Das Internet ist der Jobmotor der Zukunft.

Hintergrundinformationen zur These „Das Internet ist der Jobmotor der Zukunft“.

Berufswelt im Wandel

Die Berufswelt befindet sich in einem stetigen Wandel. Betrachtet man die Frage, wie sich der Arbeitsmarkt in Zukunft verändert, so muss vor allem darauf geschaut werden, wo Arbeitsplätze entstehen und an welchen Stellen sie abgebaut werden. In der Volkswirtschaftslehre ist hierzu das Drei-Sektoren-Modell gängig. In wenig entwickelten Volkswirtschaften findet der Großteil der Wertschöpfung, also der Herkunft des Wohlstands einer Nation, im Agrarsektor statt. Dementsprechend viel Arbeitskraft wird in diesem Bereich auch benötigt. Im Zuge der wirtschaftlichen Modernisierung eines Landes findet als erster Schritt eine Industrialisierung statt, also eine Abwanderung von Arbeitskraft aus dem Agrar- in den industriellen Sektor. Europaweit liegen die großen Industrialisierungswellen bereits länger hinter uns, in Deutschland löste die Industrie um das Jahr 1900 die Landwirtschaft als wichtigsten Bereich ab, im Jahr 1970 „überholte“ schließlich der Dienstleistungssektor. Dienstleistungen bezeichnen Güter, die nicht direkt physisch greifbar sind – die Gage für eine musikalische Darbietung fallen hier beispielsweise ebenso darunter wie das Überprüfen einer Stromleitung. Die Fertigung von Produkten verspricht in der heutigen Moderne also geringeren Wohlstand – und verlagert sich deswegen mitsamt der benötigten Arbeitskraft in Schwellen- und Entwicklungsländer. Auch wenn Deutschland europaweit einen vergleichsweise großen industriellen Sektor von 30% der nationalen Wertschöpfung ausweist, so sinkt dennoch der Wohlstand, welcher durch die industrielle Fertigung erzeugt und damit die Arbeitskraft, welche in diesem Bereich benötigt wird.

Internet, Digitalisierung und eine boomende Branche

Die Verbreitung des Internets im privaten Raum seit Anfang der 90er Jahre geht Hand in Hand mit der Entwicklung der „Digitalisierung“. Unter Digitalisierung wird zumeist das Erzeugen, Übermitteln und Speichern von Informationen in digitalen Formaten verstanden, wodurch Informationen unterschiedlicher Herkunft durch IT-Technologien miteinander verknüpft und gemeinsam verarbeitet werden können. Dies führt zu zunehmenden Verwendungsmöglichkeiten von Informationen und damit zu einem schnell wachsenden Wirtschaftszweig, welcher eine entsprechende Nachfrage nach Arbeitskräften auslöst. So schätzt eine Studie des Interessenverbandes der Internetwirtschaft eco das Wachstum an Arbeitsplätzen im Bereich der Internetwirtschaft im hohen einstelligen Bereich ein: Bis 2019 soll demnach die Nachfrage nach Arbeitskräften jährlich im Durchschnitt um 8,1% auf insgesamt 332 000 Stellen deutschlandweit steigen. Dabei ist jedoch noch keine Aussage über die Qualität des wachsenden Arbeitsmarktes getroffen. So warnt der DGB bereits seit längerem vor prekären Arbeitsbedingungen sogenannter „click-worker“, welche sich oft scheinselbstständig zu geringen Löhnen von Auftrag zu Auftrag hangeln.

Diese Betrachtungen beziehen sich jedoch auf die Internetwirtschaft als Branche im engeren Sinn. In welchem Umfang Arbeitsplätze durch Digitalisierung in allen Branchen entstehen, bzw. abgebaut werden, ist schwer einzuschätzen. Eine ausführliche Studie des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) prognostiziert eine leichte Zunahme der gesamten Beschäftigung, legt jedoch ausführlich dar, inwiefern dieses Ergebnis durch viele verschiedene Bedingungen beeinflusst werden kann.

