Es war nicht alles schlecht in der DDR.

Zu Hintergrundinformationen allgemein: Die Hintergrundinformationen, die wir zu unseren Thesen bereitstellen, sollen dazu dienen, dass sich die Nutzer eine eigene Meinung zum Thema bilden können. Es sind Daten und Fakten oder auch Hinweise auf weiterführende Literatur zum Thema. Es handelt sich daher ausdrücklich NICHT um Fakten, die ausschließlich dazu dienen sollen, die These zu unterstützen!

 

Hintergrundinformationen zur These: "Es war nicht alles schlecht in der DDR"

Wie eine wissenschaftliche Studie herausgefunden hat, sagen 80 Prozent der Ostdeutschen bis heute, es sei nicht alles schlecht gewesen an der DDR. 90 Prozent wollten sie aber auch auf gar keinen Fall zurückhaben. Die Aussage „Es war nicht alles schlecht in der DDR“ hört man folglich immer wieder in Gesprächen über die Deutsche Einheit. Diejenigen, die diese Meinung vertreten, heben dabei vor allem folgende Faktoren an der DDR als positiv hervor (vgl. Stärken Deutschland heute im Vergleich zur DDR, Grafik von Infratest):

 

Schulsystem (78 Prozent)
Das Schulsystem der DDR bestand aus einer 10jährigen Polytechnischen Oberschule (POS) für alle Kinder. Der Klassenverband blieb damit lange erhalten und eine Entscheidung der Schüler für eine weiterführende Schule stand erst nach Klasse 10 an. Dieser längere gemeinsame Bildungsweg wird von vielen Bürgern sehr positiv eingeschätzt.

Für die Schüler, die aufgrund ihrer schulischen Leistungen und/oder ihrer politisch systemkonformen Einstellung geeignet erschienen, schloss sich dann die Erweiterte Oberschule (EOS) an, die in zwei Jahren zum Abitur führte. Während in der DDR nur 10 Prozent der Schüler diesen Weg beschreiten konnten, machen heute ungefähr 50 Prozent der Schüler Abitur.

Hinsichtlich der Dauer der Schulzeit, die zum Abitur übernahmen die neuen Länder zunächst die westdeutsche Variante mit 13 Schuljahren. Lediglich Sachsen und Thüringen setzten einen eigenen Akzent, indem sie das Abitur nach zwölf Jahren beibehielten. Nachdem viel westdeutsche Länder sich zunächst auch für die Verkürzung der Schulzeit eingesetzt haben, ist inzwischen wieder eine gegenläufige Entwicklung im Gange.

Die zehnjährige Polytechnische Oberschule der DDR für alle Kinder ist zwar nicht zurückgekehrt, aber aus dem dreigliedrigen West-System mit Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien wurde in vielen Bundesländern inzwischen ein Zwei-Säulen-Modell aus Sekundarschulen und Gymnasien. Viele Eltern halten ein längeres gemeinsames Lernen der Kinder – ähnlich wie in der DDR – für besser.
Auch die schulischen Ganztagsangebote, die in der DDR die Regel waren und vor allem Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichten, haben mittlerweile Einzug in ganz Deutschland gehalten.

 

Soziale Absicherung (75 Prozent)
Das Recht auf Arbeit

Eine der wichtigsten positiven Feststellungen über die DDR, ist die Tatsache, dass man quasi „nicht arbeitslos“ werden konnte. In der Tat herrschte in der DDR Vollbeschäftigung, allerdings hatte nicht jeder, der einen Arbeitsplatz hatte, auch wirklich eine sinnvolle Beschäftigung – die sprichwörtliche Ineffizienz der Planwirtschaft war selbst in der DDR kein Geheimnis.

Das Recht auf Arbeit war in der Verfassung der DDR verankert, allerdings galt zugleich eine Pflicht zur Arbeit, bei Nicht-Einhaltung drohten Gefängnisstrafen. Paragraf 249 des DDR-Strafgesetzbuchs regelte die „Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten“: „1) Wer das gesellschaftliche Zusammenleben der Bürger oder die öffentliche Ordnung dadurch gefährdet, dass er sich aus Arbeitsscheu einer geregelten Arbeit hartnäckig entzieht, obwohl er arbeitsfähig ist, (…) wird mit Verurteilung auf Bewährung oder mit Haftstrafe, Arbeitserziehung oder mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft. Zusätzlich kann auf Aufenthaltsbeschränkung und auf staatliche Kontroll- und Erziehungsaufsicht erkannt werden.“

Familienpolitik
Ein Schwerpunkt der DDR-Sozialpolitik lag bei Versuchen, die Bevölkerungsentwicklung zu beeinflussen. Als der so genannte „Pillenknick“ gepaart mit der doppelten Belastung der Frauen durch Beruf und Haushalt und die schwierige Versorgungslage zu einem starken Geburtenrückgang führten, reagierte die Staats- und Parteiführung mit einer Reihe von Maßnahmen: Der bezahlte Schwangerschafts- und Wöchnerinnenurlaub wurde von 18 auf 20 Wochen verlängert.

