielhaft ebenso die Anzahl der Leistungsempfänger*innen. Für viele Menschen bedeutet dies: Die Beiträge, wie zuletzt die Pflegeversicherungsbeiträge (Quelle: Bundesgesetzblatt 47/2018), könnten weiter steigen und die Ungewissheit über zukünftig erhöhte Zusatzbeiträge bleibt bestehen. In Hinblick auf die weitere demografische Entwicklung stellt sich die Frage: Ist es ungerecht, dass die Älteren der Bevölkerung den Jüngeren bei der Versorgung der Gesundheit und Pflege auf der Tasche liegen?

Wirkungsweise von gesetzlichen Versicherungen
Die gesetzlichen Versicherungssysteme funktionieren nach dem Solidaritätsprinzip. Es besagt, dass ein Bürger nicht alleine für sich verantwortlich ist, sondern sich die Mitglieder einer definierten Solidargemeinschaft gegenseitig Hilfe und Unterstützung gewähren. Die Kranken- und Pflegeversicherung sind dafür da, die Lasten der Einzelnen auf alle Beitragszahler*innen zu übertragen, damit – ähnlich dem Generationenvertrag – jede/r Einzelne im Krankheits- oder Pflegefall abgesichert ist. Das Solidarprinzip wird begrenzt durch das Wirtschaftlichkeitsprinzip und das Bedarfsdeckungsprinzip was bedeutet, dass die Leistungen ausreichend, wirtschaftlich und bedarfsdeckend sein müssen, das Maß des Notwendigen aber nicht überschreiten dürfen. Anders als die private funktioniert die gesetzliche Kranken und Pflegeversicherung nicht nach dem Äqivalenzprinzip d.h. man kann nicht damit rechnen, dass man das, was eingezahlt wurde auch wieder raus bekommt, sondern diejenigen, die mehr zahlen können aufgrund eines höhreren Einkommens müssen mehr zahlen, damit auch die, die weniger verdienen, im Krankheitsfall ordentlich versorgt werden können. 'Während beim Solidarsystem jeder solidarisch seinen Beitrag zahlt, ist bei der privaten Versicherung jeder gegen sein eigenes Risiko versichert.

Ältere Menschen haben meist schon sehr lange in die Pflege- und Krankenversicherung eingezahlt, bevor sie von ihr profitieren.  Auch Rentner*innen müssen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung von ihrer Rente bezahlen, bei der Krankenversicherung zur Hälfte aus der Rente und die andere Hälfte aus der Rentenversicherung [Quelle: SGB V, §226]. Bei der Pflegeversicherung müssen Rentner*innen sogar den vollen Beitrag alleine entrichten [Quelle: SGB XI, §55].

Private Vorsorge?
Eine andere Perspektive wäre, dass die Älteren in Eigenverantwortung selbst in die private Vorsorge hätten investieren können, sodass für das Alter ausgesorgt wäre. Dies ging und geht jedoch nur in dem Maße, in dem es mit dem jeweiligen Einkommen überhaupt möglich ist oder war.

Pflege durch Angehörige
Überdies werden Beiträge zu den Seniorenpflegeheimen zunächst aus der jeweiligen Rente gezahlt. Wenn die Rente nicht reicht, können jene Kosten zum Teil auf nahe Angehörige verlegt werden. Oftmals pflegen aber genau diese nahen Angehörigen wie Partner*innen oder die Familie. Sie entlasten dadurch teilweise schon die Kassen. Die Pflegestärkungsgesetze setzen dort an und unterstützen Angehörige finanziell (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit).

Weitere Ansätze zur Finanzierung der Pflege
Bei den Mehrkosten sind jedoch auch Entlastungen durch den Staat möglich und eventuell sogar nötig. Dies hieße, dass über neue Steuern (zum Beispiel einer Finanztransaktionssteuer) eine bessere und umfassendere Pflege mitfinanziert werden kann. Ein Beispiel dafür ist das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz, bei dem die Hälfte der entstehenden Kosten durch die Länder getragen werden. Es ist auch denkbar, dass die Anteile zur Kranken- und Pflegeversicherung von Spitzenverdienern erhöht werden, sodass das Sicherungsprinzip vom Alter (Jung zu Alt) mehr auf das Einkommen (Geringverdienende zu Spitzenverdienenden) übertragen wird. Die Herausforderung der Zukunft wird darin bestehen, eine gerechte Verteilung der Mehrkosten zu sichern und gleichzeitig den wachsenden Pflegebedarf zu decken.

