Große Einkommensunterschiede tun einer Gesellschaft nicht gut.

Toleranz
Toleranz kommt vom lateinischen Wort tolerare, was erdulden und ertragen bedeutet. Jemand, der tolerant ist, duldet und achtet andere Personen oder Gruppen auf der Grundlage eigener Wertvorstellungen. Ein toleranter Mensch lässt andere gelten und gewähren, obwohl er mit deren Denken oder Handeln selbst nicht einverstanden ist.
Toleranz ist damit zu unterscheiden von Akzeptanz, die deutlich weiter geht: Akzeptanz umfasst auch eine Zustimmung zu anderen Ansichten und Verhaltensweisen.

Zu unterscheiden ist zwischen unbedingter (grenzenloser) Toleranz und bedingter (begrenzter) Toleranz:

Unbedingte (grenzenlose) Toleranz als absolutes Prinzip bezeichnet die Duldung und Achtung Andersdenkender und –handelnder auch einschließlich des Falles, dass die Toleranz von den Tolerierten nicht erwidert wird. Einen häufigen Unterfall bildet hierbei die erzwungene unbedingte Toleranz in asymmetrischen Machtgefällelagen, z.B. im Verhältnis eines Untergebenen gegenüber einem Diktator. Hier ist aber ggf. zwischen nur vorgespiegelter Toleranz (aus Furcht vor Repressalien) bei in Wahrheit zugleich stiller Intoleranz zu unterscheiden.

Bedingte (begrenzte) Toleranz ist in der Praxis eher der Regelfall und kommt in zwei häufigen Ausprägungen vor: Erstens als „Toleranz auf Gegenseitigkeit“, wobei als Bedingung der Toleranzgewährung von dem Tolerierten verlangt wird, dass er im Gegenzug ebenso tolerant gegenüber einem selbst ist. Zweitens kann Toleranz situativ oder zeitlich begrenzt sein, indem ein bestimmtes Verhalten nur in bestimmten Umgebungen / Umständen oder nur für einen begrenzten Zeitraum toleriert wird. (Beispiel: Toleranz öffentlicher Nacktheit nur am FKK-Strand oder in der Sauna).


Toleranz gegenüber sozialer Ungleichheit

Wie viel soziale Ungleichheit verträgt eine Gesellschaft? Diese Frage stellt die Toleranz vieler Menschen auf eine harte Probe.  Ideengeschichtlich  ist der Streit um die Verteilung von Einkommen und Wohlstand in einer Volkswirtschaft eine der ältesten politischen Konfliktlinien überhaupt. Im Kern geht es bei dieser Auseinandersetzung um die beiden Pole Gleichheit und Freiheit. In Abhängigkeit davon, welchem Wert der Einzelne mehr Gewicht beimisst, der Freiheit oder der Gleichheit, unterscheidet sich seine Einstellung zur ungleichen Verteilung des Reichtums in einer Gesellschaft. Gleichheit wird dabei zumeist mit Gerechtigkeit gleichgesetzt.

Sachsen fürchten soziale Ungleichheit

Auf die Frage, ob es in Deutschland alles in allem eher gerecht oder eher ungerecht zugehe, antworteten 45 Prozent der Sachsen beim Sachsen-Monitor mit „eher gerecht“ und 48 Prozent mit „eher ungerecht“.

Auf die Frage nach ihren größten Zukunftssorgen gaben 84% der Befragten beim Sachsen-Monitor 2016 an, Sorge zu haben, dass der Gegensatz zwischen arm und reich zunehmen wird, 72% der Befragten befürchten, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt verloren geht.

Liberale Befürworter der Freiheit tolerieren Ungleichheit

Liberale fordern, eine Volkswirtschaft müsse auf dem Prinzip aufbauen, dass ein jeder Bürger die Möglichkeit habe, das Ergebnis der eigenen Arbeit für sich voll in Anspruch nehmen zu können.

Ihrer Meinung nach sollte der Staat nur dafür sorgen, dass Sicherheit nach innen wie nach außen herrscht, dass der Besitz aller Menschen geschützt wird und dass grundlegende wirtschaftliche Regeln festgelegt werden. Jeder Eingriff in Form von Steuern, welche Einkommen zwischen den Bürgern umverteilen, ist nach dieser Denkweise ein illegitimer Eingriff in die Freiheit der Einzelnen.

Sozialistische Befürworter der Gleichheit tolerieren keine sozialen Unterschiede

Sozialisten sind der Meinung, dass eine liberale Wirtschaftsordnung nicht funktionieren könne, da die Teilnehmer am Markt über zu unterschiedliche Voraussetzungen verfügten. Daher müsse der Staat regulierend eingreifen und für eine gleiche/gerechte Verteilung von Produktionsmitteln und Kapital sorgen. Der Staat nimmt also eine umverteilende und fürsorgliche Rolle ein.

Der Konflikt dieser beiden Ausrichtungen führte letztlich den Konsens herbei, auf welchem die Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland bis heute fußt: Die soziale Marktwirtschaft.

Die Wissenschaft ist uneins

Auch Wirtschaftswissenschaftler sind sich nicht einig, wie sehr soziale Ungleichheit einer Volkswirtschaft schadet oder aber dieser sogar förderlich ist. Aus Sicht liberaler Denker ist eine ungleiche Verteilung von Wohlstand notwendig für eine Volkswirtschaft, da sie wie ein Motor wirkt: Wer sich mit anderen vergleicht, welche mehr Wohlstand besitzen, entwickelt demnach selbst Ehrgeiz, seine eigene Lage zu verbessern. Wer selbst wohlhabend ist, erkennt diese Konkurrenz an und entwickelt im Gegenzug den Ehrgeiz, seinen Reichtum zu „verteidigen“. Dadurch steigt die Leistungsbereitschaft insgesamt an und der gemeinsam erzielte Wohlstand wächst stärker, als es bei einer höheren Umverteilung der Fall wäre.