„Aus Politik und Zeitgeschichte“ mit verschiedenen Essays zum Thema Digitalisierung.

Industrie 4.0 und Automatisierung

Es lässt sich jedoch mit Sicherheit prognostizieren, dass der Wandel der Berufswelt einem bestimmten Muster folgt: Manuelle Arbeit, welche vor allem auf das Verrichten von Routinetätigkeiten mit Hand zurückgreift, wird in Zukunft mehr und mehr von Maschinen ausgeführt werden. Diese Entwicklung der „Automatisierung“ ist generell kein neues Phänomen, sondern begleitet die Menschheit seit ihrer Sesshaftwerdung: Wo immer körperliche Arbeit durch Vorrichtungen ersetzt werden konnte, wurde sie eingespart. Auch zu Zeiten der Industrialisierung im 19. Und 20. Jahrhundert wurde körperliche Arbeit in großem Umfang durch Maschinen ersetzt, jedoch wurden im Anschluss Menschen benötigt, welche diese Maschinen steuerten und feingliedrige Schritte ergänzten. Der Grund für eine Neuauflage der Diskussion rund um Automatisierung in den letzten Jahren ist die zunehmende Geschwindigkeit, mit der vor allem die Digitalisierung die Automatisierung vorantreibt. Durch informationstechnische Verarbeitung digitaler Daten ist es nun zunehmend möglich, dass Maschinen untereinander kommunizieren und sich damit gegenseitig steuern („Industrie 4.0“), der Mensch rückt immer mehr in die Rolle dessen, der nurmehr die „Sprache“ für Maschinen erfindet und überwacht, wozu seine eigene körperliche Kraft nicht mehr benötigt wird.

Ausführliche Studie des ZEW zum Einfluss der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt.

Qualifizierung oder Grundeinkommen?

Dadurch fallen vor allem im Agrar- und industriellen Sektor Arbeitsplätze weg, da hier Routinearbeit eine zentrale Rolle spielt. Aber auch der Dienstleistungssektor, welcher tendenziell eher durch kreatives Hervorbingen und kritisches Überprüfen gekennzeichnet ist, ist von der Entwicklung der „Industrie 4.0“ und dem Phänomen der Automatisierung betroffen, wie derzeit vor allem am Rückgang des Einzelhandels zugunsten des (stark automatisierten) Onlinehandels in der Öffentlichkeit diskutiert wird.

Dennoch greift die Vorstellung, Automatisierung „bedrohe“ Arbeitsplätze, zu kurz. Da ein Unternehmer eine menschliche Arbeitskraft erst dann durch eine Maschine ersetzen wird, wenn diese höhere Produktivität verspricht, wird Automatisierung automatisch auch zu steigendem Wohlstand führen. Roboter nehmen uns also nicht die Existenzgrundlage, sondern vor allem die Notwendigkeit körperlicher Arbeit. Neben diesen automatisierten Tätigkeiten werden Menschen auch in Zukunft für die Arbeitsschritte benötigt, welche automatisierte Produktion und Dienstleistung kritisch überprüfen. Dazu ist jedoch eine höhere Qualifizierung notwendig.

Das Internet sowie die Digitalisierung sorgen also nicht nur für eine Verlagerung vom Agrar- und Industrie- in den Dienstleistungssektor, sondern auch dafür, dass die Anforderung an die Qualifikation der ArbeitnehmerInnen wächst. Die Positionierung zur Frage, ob Digitalisierung Arbeitsplätze kostet oder liefert, hängt also stark damit zusammen, wie optimistisch man gegenüber der Möglichkeit steht, alle von Arbeitslosigkeit betroffenen BürgerInnen entsprechend weiterzubilden. Sollten sich hier über die nächsten Jahrzehnte gesellschaftlich positive Erfahrungen einstellen, so wird Automatisierung Wohlstand fördern, ohne weitere Verteilungsproblematiken nach sich zu ziehen. Verstetigt sich hingegen der in der oben verlinkten ZEW-Studie beobachtete Trend, wonach Digitalisierung und Automatisierung zu einer starken Einkommensungleichheit führt und niedrig qualifizierte Menschen zunehmend in ihrer Existenz gefährdet werden, wird die öffentliche Debatte um die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens („BGE“) oder einer anderen Form der Verteilung des durch Maschinen generierten Wohlstands anwachsen.