Weiterführende Links:
https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/gesundheitspolitik/72804/ziele-und-wirkungen-der-pflegeversicherung
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/langzeitpflege-im-wandel/
https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/gesundheitspolitik/72843/zukuenftige-finanzierungsmodelle

78 Meinungen 18 Kommentare

Gast stimmt der These Es ist ungerecht, dass die Älteren den Jüngeren bei Gesundheit und Pflege auf der Tasche liegen. nicht zu

Die älteren schaffen es nicht mehr aus ihrer eigenen Kraft und es reduziert sehr stark die Armut bei Rentner

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29.01.2020

Gast stimmt der These Es ist ungerecht, dass die Älteren den Jüngeren bei Gesundheit und Pflege auf der Tasche liegen. nicht zu

Solidarität ist wichtig in der Gesellschaft. Die Älteren haben überhaupt die Existenz der jüngeren ermöglicht.

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29.01.2020

Gast stimmt der These Es ist ungerecht, dass die Älteren den Jüngeren bei Gesundheit und Pflege auf der Tasche liegen. nicht zu

Die älteren liegen den jüngeren nicht auf der Tasche. Der Generationenkonflikt, der durch diese These beschworen wird, ist nicht das primäre Problem unserer Gesellschaft, sondern die Verteilungsungerechtigkeit zwischen oben und unten.

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29.01.2020

Gast positioniert sich zur These Es ist ungerecht, dass die Älteren den Jüngeren bei Gesundheit und Pflege auf der Tasche liegen. neutral

Vielleicht ist es dem Anschein nach ungerecht, aber wir haben nunmal viel mehr ältere als jüngere Menschen. Die können wir ja jetzt abee schlecht einfach zur Seite packen.

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29.01.2020

Gast stimmt der These Es ist ungerecht, dass die Älteren den Jüngeren bei Gesundheit und Pflege auf der Tasche liegen. nicht zu

Alte Leute können nicht mehr viel machen und schon gar nicht mehr arbeiten um selbst noch Geld zu verdienen. Außerdem ist die Rente lachhaft.

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28.01.2020

Gast positioniert sich zur These Es ist ungerecht, dass die Älteren den Jüngeren bei Gesundheit und Pflege auf der Tasche liegen. neutral

Mal so mal so

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28.01.2020

Gast positioniert sich zur These Es ist ungerecht, dass die Älteren den Jüngeren bei Gesundheit und Pflege auf der Tasche liegen. neutral

Es ist an sich kein Problem für die älteren Menschen zu bezahlen aber die alten Menschen werde durch moderne Medizin einfach zu alt weswegen sie uns zu lange auf der Tasche liegen

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28.01.2020

Gast positioniert sich zur These Es ist ungerecht, dass die Älteren den Jüngeren bei Gesundheit und Pflege auf der Tasche liegen. neutral

Ich denke ,wenn ein Alter Mensch viele Jahre gearbeitet und in die Rentenkasse gezahlt hat, verdient er das Geld auch.Aber anderseits gibt es auch vieleel Ältere, die vlt.nur 1-2 Jahre gearbeitet haben und sonst mit Hartz IV gelebt haben.Solche Mensche

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28.01.2020

Gast stimmt der These Es ist ungerecht, dass die Älteren den Jüngeren bei Gesundheit und Pflege auf der Tasche liegen. nicht zu

Für mich ist das völlig legitim. Schließlich wird jeder mal alt.

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27.01.2020

Gast stimmt der These Es ist ungerecht, dass die Älteren den Jüngeren bei Gesundheit und Pflege auf der Tasche liegen. zu

In einem Sozialstaat sollte ebendieser für Randgruppen (Geringverdiender, Renter, ...) aufkommen können und dies nicht auf andere Bürger schieben.

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27.01.2020

Gast stimmt der These Es ist ungerecht, dass die Älteren den Jüngeren bei Gesundheit und Pflege auf der Tasche liegen. nicht zu

Dass die Politik keine bessere Lösung für das Problem findet, finde ich ungerecht, grundsätzlich finde ich aber, dass die jüngere Generation eine Verantwortung für die ältere Generation hat.

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21.01.2020

Gast stimmt der These Es ist ungerecht, dass die Älteren den Jüngeren bei Gesundheit und Pflege auf der Tasche liegen. nicht zu

So ist das eben mit den Generationen, das ist den Generationen vor uns so ergangen und wird den Generationen nach uns so ergehen. Und genaus das ist eben der ungeschriebene Generationenvertrag.

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21.01.2020

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