Sächsische Medien berichten nur, was die Politik ihnen vorschreibt.

Was versteht man unter Medien?

Der Begriff „Medien“ (lat. „medium“: Mittel) bezeichnet im weiteren Sinne Mittel, welche zum Erreichen eines Zweckes eingesetzt werden. Im engeren Sinne und alltäglich wird der Begriff meistens im Bereich der Kommunikation benutzt. Hier ist ein Medium das Mittel oder der Kanal, um eine Information von Sender zu Empfänger zu transportieren. Umgangssprachlich werden als „Medien“ meist Sendeanstalten des Fernsehens, Rundfunks oder Verlagshäuser der Presse verstanden.

Ob soziale Netzwerke und Informationsangebote des Web 2.0 - also durch (anonyme) Nutzer generierte Inhalte wie z.B. Blogs - unter dem Begriff „soziale Medien“ als Teil des Mediensystems angesehen werden können, ist umstritten. Zwar decken immer mehr Menschen ihren Informationsbedarf über soziale Netzwerke, allerdings dienen diese meistens zur Verbreitung von nach wie vor journalistisch erarbeiteten Inhalten. Gleichzeitig vermischen sich im Bereich des Web 2.0 private Eindrücke mit journalistischer Berichterstattung, eine professionelle Kontrolle findet in der Regel nicht statt.

 

„Die Kanzlerin ruft nie an.“
Interview mit Sandro Viroli, Chef des Mitteldeutschen Rundfunks in Sachsen.

 

Ein Vorurteil, das Viroli immer wieder zu hören bekommt: „Der MDR wird von der Politik gesteuert.“ Wie oft hat Sie die Bundeskanzlerin schon angerufen, um Ihnen Anweisungen zu geben?

Kein einziges Mal.

Und andere Politiker, nehmen die Einfluss auf das MDR-Programm?

Es gibt welche, die das gerne machen würden, aber die melden sich recht wenig bei mir. Und wenn doch: Dann halte ich das aus.

Also gibt es niemanden, der Einfluss auf die Berichterstattung nimmt?

Richtig. Es gibt aber fast immer jemanden, der versucht, dich in irgendeiner Form zu beeinflussen – und sei es, indem er behauptet: „Das stimmt gar nicht.“ Oder dir ehrliche Antworten verweigert.

Wie gehen Sie mit Themen um, über die Politiker oder Firmen eigentlich keine Berichterstattung wünschen?

Oft ist es ein Problem, dass du niemanden findest, der etwas sagt. Dann musst du nach anderen Quellen suchen. Es reicht nicht, nur etwas zu wissen oder von etwas gehört zu haben, um darüber zu berichten. Bevor wir was veröffentlichen, müssen wir unsere Aussagen auch beweisen können.

Wer bestimmt beim MDR darüber, was gesendet wird und was nicht?

Das bestimmen die Journalisten, die bringen die Themen. Die bekommen sie über viele Wege: von Agenturen, durch Pressemitteilungen, durch Gespräche im Freundeskreis und manchmal auch Tipps von Politikern.

Was ist an Ihrer Arbeit politisch?

Als öffentlich-rechtlicher Rundfunk sind wir das einzige Medium, das durch die Öffentlichkeit kontrolliert wird – durch den Staatsvertrag, die Rundfunk- und Verwaltungsräte. Da sind auch Politiker dabei.

Aber dann sind Sie doch nicht frei in der Berichterstattung?

Doch. Die einzige Grenze sind unsere journalistischen Grundsätze: Das heißt, dass alles nachprüfbar sein muss und dass wir ausgewogen berichten müssen. Die Räte sagen nicht: Ihr dürft das hier jetzt nicht machen. Aber sie melden sich im Falle von Beschwerden, und dann müssen wir genau erklären, warum wir welche Entscheidung getroffen haben.

[Interview: Nicole Kirchner, abgedruckt in: #wtf?! – Wissen, Thesen, Fakten. Ausgabe 1/2016: Lügenpresse? : http://wtf.slpb.de/files/2016/09/160920_233x327_wtf-Ausgabe1_epaper.pdf, S. 7.]

