Flüchtlinge sind eine Bereicherung für Sachsen

An der Frage, ob Flüchtlinge eine Bereicherung für Deutschland seien, scheiden sich die Geister. Immer mehr Menschen sehen die Flüchtlingsfrage mit Skepsis: Eine Befragung im Auftrag der ARD im Januar 2016 ergab eine Zustimmung von 45 Prozent und einen Ablehnung von 48 Prozent.

Die Frage, ob Flüchtlinge für das aufnehmende Land eher eine Bereicherung oder vielmehr eine Belastung darstellen, lässt sich aus unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachten:

Kulturelle Aspekte:

Über Jahrhunderte hinweg haben Flüchtlinglingsbewegungen zu einer kulturellen Bereicherung in den aufnehmenden Staaten geführt. Mit den Flüchtlingen wuchs die kulturelle Vielfalt, Fähigkeiten und Fertigkeiten wurden ebenso importiert wie Sitten, Gebräuche, Lebensweisen und Kultur.

Beispiele:

  • Im 19. und frühen 20. Jahrhundert verließen Deutsche in großer Zahl ihre Heimat in Richtung Amerika. Dort legten sie den Grundstock für den wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Aufschwung der USA. Beispiel: Johann J. Astor, Familie Rockefeller, Levi Strauss.
  • Nach 1933 musste die geistige Elite jüdischen Glaubens Deutschland verlassen. Diese Menschen kamen als Flüchtlinge in andere Länder und haben das kulturelle Leben der Staaten, die sie aufgenommen haben in maßgeblicher Weise geprägt. Beispiel: Viele Schauspieler und Künstler deutscher und europäischer Herkunft haben die amerikanische Filmindustrie aufgebaut (Billy Wilder, Ernst Lubitsch).
  • Der Einfluss von Zuwanderung macht auch vor dem eigenen Kochtopf nicht Halt: Die Speisekarten und das gastronomische Angebot in Deutschland haben sich erweitert durch Speisen aus dem Ausland, die nicht zuletzt über Gastarbeiter und Flüchtlinge Eingang in deutsche Küchen fanden. Beispiel: In der Altersgruppe unter 30 Jahren bevorzugen weit über 70% der Restaurantbesucher ausländische Spezialitäten. Der türkische Drehspieß Döner ist in Deutschland inzwischen zum beliebtesten Imbissgericht geworden und hat sich seit Ende der 1990er Jahre zum umsatzstärksten Produkt im Gastronomiebereich entwickelt (Ergebnis einer Studie des Allensbach-Instituts).

Wirtschaftliche Aspekte:

Aufgrund der boomenden Wirtschaft und der zunehmend älter werdenden Bevölkerung benötigt Deutschland zusätzliche, qualifizierte Arbeitskräfte. Ohne Zu- und Abwanderung würde die deutsche Erwerbsbevölkerung in diesem Jahrzehnt um vier Prozent schrumpfen.

Schon in der Vergangenheit haben Flüchtlinge zum wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands beigetragen.

Beispiele:

  • Bis 1950 kamen rund 12 Millionen Menschen als Flüchtlinge nach Deutschland, davon 7,3 Millionen aus den ehemaligen "Ostgebieten", 620 000 aus Polen, 420 000 aus der UdSSR, 640 000 aus Rumänien, Ungarn und
    Jugoslawien und 3 Millionen aus der Tschechoslowakei. Bis zum Mauerbau 1961 setzten sich weitere 2,6 Millionen Flüchtlinge aus der DDR ab. Diese Menschen trugen entscheidend zum Wirtschaftswachstum der
    Nachkriegszeit bei.
  • In den 50er und 60er Jahren lockte die Bundesrepublik gezielt "Wirtschaftsflüchtlinge" aus südeuropäischen Ländern in großer Zahl nach Deutschland um dem Arbeitskräftemangel zu begegnen. Bis 1965 stieg die Zahl der jährlichen Zuzüge auf 716 157 Menschen.

70 Prozent der Flüchtlinge, die heute nach Deutschland kommen, sind erwerbsfähig, damit stellen sie ein wichtiges Arbeitskräftepotenzial für die deutsche Wirtschaft dar. Die Beschäftigungsquote bei Migranten lag im November 2015 im Durchschnitt bei 48,2%.
Grafik 1 in Galerie unten zeigt die Beschäftigungsquote von Migranten.

Allerdings haben die Flüchtlinge oft nicht die erforderliche Ausbildung, die für eine Arbeit in Deutschland nötig ist. Grafik 2 in der Galerie unten zeigt dazu den Bildungsstand der Asylsuchenden.

