Großstädte sind familienfeindlich.

Hintergrundinfos zur These: Großstädte sind familienfeindlich

Ein subjektiver Blick – wie schätzen die Einwohner der Großstädte deren Familienfreundlichkeit bzw. -feindlichkeit ein?
49 Prozent der Einwohner der 10 größten Städte Deutschlands bezeichnen ihre Stadt als familienfreundlich, 51 Prozent halten sie für seniorenfreundlich und 86 Prozent für weltoffen (Quelle: BAT Stiftung für Zukunftsfragen, Statista 2017).
65 Prozent der Einwohner von Stuttgart halten ihre Stadt für familienfreundlich, dahinter kommen Dortmund mit 63 Prozent und Bremen mit 61 Prozent. Schaut man sich die größten deutschen Städte an, so ist wird Hamburg immerhin von 60 Prozent der Einwohner als familienfreundlich angesehen, in München sind es 56 Prozent und in Berlin nur 48 Prozent. (Quelle: Statista)

Begriffe und Definitionen:

Definition "familienfeindlich": Der Familie (als sozialer Gruppe) nicht dienlich, förderlich, gegen sie eingestellt. (Quelle: Duden)

Wie sich aus den unterschiedlichsten Rankings der Familienfreundlichkeit deutscher Städte ergibt, sind die Kriterien dessen, was als „familienfeindlich“ oder „familienfreundlich“ eingestuft wird, sehr unterschiedlich.  Die Kriterien für Familienfreundlichkeit, verstanden als die Rahmenbedingungen, welche für die Lebenssituation von Familien im jeweiligen Umfeld als besonders relevant eingeschätzt werden, schwanken also je nach der Position des Betrachters. Selbst über die Frage, welche Lebensform als "Familie" definiert wird, gehen die Meinungen auseinander. Im folgenden Text verstehen wir unter Familie eine durch Partnerschaft, Heirat, Lebenspartnerschaft, Adoption oder Abstammung begründete Lebensgemeinschaft, meist aus Eltern oder Erziehungsberechtigten sowie Kindern bestehend. Da sich dieser Familienbegriff überwiegend am Vorhandensein von Kindern fest macht, werden im Folgenden die Begriffe familienfreundlich bzw. familiefeindlich und kinderfreundlich bzw. kinderfeindlich gleich gesetzt.

Als Kriterien für die Familienfreundlichkeit des Umfelds werden die Punkte Wohnsituation (Wohnungsangebot, -ausstattung, Mieten), Bildung und Kinderbetreuung, Arbeitsplatzsituationn und Sicherheit vor Kriminalität herangezogen.

Großstädte sind nach einer Begriffsbestimmung der Internationalen Statistikkonferenz von 1887 alle Städte mit mindestens 100.000 Einwohnern. In Sachsen sind dies nur Dresden, Leipzig und Chemnitz.

Siehe ausführliche Darstellungen zum Thema Familiefreundlichkeit in Deutschland im Familienatlas 2012 des Bundesfamilienministeriums sowie den Familienindex Deutschland.
Zur Relevanz familienpolitischer Handlungsfelder aus Sicht der Kommunen siehe Abbildung 1 unten.
 

Wohnsituation
Will man die Wohnsituation von Familien in Stadt und Land einschätzen, so muss man sich anschauen, was der Wohnraum in Bezug auf die Durchschnittsgehälter kostet. Wie Abbildung 2 unten zeigt, sind die Mieten in den deutschen Großstädten in den letzten Jahren rapide gestiegen. Auch wenn man von einem gleichzeitigen Anstieg der Gehälter ausgehen kann, so ist doch der relative Anteil der Kosten des Wohnens vergleichsweise hoch. Hinzu kommt, dass in Ostdeutschland der Durchschnittsverdienst noch immer deutlich niedriger liegt als im Westen. Da Familien mit Kindern tendenziell größere Wohnungen brauchen, schlagen hier hohe Kosten fürs Wohnen stärker zu Buche. Interessant ist vor allem, dass Dresden hinsichtlich der Bezahlbarkeit von Wohnraum in Bezug auf Durchschnittsgehälter und Immobilienpreise die teuerste deutsche Großstadt noch vor Berlin und München ist (Quelle: Homeday Familien-Index).
Die Unterschiede zwischen Stadt und Land in Sachen Wohnen machen sich auch daran fest, dass der Anteil der Bevölkerung, bei dem sich die Wohnkosten auf mehr als 40 Prozent des Nettoeinkommens belaufen (man spricht hier von der Quote der Überbelastung) 2016 in geringbesiedelten Gebieten bei 12,2 Prozent, in dicht besiedelten Gebieten aber bei 19,6 Prozent lag (Quelle: Eurostat/ Statista 2017). Städter müssen also einen größeren Anteil ihres Einkommens für den Faktor Wohnen aufbringen als Menschen, die auf dem Land leben.