Interview mit Ortwin Renn, Soziologe, über den Wandel der Berufswelt im Hinblick auf Automatisierung (5:03).

Verschiedene Szenarien des Wandels der Arbeit im Zuge von Industrie 4.0.

Weiterführende Literatur

Arendt, Hannah: Vita activa oder vom tätigen Leben. München, 1960.

Botthof, Alfons: Zukunft der Arbeit in Industrie 4.0. Berlin, 2015.

Jürgens, Kerstin: Arbeit transformieren! Denkanstöße der Kommission "Arbeit der Zukunft". Bielefeld, 2017.
Als kostenfreie Open-Access-Version verfügbar.

Rifkin, Jeremy: Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft. Frankfurt, 1996.

Schwab, Klaus: Die vierte industrielle Revolution. München, 2016.

Der Dialog ist beendet

Mir ist egal, was mit meinen Daten passiert, ich habe nichts zu verbergen.

Mir ist egal, was mit meinen Daten passiert, ich habe nichts zu verbergen.

Jeder, der sich im (mobilen) Internet aufhält, hinterlässt unweigerlich Spuren. Schon daraus leitet sich die Frage nach einem – geeigneten – Datenschutz ab. Das Bundesverfassungsgericht hat mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung zudem deutlich gemacht, dass grundsätzlich jeder selbst über die Preisgabe und Verwendung personenbezogener Daten entscheiden kann.

Exkurs: Informationelle Selbstbestimmung: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/recht-a-z/22392/informationelle-se...

Schöne neue (digitale) Welt
Die Preisgabe vielfältiger persönlicher Informationen schafft vordergründig für den Einzelnen allerlei Vorteile: Unternehmen wie Google, Facebook oder Amazon erstellen von jedem Nutzer Profile, können uns somit besser einschätzen und zielgerichtet Produkte bewerben. Überdies ist es beispielsweise recht praktisch, wenn man schon im Vorfeld weiß, wie viele Menschen sich in der Einkaufsmeile, zu der man gerade möchte, aufhalten. Auch solche Daten werden durch Standortbestimmung des Mobiltelefons gesammelt und ausgewertet.
Im besten Falle erhalten wir dank unserer erklärten Vorlieben genau das, was wir suchen: die passende Urlaubsreise, die richtigen Konzertkarten oder die gesuchten Helferlein im Baumarkt um die Ecke. Unsere eigene Bequemlichkeit ist somit ein wichtiger Faktor, der die Hemmschwelle zur Preisgabe von Daten herabsetzt.
Unternehmen sammeln seit jeher Daten über ihre Kunden. Das ist ihr Geschäft. Würden sie es nicht tun, wären sie fahrlässig. Es geht schließlich um die Erzielung von Erlösen. Die im Zuge der Digitalisierung mögliche Big Data, die Sammlung und die damit einhergehend die Preisgabe von Daten, bietet sogleich enormes Potenzial für Wissenschaft und Wirtschaft – Potenziale, die freilich bisher, zumindest durch deutsche Firmen, noch nicht hinreichend nutzbar gemacht werden. Nicht umsonst werden Daten als das Gold des 21. Jahrhunderts bezeichnet.
Exkurs: Commerzbank-Studie zu Big Data:
https://blog.commerzbank.de/digitalisierung/18q2/studie-up-big-data.html

Mit der ab 25. Mai 2018 anzuwendenden Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wird der Spagat zwischen diesem neuen globalen Geschäftsfeld und dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung versucht. Für den Verbraucher werden erstmals europaweit Auskunfts-, Lösch- und Widerspruchsrechte etabliert, so zum Beispiel das Recht auf Vergessenwerden.
Mehr zur DSGVO: http://www.bpb.de/gesellschaft/digitales/democracy/255875/was-steht-in-d... sowie http://www.spiegel.de/netzwelt/web/dsgvo-das-sollten-sie-zur-datenschutz...