Aber: Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge ist entweder noch im Schulalter oder gehört zu der Altersgruppe, die sich häufig in Ausbildung und Bildung befindet (16 bis 24 Jahre). Sie alle können folglich noch viel lernen, das Bildungspotenzial ist sehr hoch. (Quelle: IAB)

Kurzfristig werden Flüchtlinge nur im Einzelfall entstandene Lücken passgenau füllen können, doch mittel- und langfristig besteht hier bei konsequenter Integration der zumeist jüngeren Flüchtlinge viel Potenzial.
Siehe dazu Grafik 3 in der Galerie, die deutlich macht, wie lange es dauert, bis die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert sind.

Auch durch die Integration von Flüchtlingen selbst können in Sachsen neue Arbeitsplätze entstehen, indem beispielsweise der Bedarf an Lehrern, Polizisten oder Sozialarbeitern zunimmt.

Der Wirtschaftsstandort Sachsen braucht Fachkräfte. Der Chef der Arbeitsagenturen im Freistaat, Klaus Schuberth sagt dazu: "Da schon heute über 30.000 Fachkräfte fehlen und die Zahl der
arbeitsfähigen Einwohner Sachsens in den nächsten Jahren um 400.000 sinken dürfte, werden langfristig die Chancen auf Arbeit für alle steigen."

Die Bundesagentur für Arbeit rechnet bis 2025 mit einem Fachkräftebedarf von 5,4 Millionen Menschen. Selbst wenn Arbeitszeiten verlängert werden, selbst wenn mehr Frauen und mehr ältere Menschen einen Job annehmen als heute, bleibt eine Lücke: Gesucht werden annähernd 800.000 ausländische Fachkräfte. Inwieweit die Flüchtlinge diese Lücke füllen könne ist noch ungewiß.

Sachsen hat sich in den vergangenen 25 Jahren zu einem wichtigen Wissenschaftsstandort entwickelt. So arbeiten beispielsweise am Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden 170 Wissenschaftler aus 29 Nationen zusammen. Spitzenforschung gedeiht nur, wo die besten Köpfe aus der ganzen Welt zusammen kommen können. Dazu braucht es ein Klima der Offenheit, Toleranz und Aufgeschlossenheit.

Demographische Aspekte:

Die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung bis 2025 wird mit der 5. Regionalisierten Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sachsen beschrieben. Danach ist die Bevölkerungsentwicklung in Sachsen durch einen Prozess des Schrumpfens und Alterns gekennzeichnet. Auslöser für diese Entwicklung ist ein erhebliches Geburtendefizit, Folge ist ein Anstieg des Durchschnittsalters, das bereits jetzt im bundesweiten Schnitt an der Spitze liegt.

Die Bevölkerung in den ostdeutschen Flächen­ländern wird in den kommenden 20 Jahren trotz Netto­zuwanderung stark altern. Auf Grundlage der 13. koordinierten Bevölkerungs­vorausberechnung nach Ländern, wird der Anteil der über 64-Jährigen an der Gesamt­bevölkerung der neuen Länder von 24 % im Jahr 2013 bereits bis zum Jahr 2030 voraus­sichtlich auf mindestens 32 % steigen. Danach wird er bis zum Jahr 2060 nur gering­fügig auf mindestens 34 % zunehmen. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Ohne Zuwanderung prognostiziert das statistische Bundesamt für Deutschland bis 2060 einen Bevölkerungsrückgang um über 20 Millionen Menschen. Besonders stark wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter schrumpfen. Die Anzahl der 20- bis 64-Jährigen (2013: 49 Millionen) wird ab 2020 deutlich zurückgehen und 2060 je nach Stärke der Nettozuwanderung etwa 34 beziehungsweise 38 Millionen betragen (– 30 % beziehungsweise – 23 %). Der Anteil der 20- bis 64-Jährigen an der Gesamtbevölkerung wird von 61 % im Jahr 2013 auf etwa 51 % beziehungsweise 52 % im Jahr 2060 sinken. Wird das Erwerbsalter mit 67 statt mit 65 Jahren abgegrenzt, so werden es 2060 noch etwa 36 bis 40 Millionen sein. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Soziale Aspekte:

Die Zuwanderung von Flüchtlingen kann eine wichtige Unterstützung des Dienstleistungssektors darstellen, wo in Zukunft besonders viele Arbeitskräfte benötigt werden beispielsweise bei der Betreuung von alten oder kranken Menschen.