Siehe Abbildung 3 unten zur Wohnsituation von Familien in Deutschland.


Bildung und Kinderbetreuung
Generell lässt sich sagen, dass es extreme Unterschiede hinsichtlich der schulischen Versorgung von Kindern in der Bundesrepublik gibt. Dies ist eine Auswirkung des Bildungsföderalismus. Verschärft werden diese Unterschiede noch durch die spezifischen Rahmenbedingung in Stadt und Land.
Hinsichtlich der Betreuungsbedingungen für Kinder (darunter versteht man die Schüler-Lehrer-Relation, die Unterrichtsstunden, die Klassengröße und die Betreuungsrelation in Kindergärten) steht Sachsen nach dem Bildungsmonitor bundesweit auf Platz fünf (Quelle INSM, Statista 2017). Dies sagt jedoch noch nichts über die Unterschiede in der Qualität der Bildung in Stadt und Land aus. Sie macht sich unter anderem daran fest, wie groß die Schulklassen sind, ob Schulen jeder Schulart vor Ort vertreten sind oder ob die Schüler weite Wege zurückzulegen haben. Aufgrund der demographischen Entwicklung und der damit verbundenen sinkenden Einwohnerzahl in ländlichen Gebieten vor allem in Ostdeutschland sind viele Schulstandorte gefährdet und das Schulnetz dünnt aus. Vor allem im ländlichen Raum Ostdeutschlands liegt die mittlere Distanz zu Grundschulen bereits jetzt vielerorts über den vereinzelt in Schulgesetzen festgelegten 2 km. Der Raumordnungsbericht des Bundes kommt zu dem Schluss, dass es ein deutliches Gefälle zwischen Stadt und Land, zwischen urbanen und peripheren Regionen in Sachen Bildung gibt.
Während in Gemeinden mit bis zu 5.000 Einwohnern nur 21 Prozent der Bevölkerung einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluss erwirbt, sind es in Großstädten 41,9 Prozent. (Quelle: Statistisches Bundesamt Mikrozensus 2016, Ausgabe 2018)

Siehe Abbildung 4 unten zur Bildungssituation in Deutschland.


Arbeitsplatz- und Lebenssituation in Stadt und Land
In Sachsen lassen sich deutliche Unterschiede in der Beschäftigungssituation in Stadt und Land erkennen. Die Großstädte bzw. Oberzentren sind weiterhin die wichtigsten Arbeitsplatzzentren, vor allem in kleineren Gemeinden führt ein beschränktes Arbeitsplatzangebot zu Pendlerverflechtungen hin zu attraktiven Arbeitsplätzen. Vor allem Dresden, Leipzig, Chemnitz und Zwickau profitieren von dieser Entwicklung. Im ostsächsischen Raum und in Nordsachsen ist dagegen die Arbeitsplatzdichte gering (siehe dazu Abbildung 5 unten). Die Arbeitslosenquote in den ländlichen Gebieten ist deutlich höher als in den Großstädten, in den unmittelbaren „Speckgürteln“ der Großstädte ist die Arbeitsplatzsituation dagegen besonders günstig.
Zwar ist das Arbeitsangebot auf dem Land nicht so groß wie in der Stadt, ländliche Räume haben aber dennoch geringere Armutsquoten als Städte. Armut trifft vor allem Arbeitslose, Alleinerziehende und Migranten, diese Risikogruppen leben häufiger in den großen Städten, was zu einer Ballung von sozialen Problemen führen kann.