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Lesen Sie zum gleichen Thema auch den Beitrag von Olaf Kittel als Antwort auf einen Leserbrief in der Sächsischen Zeitung Online vom Sa., 12.03.2016: „Schreibt die SZ, was die SPD verlangt?“:
http://www.sz-online.de/nachrichten/schreibt-die-sz-was-die-spd-verlangt-3469639.html.

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Wie die Politik Einfluss auf Medien nimmt

In Deutschland sind die meisten Medien ganz normale Wirtschaftsunternehmen, die zuerst das Ziel verfolgen, Geld zu verdienen. Sie müssen sich dabei wie alle an bestimmte Gesetze halten.

Gleichzeitig gilt per Gesetz: Die Regierung darf sich nicht in die Berichterstattung einmischen oder eigene Medien gründen. Einzige Ausnahme ist der Öffentlich-rechtliche Rundfunk. Sender wie ARD, ZDF oder auch der MDR haben vom Gesetz her den Auftrag, zur demokratischen Meinungsbildung beizutragen. Deshalb werden sie durch Gesellschaft und Politik kontrolliert. Wie sieht das aus?

Rundfunkstaatsverträge:
Der ÖR muss sich an ein solches Gesetz halten. Es regelt alle wichtigen Dinge wie Aufgaben, Finanzen, Werbung usw.

Rundfunk- und Verwaltungsräte:
Darin sitzen Vertreter verschiedenster gesellschaftlicher Gruppen, auch Politiker. Sie kontrollieren gemeinsam im Sinne der Bürger, ob die Sender ihren gesetzlichen Auftrag erfüllen.

[Enrico Bach in: #wtf?! – Wissen, Thesen, Fakten. Ausgabe 1/2016: Lügenpresse? : http://wtf.slpb.de/files/2016/09/160920_233x327_wtf-Ausgabe1_epaper.pdf, S. 7.]

 

Der Dialog ist beendet

Soziale Medien spalten die Gesellschaft.

Was versteht man unter Medien?

Der Begriff „Medien“ (lat. „medium“: Mittel) bezeichnet im weiteren Sinne Mittel, welche zum Erreichen eines Zweckes eingesetzt werden. Im engeren Sinne und alltäglich wird der Begriff meistens im Bereich der Kommunikation benutzt. Hier ist ein Medium das Mittel oder der Kanal, um eine Information von Sender zu Empfänger zu transportieren. Umgangssprachlich werden als „Medien“ meist Sendeanstalten des Fernsehens, Rundfunks oder Verlagshäuser der Presse verstanden.

Ob soziale Netzwerke und Informationsangebote des Web 2.0 - also durch (anonyme) Nutzer generierte Inhalte wie z.B. Blogs - unter dem Begriff „soziale Medien“ als Teil des Mediensystems angesehen werden können, ist umstritten. Zwar decken immer mehr Menschen ihren Informationsbedarf über soziale Netzwerke, allerdings dienen diese meistens zur Verbreitung von nach wie vor journalistisch erarbeiteten Inhalten. Gleichzeitig vermischen sich im Bereich des Web 2.0 private Eindrücke mit journalistischer Berichterstattung, eine professionelle Kontrolle findet in der Regel nicht statt.

 

Soziale Medien als wachsendes Forum

Soziale Medien oder auch Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Youtube spielen in der Kommunikation zwischen Menschen eine immer herausragendere Rolle. Gerade bei aktuellen Ereignissen reagieren die Sozialen Netzwerke schnell, unmittelbar und deutlich. Oft jedoch auch emotional, irrational und vollkommen befreit von Werten, Moral und Anstand. Auch in Sachsen ist diese Entwicklung spürbar.

Das soziale Netzwerk Facebook verzeichnete in Deutschland zu Beginn des Jahres 2017 zwischen 24 bis 28 Millionen „monthly active user“. Weltweit sind 1,8 Milliarden Menschen in diesem Netzwerk vernetzt. Der Kurznachrichtendienst Twitter erreicht laut verschiedenen Aussagen knapp eine Million aktive Nutzerinnen und Nutzer. Jedoch stieg nicht zuletzt durch twitternde Präsidenten oder durch häufige Zitierung in Presseberichterstattungen die Aufmerksamkeit für dieses Netzwerk. Setzt man in diesen Netzwerken eine Nachrichten, einen Tweet oder Post ab, erreicht man ohne große Hürden Tausende Menschen.