„Die Zahl der ausländischen weiblichen Beschäftigten hat in allen Wirtschaftszweigen des Dienstleistungssektors zwischen 1999 und 2008 deutlich zugenommen. Insgesamt stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten ausländischen Frauen im Dienstleistungssektor um durchschnittlich 19,8 %.“
„Die Zunahme der Beschäftigung im Dienstleistungssektor sowohl bei Deutschen als auch bei Ausländern folgt dem allgemeinen Trend hin zur Dienstleistungsgesellschaft. Ausländer finden vor allem in den Wachstumsbranchen ihre Möglichkeiten, den Bedarf auf dem Arbeitsmarkt auszufüllen, und weisen überdurchschnittliche Steigerungen der Beschäftigtenzahl auf. Dies gilt insbesondere für ausländische Frauen und Zuwanderer aus den neuen EU-Ländern.“ (Quelle: BAMF: Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Ausländerinnen und Ausländer in qualifizierten Dienstleistungen)

Auf der anderen Seite besteht allerdings auch die Gefahr, dass Flüchtlinge bevorzugt als billige Arbeitskräfte in schlecht bezahlte Jobs gedrängt werden. Nach einer Studie des BAMF arbeiten deutlich mehr Drittstaatsangehörigen und Personen mit Migrationshintergrund im Niedriglohnsektor als Deutsche. Das Verhältnis beträgt 35,2%  zu 16,7%.

459 Meinungen 731 Kommentare

Gast positioniert sich zur These Flüchtlinge sind eine Bereicherung für Sachsen neutral

<p>Natürlich ist die Sorge um den Verlust unserer kulturellen Indentität berechtigt, doch solange es Sachsen gibt, die diese Sorge äußern und das &quot;Sächsische&quot; bewaren, ist ein gutes Zusammenleben, in kultureller Vielfalt, möglic

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20.05.2016

Gast stimmt der These Flüchtlinge sind eine Bereicherung für Sachsen nicht zu

Wenn nur ein Bruchteil der Kosten für die eigene Bevölkerung aufgewendet würde dann hätten wir nicht solche Sozialen Probleme.

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20.05.2016

Gast stimmt der These Flüchtlinge sind eine Bereicherung für Sachsen zu

Nach richtiger Integration tragen die Flüchtlinge mit dem in ihrer Heimat angesammelten umfangreichen Fachwissen zur wirtschaftlichen Entwicklung bei.

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20.05.2016 2 Kommentare

Gast stimmt der These Flüchtlinge sind eine Bereicherung für Sachsen nicht zu

Wenn man die Vernichtung der kulturellen Idendität unseres Landes und Gefährdung all dessen was uns zu einem der in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft führenden Nationen gemacht hat als Bereicherung empfindet, dann wäre eine solche gegeben.

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20.05.2016

Gast stimmt der These Flüchtlinge sind eine Bereicherung für Sachsen zu

Lasst uns mit den ganzen Nazis ja nicht alleine......

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19.05.2016 1 Kommentar

Gast stimmt der These Flüchtlinge sind eine Bereicherung für Sachsen zu

so wenige menschen anderer kulturen leben hier - wir sachsen haben's nötig :)

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19.05.2016 1 Kommentar

Ramgeis stimmt der These Flüchtlinge sind eine Bereicherung für Sachsen nicht zu

Als "Flüchtlinge" werden derzeit praktisch alle Migranten bezeichnet.

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18.05.2016

Gast stimmt der These Flüchtlinge sind eine Bereicherung für Sachsen nicht zu

Unkontrollierte Masseneinwanderung gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung. Es gibt nur wenige Profiteure- leider haben die das Sagen.

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18.05.2016

Gast stimmt der These Flüchtlinge sind eine Bereicherung für Sachsen zu

Menschen sind immer eine Bereicherung, als natürliche und kulturelle Wesen bringen sie neues interessantes Leben.

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18.05.2016

Gast positioniert sich zur These Flüchtlinge sind eine Bereicherung für Sachsen neutral

Wegen mangelhafter Integrationspolitik kann die Antwort sein: Sie könnten eine Bereicherung sein. Deshalb neutral

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18.05.2016

Gast stimmt der These Flüchtlinge sind eine Bereicherung für Sachsen zu

Neue Sichtweisen, Herangehensweisen, kulturelle Austausch

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18.05.2016 1 Kommentar

Gast stimmt der These Flüchtlinge sind eine Bereicherung für Sachsen nicht zu

Bis zu einer bestimmten Zahl sind Flüchtlinge bestimmt als Bereicherung zu sehen - allerdings wurde diese meiner Meinung nach in Deutschland schon überschritten.

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17.05.2016

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