Außerdem konnten sich seitdem Mütter nach der Geburt des zweiten Kindes bei voller Bezahlung für ein Jahr von der Arbeit freistellen lassen. Finanzielle Anreize, wie die Erhöhung der Geburtenbeihilfe von 500 Mark für das erste Kind auf 1000 Mark für jedes weitere Kind, und die Gewährung von zinslosen Krediten an junge Ehepaare, die Ausweitung des Wohnungsbaus sowie die weitere Förderung von Kindergärten und -horten sollten die Entscheidung für Kinder befördern.

Renten
Während man sich auf die gute Versorgung von Kindern und Familien viel zu Gute hielt, ließ die Situation der Rentner meist zu wünschen übrig und nicht selten herrschte im Alter die Armut. Der Mindestsatz für die Altersrente wurde nach wenigstens 15 Arbeitsjahren gewährt und deckte gerade das Existenzminimum. Auch die Kombination unterschiedlicher Renten (Witwen-, Invaliden- oder Altersrenten) konnte das Mindestniveau im Regelfall nur bescheiden anheben. Faktisch handelte es sich um eine staatlich gewährte Grundrente die nicht in erster Linie von dem zuvor erzielten Erwerbseinkommen abhing und sich nach politischen Vorgaben richtete: Sie wurde nur periodisch durch Parteitagsbeschlüsse aufgestockt. Erst 1971 wurde durch die Einführung einer freiwilligen Zusatzrentenversicherung die Möglichkeit geschaffen, über freiwillige Beiträge später höhere Rentenansprüche zu erwerben.

 

Gleichberechtigung von Frau und Mann (69 Prozent)

Aus rechtlicher Sich war die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen in der DDR deutlich früher sichergestellt worden als in der Bundesrepublik. Während sich Frauen in der DDR ihre Berufe im Rahmen der verfügbaren Stellen ohne Mitspracherecht des Mannes frei aussuchen durften, mussten die Frauen in der Bundesrepublik bis 1977 warten. Erst dann waren beide Ehepartner gleichermaßen berechtigt, erwerbstätig zu sein.

Die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu DDR-Zeiten ist für viele Ostdeutsche ein positiver Aspekt der DDR. Es wird in diesem Zusammenhang besonders auf das flächendeckende System der Kinderbetreuung in Krippen und Kindergärten verwiesen, welches den meisten Frauen eine Vollzeit-Erwerbstätigkeit ermöglicht hat. In die deutsche Einheit starteten die ostdeutschen Bundesländer mit einer fast flächendeckenden Betreuung. Laut Statistischem Bundesamt kamen 1991 auf 1000 Kinder im Alter von bis zu drei Jahren 542 Krippenplätze, eine Relation von 54 Prozent. Vollversorgung gab es für Kinder zwischen drei und sechs Jahren: Rechnerisch standen für 100 Kinder 114 Kindergartenplätze zur Verfügung. Seit der Wiedervereinigung hat sich an der Betreuungssituation einiges geändert.

In Ostdeutschland ging die Zahl der Kitaplätze deutlich zurück, auch als Folge der sinkenden Geburtenzahlen. Gleichzeitig holten die westdeutschen Länder auf, allerdings zunächst sehr langsam.
Verändert haben sich aber nicht nur die Zahlen, sondern auch der Erziehungsstil, wie der Jenaer Soziologe Ronald Gebauer analysiert. Die institutionelle Praxis in den DDR-Kindergärten sei durch „zahllose Indoktrinationsversuche“ geprägt gewesen. Mit der Friedlichen Revolution habe es im Osten auch einen „Prozess der Ablösung von alten Erziehungskonzepten“ gegeben.

Ebenfalls als Beweis für die Realisierung der Gleichberechtigung wird die hohe Erwerbsquote von Frauen in der DDR genannt. Die Erwerbsquote der Frauen lag 1989 bei 78,1 Prozent, unter Berücksichtigung der in Ausbildung Befindlichen sogar bei 91,2 Prozent (Bundesrepublik ca. 50 Prozent). Nur 27 Prozent der Frauen erhielten – häufig nach langwierigen innerbetrieblichen Auseinandersetzungen – die Genehmigung zur Teilzeitarbeit.