 

Macht oder Ohnmacht?: Soziale Medien und Demokratie

Als bisherigen Höhepunkt von Sozialen Medien hinsichtlich demokratischer Partizipation - zumindest auf internationaler Ebene - kann man die Ereignisse rund um den Arabischen Frühling sehen. Über Twitter und Facebook organisierten sich Demonstranten und verbreiteten Informationen in einer Lage großer Unsicherheit und Unruhen. Viele Beobachter der damaligen Situation resümierten, dass gerade durch die Nutzung der Sozialen Netzwerke das Aufflammen und der Erfolg der revolutionären Bewegungen erst möglich waren. Auch wenn zu diesem Punkt Kontroversität besteht, ist klar, dass gerade für den Zusammenschluss Gleichgesinnter und zum zeitnahen und kurzweiligen Austausch von Informationen soziale Netzwerke eine herausragende Rolle spielten und künftig spielen werden. Doch welche Auswirkungen haben Soziale Netzwerke in Deutschland? Sind sie ein Hort direkter Demokratie und Mitbestimmung oder eine Kammer veränderter Realitäten, die gefährlich für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft sind?

Mit dem Aufkommen von Sozialen Netzwerken und ihrer steigenden Popularität stiegen auch die Hoffnungen für politische Partizipationsprozesse, die aber jäh enttäuscht wurden. Beispielsweise hoffte man, dass über Soziale Netzwerke Nichtwähler stärker erreicht würden. Doch empirische Studien zeigen, dass „das Netz keine durchschlagende Wirkung auf das (politische) Verhalten der Bevölkerung insgesamt hat.“ Das Gegenteil ist der Fall. Diejenigen, die ohnehin schon wenig Interesse an Politik haben, meiden sie auch im Netz. Die anfängliche Euphorie wich einer steten Ernüchterung. Auch wurde die Hoffnung, dass durch soziale Netzwerke die politische Partizipation und demokratische Beteiligung gesteigert werden kann, gedämpft. Auch hier ist eher das Gegenteil der Fall. Nutzerinnen und Nutzer, die sich stark in den sozialen Netzwerken engagieren und entsprechend oft kommentieren und liken, sind nicht automatisch aktiv partizipierende Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit. Viel eher lassen sich manchmal stark an Schizophrenie erinnernde Handlungsmuster erkennen. Im Buch des Dresdner Politikwissenschaftler Prof. Dr. Werner J. Patzelt „Pegida Warnsignale aus Dresden“ wird nicht grundlos zwischen „Facebook-Pegida“ und „Straßen-Pegida“ getrennt.

 

Echokammern, Filterblasen, Komfortzonen: Politische Kommunikation in einer schwer überschaubaren Umgebung

Neben den bisher eher ernüchternden Erkenntnissen hinsichtlich der politischen Kommunikations- und Partizipationsmöglichkeiten in den sozialen Netzwerken ist eine Entwicklung positiv zu betonen: Menschen vernetzen sich: regional, national, international, transkontinental. Zwar vernetzten sich Menschen bereits in der Vergangenheit beim Einkaufen oder beim Besuch von Märkten oder Innenstädten. Doch gelang es nicht so spezifisch, wie es über Soziale Netzwerke gelingt. Nimmt man beispielsweise das etwas jüngere Netzwerk: „nebenan.de“. Dort vernetzen sich allen voran Nachbarn eines Stadtteils und lernen so oft Menschen kennen, die sie zwar oft gegrüßt aber nie angesprochen haben. Gerade in urbanen Regionen kann eine solche vernetzte Rückbesinnung auf den eigenen Stadtteil von Vorteil sein.