Die Herrschaft des Algorithmus - die Zahlen MÜSSEN doch stimmen
Mit der Fülle von (harmlosen) Daten können allerdings mittlerweile Charaktereigenschaften, religiöse und politische Einstellung, sexuelle Orientierung, Intelligenz, Gemütsverfassung, Bildungsniveau oder auch psychopathische Veranlagung gewonnen werden. Was aber passiert, wenn die Analyse des Datenmaterials fehlerhaft ist? Eine Gefahr bestünde beispielsweise ganz konkret darin, dass wir zu viel Zinsen für den Hauskredit zahlen, weil unsere Bonität schlechter bewertet wird als sie tatsächlich ist. Markus Morgenroth ("Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich! Die wahre Macht der Datensammler": http://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/medienpaedagogik/bigdata/22895...) weist ferner darauf hin, dass oftmals solchen Datenanalysen als alleiniger Beurteilungsgrundlage zu viel Vertrauen geschenkt wird.

Daten als Grundlage von gezielter (Des-)Information
Dass wir uns mit alten und neuen Bekannten rund um die Welt ganz einfach vernetzen können, ist eine weitere Errungenschaft, die wir mit der Preisgabe unserer Daten an Unternehmen wie Facebook bezahlen. Was wir über soziale Netzwerke preisgeben, bleibt aber in den seltensten Fällen so privat – wie es möglicherweise den Anschein erweckt, weil wir ja gerade in Kontakt mit unseren (engen) Freunden stehen. Wie der Fall von Cambridge Analytica zeigt, können – illegal gewonnene – Daten gezielt für politische Kampagnen genutzt werden.

Weitere Informationen zum Fall von Cambridge Analytica:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/cambridge-analytica-spe...

Ich habe doch nichts zu verbergen – Datenschutz weitergedacht
Abseits der Frage, ob und wie uns Big Data im Alltag helfen und nützen, steht die Frage, welche potenziellen Risiken sich dahinter verbergen – hiermit gemeint sind nicht die Gefahren, die hin und wieder durch Datenlecks oder Datenmissbrauch entstehen können.
Evgeny Morozov, Internetforscher aus Berlin schreibt hierzu: „Ein Problem dieser Argumentation [hier: Ich habe nichts zu verbergen] ist, dass sie sich vor allem auf die Vergangenheit, nicht aber auf die Zukunft bezieht. Sie ist hilfreich, um „statische“ Güter vor einmaligen Angriffen zu schützen, nicht aber, um im Einklang mit den eigenen Prinzipien und Werten eine Vorstellung von zukünftigen, dynamischen Schutzgütern zu entwickeln. … Was ist, wenn Datenschutz nicht primär das Ziel hat, sicherzustellen, dass wir verbergen können, was wir verbergen wollen, sondern uns allen zu erlauben, das zu sein, was wir sein könnten?“
Die mannigfache Preisgabe persönlicher Daten im Hier und Jetzt beraubt uns in diesem Sinne unserer zukünftigen Freiheit. Morozov nennt es die „Potenzialität“, die dann eingeengt wird, wenn uns zukünftig noch besser werdende Algorithmen auf Grundlage des Preisgebens persönlicher Daten anzeigen, was wir wahrscheinlich suchen, aber eben außen vor lassen, was abseits der eigenen Lebenswirklichkeit vor sich geht. Damit bewegen wir uns zunehmend, so die Gefahr, in Filterblasen – gleichbedeutend mit dem Verlust anderer Perspektiven.