Trotz zahlreicher sozialpolitischer Maßnahmen war das Leben als voll berufstätige Mutter mit mehreren Kindern für viele Frauen in der DDR sehr hart. Die volle Berufstätigkeit war oft auch aus wirtschaftlichen Gründen unumgänglich, um die Familie zu ernähren. Trotz der allseits propagierten Gleichberechtigung gelang es auch in der DDR nur wenigen Frauen, Spitzenpositionen in Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Kultur zu erringen.

 

Schutz vor Kriminalität und Verbrechen (66 Prozent)
Die DDR zeichnete sich durch eine vergleichsweise geringe Kriminalitätsrate aus. Beispielsweise wurde - bezogen auf 100000 Einwohner - in der DDR jährlich nur 1 vorsätzliches Tötungsverbrechen verübt. Die Häufigkeit für diese Deliktgruppe überstieg in der Bundesrepublik dagegen das Fünffache. Zentralistische Verwaltungsstrukturen, hohe Polizeipräsenz, ein enges Netz an gesellschaftlichen Sicherheitssystemen, nahezu perfekte Personenkontrollen, ein ausgefeiltes polizeiliches Meldesystem und geschlossene Grenzen führten über die Jahre hinweg in der Tat zu einem Rückgang der Kriminalität, selbst wenn statistische Angaben, wie allenthalben üblich, gelegentlich durch ausgeklügelte Zuordnungen verfälscht wurden.

Der Eindruck, dass es fast keine Kriminalität gab, wurde dadurch gestützt, dass es keine Berichterstattung über Kriminalität gab wie heute. Vieles, was passierte, wurde also nie bekannt, weil das Verbrechen nicht ins Bild einer sozialistischen Gesellschaft passte und die staatlich gelenkten Medien nicht darüber berichten durften. Kriminalität galt generell als dem Sozialismus „wesensfremd“.
Ein weiterer „Kniff“, der die Verbrechensrate gering hielt, war das sozialistische Strafgesetzbuch. Es ersetzte das alte Strafgesetz von 1871 und kurzerhand wurden Tatbestände, wie Kindstötung oder Prostitution, die nicht mehr ins Bild einer sozialistischen Gesellschaft passten, abgeschafft beziehungsweise durch andere Begriffe ersetzt. Dafür entstanden neue Tatbestände, die jedoch von den gängigen Statistiken und Ländervergleichen nicht erfasst wurden.

Im – zumindest oberflächlich betrachteten – Widerspruch zur geringen Zahl der Straftaten stand jedoch in der DDR eine ungleich höhere Zahl von Strafgefangenen. Die DDR-Öffentlichkeit erfuhr nicht, dass die Zahl der Strafgefangenen pro 100.000 Einwohner in den 50er Jahren bis zu fünfmal höher war als in der Bundesrepublik. Nicht nur die Verfolgung politischer Gegner, sondern die insgesamt ungleich rigidere Strafpraxis der DDR sorgten auch in den 70er und 80er Jahren weiter für dramatisch hohe Haftquoten.

 

Gesundheitssystem (66 Prozent)

Das Gesundheitswesen der DDR war geprägt von staatlichen Polykliniken, in denen Mediziner verschiedener Disziplinen zusammen arbeiteten. „Sie waren schlecht ausgestattet und auch baulich in jämmerlichem Zustand“, sagt der einstmalige Grünen-Politiker Bernd Köppl, der die verbliebenen Poliklinik-Hinterlassenschaften in Ostberlin als Geschäftsführer über Jahre weiterbetrieb. „Aber die Strukturen der medizinischen Zusammenarbeit waren optimal für dieses arme Land.“ In den Polikliniken fanden die Patienten auf engstem Raum Mediziner unterschiedlichster Fachrichtung, die miteinander kooperierten und auch eng verzahnt mit den Krankenhäusern arbeiteten. Die strikte Sektorentrennung des westlichen Systems zwischen niedergelassenen Ärzten und Kliniken mit ihrer Schnittstellenproblematik gab es nicht.

Obwohl viele Patienten diese Einrichtungen schätzten, wurden die Kliniken nach der Wiedervereinigung rasch zerschlagen: Von den 5248 Polikliniken mit angestellten Fachärzten im November 1989 existierten im Januar 1992 gerade noch 433. Und nach den fünf Jahren Übergangszeit waren nur noch einige wenige solcher Zentren übriggeblieben.

Auch wenn über die tatsächliche Behandlungsqualität dieser Zentren keine seriösen Angaben mehr gemacht werden können, so bleibt doch festzuhalten, dass sie von den Patienten sehr geschätzt wurden. Wenn auch unter anderen Vorzeichen, so wird doch mittlerweile wieder versucht, ähnliche Medizinzentren aufzubauen.