Doch hat diese Art der schnellen und unkomplizierten Vernetzung auch Schattenseiten. Sogenannte Echokammern beschreiben das Phänomen, dass Menschen gleicher Werte- und Normvorstellungen sich in hermetisch abgeschotteten Gruppen zusammenfinden. Solche Echokammern findet man in allen politischen Milieus und sie führen dazu, dass Menschen in verhärteten Denkmuster verharren und Kontroversität selten erfahren, weil konkurrierende Gruppen entweder dezidiert ausgeschlossen oder gar zu Feindbildern erklärt werden. Große Echokammereffekte findet man rund um die Pegida-Bewegung. Oft lassen sich die inhaltlichen Schwerpunkte dieser Echokammern verkürzt wie folgt zusammenfassen: Geflüchtete sind kriminell. Presse und Medien lügen. Angela Merkel trägt für alle Missstände die Verantwortung. Und wenn man Missstände anspricht („Das wird man wohl noch sagen dürfen!“), gilt man als schlechter Mensch.

Die Abgrenzung der Eigengruppe (Wir sind die stille Mehrheit und „das Volk“) von einer Fremdgruppe („die da oben“, „versiffte Eliten“ „Volksverräter“ oder „Lügenpresse“) lässt sich gerade in dieser Echokammer exemplarisch darstellen. Schaut man sich dann die am häufigsten verlinkten Seiten auf Pegida-Fanseiten an, wird man häufig Seiten finden, die Befürchtungen und Ängste der Eigengruppe fördern und Fremdgruppen auch unter die Zuhilfenahme von sogenannten „Fake-News“ diffamieren. In Summe verstärken diese Echokammereffekte die Spaltung der Gesellschaft.

 

Quellen und Literaturempfehlung zum Thema

  • Werner J. Patzelt / Joachim Klose, “PEGIDA. Warnsignale aus Dresden” Dresden, Thelem [2016]
  • Krüger, Uwe, “Mainstream: warum wir den Medien nicht mehr trauen”, München Verlag C.H. Beck [2016]
  • Proceedings of the National Academy of Sciences, Michela Del Vicario, Alessandro Bessi “The spreading of misinformation online”, 2015, http://www.pnas.org/content/113/3/554.full.pdf, aufgerufen am 28.02,2017
  • Eli Pariser, “The Filter Bubble: “What the Internet Is Hiding from You.” Penguin Press, New York, 2011
  • Lynn Parramore, “The Filter Bubble”. The Atlantic, 2010, http://theatln.tc/2kE8a4p, aufgerufen am: 28.02.2017
  • David Gebhard / Florian Neuhann, „Hans Mayers Ausflug an den rechten Rand“, Heute.de, 2017, http://bit.ly/2meuZbh, aufgerufen am: 28.02.2017
  • Sabine Sasse, “Ist Youtube das neue Fernsehen?”, Der Tagesspiegel, http://bit.ly/2mernGa; aufgerufen am: 28.02.2017
  • Christian Stöcker, “Radikal dank Facebook”, Spiegel Online, 2016, http://bit.ly/1OJtJGo, aufgerufen am: 28.02.2017
  • Christian Buggisch, „Social Media und Messenger – Nutzerzahlen in Deutschland 2017“, 2017, http://bit.ly/2hJOrxf, aufgerufen am 28.02.2017
  • Anna Sauerbrey, „Die macht der sozialen Netzwerke: In der Ausnüchterungsphase“, Der Tagesspiegel, 2015, http://bit.ly/2lbJ9Oi, aufgerufen am 28.02.2017
Der Dialog ist beendet

Der Rundfunkbeitrag sollte beibehalten werden.

Was versteht man unter „Medien“?

Der Begriff „Medien“ (lat. „medium“: Mittel) bezeichnet im weiteren Sinne Mittel, welche zum Erreichen eines Zweckes eingesetzt werden. Im engeren Sinne und alltäglich wird der Begriff meistens im Bereich der Kommunikation benutzt. Hier ist ein Medium das Mittel oder der Kanal, um eine Information vom Sender zum Empfänger zu transportieren. Umgangssprachlich werden als „Medien“ meist Sendeanstalten des Fernsehens, Rundfunks oder Verlagshäuser der Presse verstanden.