Siehe Abbildung 5 unten zur Arbeitsplatzdichte in Sachsen.


Sicherheit vor Kriminalität
Hinsichtlich der Häufigkeit von Straftaten liegt Sachsen bundesweit auf Platz sechs. Das Land mit den meisten Straftaten ist Berlin, gefolgt von Bremen und Hamburg, am sichersten lebt man in Baden-Württemberg. Leipzig ist laut der Kriminalitätsstatistik 2016 zusammen mit Berlin die gefährlichste Stadt Deutschlands. Die höchste Kriminalitätsrate haben Städte über 500.000 Einwohnern. Alleine der Blick auf diese Rangfolge zeigt, dass das Leben in großen Städten offensichtlich gefährlicher ist als auf dem Land. Dies ist ein Tatbestand, der zwar alle Bürger gleichermaßen betrifft, für Familien mit Kindern jedoch auch ein wichtiger Faktor bei der Auswahl des Wohnortes sein dürfte.

Siehe zur Kriminalität in Städten Abbildung 6 unten.

Alles in allem sind die Bedingungen für Familien wohl in den mittelgroßen Städten am besten. Dort gibt es bezahlbaren Wohnraum, eine gute schulische Infrastruktur, ein sicheres Umfeld und ein gutes Freizeitangebot.

46 Meinungen 21 Kommentare

Gast stimmt der These Großstädte sind familienfeindlich. zu

Früher war das so---heute nicht mehr.

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17.03.2018

Gast stimmt der These Großstädte sind familienfeindlich. zu

das ist schwer zu beantworten. Ich denke, dass es schön für Kinder ist, im Garten zu spielen etc. und das wird in Großstädten schwer. Ausserdem können sich kleine Kinder auch nicht so frei wie auf dem Dorf bewegen, da es oftmals gefährlicher ist.

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17.03.2018

Gast stimmt der These Großstädte sind familienfeindlich. nicht zu

Nicht grundsätzlich. Es kommt darauf an, wie die Großstadt organisiert ist.

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16.03.2018

Gast stimmt der These Großstädte sind familienfeindlich. zu

In der Stadt sind alle im Kampf, keine Zeit für Familie

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16.03.2018 1 Kommentar

Gast stimmt der These Großstädte sind familienfeindlich. zu

In der Anonymität der Großstadt hat Familie einfach nicht mehr den Stellenwert wie es auf dem Land der Fall ist, wo jeder jeden kennt.

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16.03.2018 1 Kommentar

Gast stimmt der These Großstädte sind familienfeindlich. nicht zu

Es gibt viel mehr Spielplätze und Schulen

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16.03.2018

Gast stimmt der These Großstädte sind familienfeindlich. nicht zu

Großstädtische Kieze können sehr persönlich und familienfreundlich sein.

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16.03.2018 1 Kommentar

Gast stimmt der These Großstädte sind familienfeindlich. zu

es fehlen flächen für kinder, freier bewegungsraum, bäume zum kletter, schilder mit der Aufschrift „spielen verboten“ verdrängen kinder zu unrecht

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15.03.2018 1 Kommentar

Gast positioniert sich zur These Großstädte sind familienfeindlich. neutral

Manchmal ja,manchmal nein

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15.03.2018

Gast stimmt der These Großstädte sind familienfeindlich. nicht zu

Kann schon sein, muss aber nicht. Hohe Mieten, fehlende Kindergarten- und spielplätze, starke Umweltbelastung sind natürlich familienfeindlich.

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13.03.2018 3 Kommentare

Gast stimmt der These Großstädte sind familienfeindlich. nicht zu

Auch in Großstädten gibt es vielfältige Angebote für Familien mit Kindern. Es kommt drauf an, was man aus seinem Wohnumfeld macht. Die Aussage ist mir so zu pauschal.

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13.03.2018

Gast stimmt der These Großstädte sind familienfeindlich. zu

Es ist schwierig mit Kindern in Großstädten zu leben und sie zu mitfühlenden, naturverbundenen und freundlichen Menschen zu erziehen, die nicht nur egoistisch ihr eigenes Wohl im Auge haben.

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12.03.2018 1 Kommentar

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