Insgesamt war der Standard der medizinischen Versorgung – zumindest für die „Normalbürger“ - niedriger als in der Bundesrepublik, was sich unter anderem an einer um ein bis drei Jahre niedrigeren Lebenserwartung der DDR-Bürger ablesen lässt.

 

=============================

Quellen, Links und weitere Informationen
Statistische Jahrbücher der DDR:
https://www.digizeitschriften.de/dms/toc/?PID=PPN514402644
Situation von Frauen in der DDR:
http://www.mdr.de/damals/archiv/artikel75262.html
http://www.zeitklicks.de/ddr/zeitklicks/zeit/alltag/leben-in-der-ddr/frauen-in-der-ddr/
Die unterschiedliche Wahrnehmung der DDR als Potenzial für Generationenkonflikte:
http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/203625/mehr-gemeinschaftsgefuehl-und-ein-staerkerer-sozialer-zusammenhalt-erinnerungen-an-die-ddr-als-potenzial-fuer-generationenkonflikte
Zum Thema Kriminalität in der DDR:
http://www.kriminalfaelle.de/_storys/story01.html
https://www.cilip.de/2004/02/29/ddr-kriminalstatistik-immer-mit-blick-richtung-westen/

35 Meinungen 30 Kommentare

Gast stimmt der These Es war nicht alles schlecht in der DDR. zu

Schule und Kinderbetreuung

weiterlesen
20.10.2016

Gast stimmt der These Es war nicht alles schlecht in der DDR. nicht zu

Natürlich gab es individuell viel positives - gute naturwissenschaftliche Bildung, Sparsamkeit und Maß, engagierte Menschen - aber das Staatswesen war eine Diktatur, die Ökonomie nicht zukunftsfähig und der einzelne Mensch zählte nichts

weiterlesen
18.10.2016

Gast stimmt der These Es war nicht alles schlecht in der DDR. zu

Das Schulwesen oder die Kinderbetreuung waren besser.

weiterlesen
18.10.2016 1 Kommentar

Gast positioniert sich zur These Es war nicht alles schlecht in der DDR. neutral

Ein wertloser Satz. Natürlich ist nie "alles" schlecht, schon gar nicht in einem Land, in dem man einen wichtigen Teil seines Lebens verbracht hat und somit viele persönliche Erinnerungen damit verbindet!

weiterlesen
18.10.2016

Gast stimmt der These Es war nicht alles schlecht in der DDR. nicht zu

Wenn ein Staat die Freiheit unterdrückt, können Vorteile daraus das leider nicht aufwiegen.

weiterlesen
17.10.2016

serraka stimmt der These Es war nicht alles schlecht in der DDR. zu

Z. B. dass alle Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse gemeinsam gelernt haben. Dadurch haben die Kinder das Soziale mehr gelernt.

weiterlesen
12.10.2016 1 Kommentar

Gast stimmt der These Es war nicht alles schlecht in der DDR. nicht zu

TROTZ DDR war nicht alles schlecht

weiterlesen
12.10.2016

Gast stimmt der These Es war nicht alles schlecht in der DDR. zu

In den gleichgeschalteten BRD-Medien (Stichwort Lügenpresse) wird über die DDR-Zeit erwartungsgemäß völlig einseitig und unzutreffend berichtet.

weiterlesen
11.10.2016 2 Kommentare

Gast positioniert sich zur These Es war nicht alles schlecht in der DDR. neutral

Sicher gab es auch gute Dinge in der ehemaligen DDR - wenn man dieser Aussage zustimmt, heißt das ja nicht gleichzeitig, dass man das hetuige Deutschland verteufelt...

weiterlesen
11.10.2016 1 Kommentar

Gast stimmt der These Es war nicht alles schlecht in der DDR. nicht zu

Mir fällt in Bezug auf das politische System nichts Gutes ein. Wenn man keinen Wert auf Freiheit legte, konnte man allerdings individuell durchaus gut leben.

weiterlesen
10.10.2016

Gast stimmt der These Es war nicht alles schlecht in der DDR. zu

Beispiele:
- Organisation des Gesundheitswesens (Polikliniken),

weiterlesen
09.10.2016 1 Kommentar

Gast stimmt der These Es war nicht alles schlecht in der DDR. zu

z.B. im Gesundheitssystem war nicht Gewinnmaximierung oberste Premisse. Die Schere zwischen arm und reich war nicht so groß.

weiterlesen
07.10.2016 1 Kommentar

Seiten