Ob soziale Netzwerke und Informationsangebote des Web 2.0 - also durch (anonyme) Nutzer generierte Inhalte wie z.B. Blogs - unter dem Begriff „soziale Medien“ als Teil des Mediensystems angesehen werden können, ist umstritten. Zwar decken immer mehr Menschen ihren Informationsbedarf über soziale Netzwerke, allerdings dienen diese meistens zur Verbreitung von nach wie vor journalistisch erarbeiteten Inhalten. Gleichzeitig vermischen sich im Bereich des Web 2.0 private Eindrücke mit journalistischer Berichterstattung, eine professionelle Kontrolle findet in der Regel nicht statt.

Das Vertrauen in die etablierten Medien ist nach wie vor hoch
 

Die Ergebnisse des Sachsen-Monitor 2016 – einer repräsentativen Umfrage unter der sächsischen Bevölkerung – zeigen, dass die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nach wie vor viel Vertrauen genießen: 75% der Befragten halten diese für glaubwürdig oder sehr glaubwürdig. Die Sendeanstalten, die durch den Rundfunkbeitrag ermöglicht werden, teilen sich damit den ersten Platz mit regionalen Tageszeitungen (ebenfalls 75%), doch bereits überregionale Tageszeitungen liegen mit 59% deutlich dahinter.  Auf dem vorletzten Platz liegen schließlich die sozialen Medien (27%), das Schlusslicht bildet die Boulevardpresse (19%).

Eine fundierte und ausgewogene journalistische Recherche ist eine aufwendige Arbeit. Dazu müssen einerseits ausreichend finanzielle Mittel bereitgestellt werden, die andererseits unabhängig vom Ergebnis der Recherche und der Positionierung des Journalisten zur Verfügung stehen.

Während bei privaten Medienangeboten jeder Bürger selbst entscheiden kann, diese wahrzunehmen oder zu boykottieren, so gibt es keine legale Möglichkeit, den Rundfunkbeitrag zu umgehen. Werden die Inhalte und Methoden der davon profitierenden Sendeanstalten (ARD, ZDF, Dradio und alle regionalen Sendeanstalten wie z. B. der MDR) aber als nicht vertrauenswürdig eingestuft, so steht auch die Rechtmäßigkeit der Abgabe in Frage.

Praktische Hinweise zum Thema Rundfunkbeitrag.
 

Private Medien – ein Garant für Unabhängigkeit?
 

Historisch betrachtet bildeten sich private Zeitungsverlage vor allem als Gegenpol zu staatsfinanzierter, einseitiger Berichterstattung oder Propaganda. Durch den Verkauf von Informationen an Bürger, welche für kritischen Journalismus ein Teil ihres Einkommens zu bezahlen bereit sind, werden aufwendige Recherchen finanziert. Das ermöglicht zwar eine freie Meinungsäußerung und kritische Berichterstattung, jedoch sind private Medien damit immer auch abhängig von den Verkaufszahlen ihres Mediums, unterliegen also den Mechanismen des Marktes. Das kann zu verschiedenen Phänomenen führen, welche wiederum dem Ideal eines fundierten und kritischen Journalismus‘ entgegenwirken.

Einerseits muss jede Meldung daraufhin abgeklopft werden, ob sie „sich verkauft“: Komplexe Darstellungen eines Sachverhaltens unterliegen hier schnell einfachen Wahrheiten, Skandale um der Verkaufszahlen willen nehmen einen großen Platz in der Berichterstattung ein, die Schlagzeilen der Konkurrenz werden schnell übernommen, um immer selbst auch zu allen Sachfragen Informationen anbieten zu können (sog. „Herdenjournalismus“). All diese Problematiken verschärfen sich derweil, da Informationen zunehmend im Internet abgerufen werden. Hier gilt das Gebot der minutenschnellen Reaktion auf die Berichterstattung der Konkurrenz, während gleichzeitig verlässliche Einnahmen aus den Verkäufen der gedruckten Exemplare zurückgehen. Die Folgen sind immer aggressiver geschaltete Werbung, welche gleichzeitig eine Abhängigkeit gegenüber dem Werbetreibenden schafft und sogenannte „click-bait“-Strategien: Aufmerksamkeitsheischende Überschriften sollen den Nutzer verleiten, Meldungen aufzurufen und damit Werbeeinnahmen zu generieren, der eigentliche Inhalt rückt in den Hintergrund.