Andere Wirtschaftswissenschaftler hingegen betonen, dass soziale Ungleichheit – unabhängig von moralischen Argumenten – einer Volkswirtschaft auch schaden kann. So stellen die Autoren einer Studie der OECD 2015 fest, dass zu starke Ungleichheit den Großteil der Bevölkerung, welche einen verschwindend geringen oder gar keinen Anteil am Volksvermögen halten, eher hemmt als antreibt. Ein als ungerecht wahrgenommenes Wirtschaftssystem sorgt demnach dafür, dass Leistungsbereitschaft ab- statt aufgebaut wird. Noch entscheidender sind die resultierenden ungleichen Bildungsmöglichkeiten. Eine Volkswirtschaft, welche den unteren Teil der Vermögenden „sich selbst überlässt“ und geringen Wert auf Chancengleichheit und hochwertige Bildung für alle legt, lässt nach dieser Argumentation einen Großteil ihres Potenzials ungenutzt. 

Mehr zum Thema soziale Ungleichheit.

 

41 Meinungen 26 Kommentare

Gast stimmt der These Große Einkommensunterschiede tun einer Gesellschaft nicht gut. zu

(Andre Schnabel in der Veranstaltung am 26.1.) Die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer sollten gestärkt werden, damit die Einkommen nicht so weit auseinander gehen.

weiterlesen
26.01.2017

Redaktion SLpB stimmt der These Große Einkommensunterschiede tun einer Gesellschaft nicht gut. nicht zu

Aber die Reichen müssen dann auch konsequent zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie Mist gebaut haben..

weiterlesen
26.01.2017 2 Kommentare

Gast stimmt der These Große Einkommensunterschiede tun einer Gesellschaft nicht gut. zu

Es gibt so große Einkommensunterschiede, die sich durch nichts rechtfertigen lassen, jedenfalls nicht durch die tatsächliche Leistung.

weiterlesen
26.01.2017

Gast stimmt der These Große Einkommensunterschiede tun einer Gesellschaft nicht gut. zu

Geringere Unterschiede sind besser für den sozialen Frieden. (Christian Behr)

weiterlesen
26.01.2017

Gast stimmt der These Große Einkommensunterschiede tun einer Gesellschaft nicht gut. zu

Die Einkommensschere geht immer weiter auseinander, das sorgt für soziale Spannung (Rasha Nasr)

weiterlesen
26.01.2017

Gast stimmt der These Große Einkommensunterschiede tun einer Gesellschaft nicht gut. zu

vor allem dann nicht, wenn es keine Verbindung zwischen Reichtum und Verantwortung für die Gesellschaft gibt (früher: Kirche, Moral, heute: Staat) - wenn Armut der Sozialstaat bewältigen darf, aber Reichtum mir allein gehört - dann ist das nicht richti

weiterlesen
26.01.2017

Gast stimmt der These Große Einkommensunterschiede tun einer Gesellschaft nicht gut. nicht zu

Vielfalt entsteht auch durch Ungleicheit.

weiterlesen
23.01.2017

Gast stimmt der These Große Einkommensunterschiede tun einer Gesellschaft nicht gut. nicht zu

Die Einkommensunterschiede sind nicht entscheidend. Unterschiedlicher Zugang zu Bildung schadet einer Gesellschaft deutlich mehr. Besonderer Fokus sollte zudem nicht auf dem Unterschied arm/reich liegen, sondern darauf, wie es den Ärmeren geht bzw.

weiterlesen
23.01.2017 3 Kommentare

Martin15 stimmt der These Große Einkommensunterschiede tun einer Gesellschaft nicht gut. zu

Der Mensch an sich ist neidisch und das wird immer zu Konflikten führen. So sehen viele nicht, was andere für ihre guten Gehälter aufgeben mussten, sondern nur den Fakt, dass sie so viel verdienen.

weiterlesen
23.01.2017 2 Kommentare

Gast stimmt der These Große Einkommensunterschiede tun einer Gesellschaft nicht gut. zu

Geld beruht ohnehin auf eine allgemein anerkannten Wahnidee, es gäbe irgendeinen Gegenwert. Seit der Aufhebung der Golddeckung, alles heiße Luft. Gut das es die wenigsten stört oder sie eine Ahnung davon hätten.

weiterlesen
22.01.2017 3 Kommentare

Gast stimmt der These Große Einkommensunterschiede tun einer Gesellschaft nicht gut. zu

Nicht jede Leistung sollte mit demselben Gehalt entlohnt werden. In den Jobs gibt es unterschiedliche Verantwortungen, Denkanforderungen etc. Damit begründet sich für mich die Heterogenität der Einkommen.

weiterlesen
20.01.2017

Gast stimmt der These Große Einkommensunterschiede tun einer Gesellschaft nicht gut. zu

Wenn sich die Gesellschaft in arm und reich spaltet, kommt es zwangsläufig zu Konflikten. Es sollte in einer modernen Gesellschaft neben dem Leistungsgedanken auch die Vergütung passen.

weiterlesen
20.01.2017

Seiten