Doch auch wenn private Redaktionen unabhängig vom Wohlwollen staatlicher Institutionen sind, so sind sie dennoch direkt Rechenschaftspflichtig gegenüber den Inhabern des entsprechenden Verlages. Das führt zu zwei weiteren Problemen zu Ungunsten einer unabhängigen Berichterstattung: Einerseits findet eine starke Konzentration der verschiedenen Verlagshäuser statt: Immer weniger Medienkonzerne besitzen immer mehr kleine Verlage, wodurch die Einflussnahme auf die öffentliche Meinungsbildung bei immer wenigen Menschen liegt. Ein prominentes Beispiel hierfür ist das Medienimperium von Rupert Murdoch, doch auch in Deutschland lässt sich dieser Vorgang beobachten.

Führt man diese Betrachtungen zusammen, ergibt sich schlussendlich ein weiteres Problem: Eine abnehmend differenzierte Berichterstattung, welche sich im Besitz immer weniger Unternehmen befindet, führt zwangsläufig zu einer Polarisierung der Medienlandschaft, wie sich beispielhaft in den USA beobachten lässt.

Mehr zu den Folgen der Medienkonzentration.

Mehr zum Thema Polarisierung und Medienlandschaft der USA.
 

Öffentlich-rechtliche Sendeanstalten – zwischen Hofberichterstattung und Qualitätsjournalismus
 

Als Gegengewicht dazu existiert das System der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Durch eine verpflichtende Abgabe aller Bürger soll eine Berichterstattung ermöglicht werden, welche weitestgehend unabhängig von Verkaufszahlen funktioniert und im Idealfall den Konkurrenzdruck für Journalisten auf diese Weise minimiert.

Damit der erhobene Beitrag sinnvoll eingesetzt werden, bedarf es jedoch wiederum einer Form der Kontrolle, welche in diesem Fall nicht durch den Konsumenten vorgenommen werden kann. Da der Staat den Rundfunkbeitrag erhebt, werden unter anderem Vertreter des Staates und der Fraktionen im Bundestag in die Aufsichtsratsgremien entsandt. Dass Inhalte unter dieser Kontrolle allerdings Gefahr laufen, durch politische Interessen beeinflusst zu werden, wird beispielhaft durch den Fall von Nikolaus Brender illustriert. Brender war vom Jahr 2000 an Chefredakteur des ZDF in Mainz. Als er sich gegen den Versuch politischer Einflussnahme auf die Berichterstattung wehrte, wurde schließlich 2009 sein Vertrag nicht verlängert. Obwohl ihm durch seine eigenen Mitarbeiter sowie Fachkreise große Kompetenz bescheinigt wurde, organisierte der damalige Ministerpräsident Hessens, Roland Koch (CDU) im Aufsichtsrat des Senders eine zur Sperre ausreichende Minderheit gegen die Vertragsverlängerung. Schlussendlich gab das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2014 Brender Recht, bescheinigte dem ZDF „zu viel Staatsnähe“ und sorgte letztlich dafür, dass im neuen ZDF-Staatsvertrag der Einfluss von Entsandten der Politik reduziert wurde.

Ausführliche Darstellung des Fall Brenders.

Gutachten des Bundesfinanzministeriums, welches Problematiken und mögliche Reformwege des derzeitigen Rundfunksystems darstellt.

Eine perfekte, unabhängige Medienlandschaft existiert nicht
 

Da gute Berichterstattung immer auf ausreichend finanzielle Mittel angewiesen ist, ergibt sich also auch automatisch eine Abhängigkeit zu den entsprechenden Geldgebern. Doch es gibt weitere Möglichkeiten, journalistische Standards zu verteidigen. So handelt es sich beim „Deutschen Presserat“ um ein Gremium, welches innerhalb der Bevölkerung, aber vor allem unter Journalisten hohes Ansehen genießt. Der Deutsche Presserat zeichnet hochwertige Berichterstattung aus und rügt Fehlverhalten von Journalisten. Obwohl er nur indirekten Einfluss auf die Vergabe von Geldern hat, wirkt er auf diese Weise als Korrektiv gegen unangemessene Berichterstattung.

„So geht Medien“ - Materialsammlung von ARD, ZDF und DRadio zu den Grundlagen des Journalismus.

 

Weiterführende Literatur
  • Flaig, Carolin: Wirtschaftsjournalismus und Markt. Notwendigkeit und Ansätze einer Regulierung. Berlin. 2009.
  • Hoffmann, Astrid: Der Rundfunkbeitrag. Eine Untersuchung zur funktionsgerechten Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Baden-Baden. 2016.
  • Kirchhof, Paul: Die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Baden-Baden. 2010.
  • Schulze, Juliana: Öffentlich-rechtliche versus private Nachrichten. Eine empirische Studie anhand ausgewählter Nachrichtentexte von MDR Jump und Radio PSR. Saarbrücken. 2011.
  • Segbers, Michael: Die Ware Nachricht. Wie Nachrichtenagenturen ticken. Konstanz. 2007.
Der Dialog ist beendet

Wir müssen lernen, mit Fake News umzugehen.

Was versteht man unter Medien?

Der Begriff „Medien“ (lat. „medium“: Mittel) bezeichnet im weiteren Sinne Mittel, welche zum Erreichen eines Zweckes eingesetzt werden. Im engeren Sinne und alltäglich wird der Begriff meistens im Bereich der Kommunikation benutzt. Hier ist ein Medium das Mittel oder der Kanal, um eine Information von Sender zu Empfänger zu transportieren. Umgangssprachlich werden als „Medien“ meist Sendeanstalten des Fernsehens, Rundfunks oder Verlagshäuser der Presse verstanden.

Ob soziale Netzwerke und Informationsangebote des Web 2.0 - also durch (anonyme) Nutzer generierte Inhalte wie z.B. Blogs - unter dem Begriff „soziale Medien“ als Teil des Mediensystems angesehen werden können, ist umstritten. Zwar decken immer mehr Menschen ihren Informationsbedarf über soziale Netzwerke, allerdings dienen diese meistens zur Verbreitung von nach wie vor journalistisch erarbeiteten Inhalten. Gleichzeitig vermischen sich im Bereich des Web 2.0 private Eindrücke mit journalistischer Berichterstattung, eine professionelle Kontrolle findet in der Regel nicht statt.

 

Was bezeichnet man als Fake News?

Unter Fake News versteht man öffentlich lancierte Falschmeldungen die meist im Internet speziell in den Sozialen Medien kursieren. Mit diesen erfundenen Nachrichten sollen Menschen auf bestimmte Webseiten gelockt oder zu Unterhaltungszwecken in die Irre geführt werden. Der Begriff hat durch den neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump eine Hochkonjunktur als Schlagwort erfahren. Das Phänomen der Falschmeldungen an sich ist jedoch so alt wie die Massenmedien selbst. Eine neue Qualität und Brisanz erhalten diese Fake News dadurch, dass sie häufig politisch motiviert sind und daher als "ideologische Waffe" unter anderem in Wahlkämpfen zur Beeinflussung des gesellschaftlichen Klimas eingesetzt werden.

 

Wie wirken Fake News?

Eine der zentralen Wirkungen des Einsatzes von Fake News besteht darin, dass das Vertrauen der Bevölkerung in die Medien abnimmt: 85 Prozent der Befragten sagen in einer Umfrage von Statista in Zusammenarbeit mit YouGov, dass es durch Fake News schwierig wird, Nachrichten zu vertrauen. Hinsichtlich der Seriösität der der Nachrichtenquellen wird dabei deutlich unterschieden: 87 Prozent der Bevölkerung sehen die sozialen Medien als Verbreitungskanal für Fake News an, nur 39 Prozent sind der Meinung, dass auch die klassischen Medien Fake News verbreiten. Trotz aller "Lügenpresse"-Vorwürfe genießen also die klassischen Medien nach wie vor mehr Vertrauen als die Sozialen Medien.

Auch das Funktionieren unseres demokratischen Systems an sich scheint aus Sicht der Bevölkerung durch Fake News bedroht: 83 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass Wahlen durch Fake News beeinflusst werden können. Würde in der Bevölkerung mehrheitlich unterstellt, dass Wahlergebnisse in Größenordnungen durch den Einfluss gezielter Fehlinformationen durch wen auch immer beeinflusst würden, so wäre die Legitimität des politischen Systems als Ganzes in Frage gestellt.

Mit 89 Prozent die höchste Zustimmung in der gesamten Umfrage erhielt die Aussage „Fake News können zur Diskriminierung von Gruppen führen“. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass sich die allermeisten Deutschen durchaus der Funktionsweise und auch der Gefahren von gezielten Falschinformationen  insbesondere für Minderheiten bewusst sind. Im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise ist deutlich geworden, wie politische Stimmungen durch gezielte Fake News im Interesse bestimmter Gruppierungen beeinflusst werden können.

Eine zusätzliche Brisanz gewinnt das Phänomen der Fake News dadurch, dass sich diese Lügen im Internet nicht nur auf konventionellen Wegen von Mensch zu Mensch verbreiten lassen, sondern zusätzlich durch so genannte Social Bots ( Bots= Abkürzung für Roboter. Gemeint sind Programme, die in sozialen Medien wie Menschen agieren) quasi automatisch via Computerprogramm in Windeseile vervielfachen und in der gesamten Welt verstreuen lassen.

 

 

Was tun gegen Fake News?

Die Erkenntnis, dass sich aus der Problematik der Fake News eine echte Bedrohung für unsere Demokratie ergeben könnte, hat sich sowohl auf der politischen Ebene als auch in breiten Teilen der Zivilgesellschaft herumgesprochen. Dem entsprechend gibt es die unterschiedlichsten Ansätze zum Umgang mit dem Problem:

Grundsätzlich kann man unterschieden zwischen denjenigen, die die Politik bzw. die Gesetzgebung in der Verantwortung sehen und denen, die die Aufgabe der Bekämpfung der Fake News in erster Linie bei den Betreibern der Plattformen suchen. In einer Befragung der Bitkom hat sich gezeigt, dass der weitaus größte Teil der Befragten, nämlich 91 Prozent, der Meinung sind, dass die Betreiber von Sozialen Netzwerken diejenigen sperren sollten, die häufig Falschmeldungen verbreiten. Auch sind 88 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Sozialen Netzwerke es den Nutzern ermöglichen sollten, potenzielle Falschmeldungen zu melden.

Lange Zeit hat auch das Bundesjustizministerium diese Strategie verfolgt und immer wieder das Gespräch mit den Betreibern von Facebook, Twitter und Co gesucht. Diese Bemühungen waren jedoch nicht von durchgreifendem Erfolg gekrönt. Während Facebook immerhin 46 Prozent der von Usern gemeldeten Hassbotschaften gelöscht hat, waren es bei YouTube nur 10 Prozent und bei Twitter gar nur 1 Prozent. Vor diesem Hintergrund wählte das Justizministerium nun eine andere Strategie, indem er nun gesetzlich gegen strafbare Inhalte im Netz vorgehen will. Inwieweit dies erfolgversprechend ist, darüber streiten sich die Experten ebenso wie über die Frage, ob nicht die bislang existenten Gesetze bei konsequenter Anwendung ausreichend seien.

Eine andere Strategie zum Umgang mit Fake News setzt dagegen weniger auf administrative Eingriffe weder durch die Betreiber noch durch den Gesetzgeber und appeliert statt dessen an die Eigenverantwortung der Nutzer sozialer Medien. Immerhin 56 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass eine Demokratie so etwas wie Falschmeldungen aushalten müsse. Beachtliche 89 Prozent sind der Meinung, dass die Nutzer lernen müssten, wie sie Falschmeldungen besser erkennen können. Aus dieser Einschätzung wird die Bedeutung von Medienbildung für alle Altersgruppen deutlich. Nur wer Medien, ob analog oder digital, souverän nutzen kann und wer sich aus unterschiedlichen Quellen informiert, ist in der Lage, sich eine qualifizierte Meinung zu komplexen Sachverhalten zu bilden.

 

Der Dialog ist beendet