Link zum Essay von E. Morozov: http://www.bpb.de/apuz/202236/big-data

Zur kritischen Auseinandersetzung mit Filterblasen:
http://www.deutschlandfunk.de/suchmaschinen-die-filterblasen-theorie-ist...

Der Dialog ist beendet

Wir brauchen digitale Medienbildung als Schulfach.

Hintergrundinformationen zu „Wir brauchen digitale Medienbildung als Schulfach.“

1. Problemhintergrund

Schon fast so lange, wie es das Internet gibt, wird auch die Frage diskutiert, ob und in welcher Weise den Schülerinnen und Schülern digitale Medienbildung nahegebracht werden muss. Es gibt allerdings einen Verbindungsstrang zwischen Computerwelt und Schule, der sogar noch deutlich älter als das Internet ist: Informatik, das in den Anfangszeiten häufig nur als AG durchgeführte, später auch als Schulfach eingeführte Unterrichtsangebot, dessen Wurzel – natürlich ausschließlich offline – im Erlernen und einfachen Anwenden von Programmiersprachen lag und das meist nur von „Freaks“ belegt wurde, solange es sich noch um ein freiwilliges oder ein Wahlangebot handelte.

Seit aber das Internet zum Standard wurde, seit die Webseiten und deren Inhalte exponentiell komplexer wurden, sich die sogenannten „sozialen Netzwerke“ etablierten, und seit sich schließlich auch der mobile Internetzugang in Form von Handys und Smartphones allgegenwärtig durchsetzte, hat sich das Bild gewandelt: Häufig drängt sich der Eindruck auf, dass nicht wenige Schülerinnen und Schüler manchen Lehrerinnen und Lehrern in Sachen technischer Medienkompetenz durchaus überlegen sind, zumindest bei der Bedienung des Smartphones. Schwieriger gestaltet sich die Lage allerdings bei der sozialen Medienkompetenz:

Wie nutze ich die digitalen Medien für mich sinnvoll und wie gelange ich effizient zu den benötigten Inhalten? Welche Folgewirkungen können meine Posts in den sozialen Medien haben? Wie erkenne ich Filterblasen und Echokammern und wie gehe ich damit um? Welche Downloads sind erlaubt, welche nicht? Welche Bilder sind geschützt, welche darf ich weiterverwenden? Wie schütze ich mich vor Viren, wie vor Abzocke, wie vor Online-Spielsucht,wie vor politischen Manipulations- und Rekrutierungsversuchen? Und, heute vielleicht am allerwichtigsten: Wie schütze ich meine persönlichen Daten vor Weiterverbreitung und missbräuchlicher Verwendung aller Art durch Dritte? Bundespräsident Steinmeier hat überdies unlängst die Definition einer "digitalen Ethik" angeregt.
Nach den rasanten technologischen Entwicklungen der vergangenen Jahre liegt es auf der Hand, dass den Schülerinnen und Schülern Antworten auf diese Fragen aufzuzeigen sind. Hinsichtlich der Vermittlung sowohl technischer als auch sozialer Medienkompetenz stellt sich heute nur noch die Frage nach dem „Was“ und dem „Wie“. Es geht um das Lernen mit Medien und über Medien. Zu entscheiden ist unter anderem, ob „Digitale Medienbildung“ ein eigenständiges Schulfach sein sollte oder ob es sich als Querschnittsthemenbereich quasi durch alle (oder einige der) schon bestehenden Unterrichtsfächer ziehen und dort jeweils einen Teilinhalt bilden sollte.

2. Einige bisherige Entwicklungen

In Thüringen gibt es schon seit 2002 einen fächerübergreifenden Kurs Medienkunde: bei Einführung zunächst nur in den Klassenstufen 5 bis 7, dann bis Klasse 10 und seit dem Schuljahr 2017/18 auch bereits ab der Grundschule. Nach Bekunden des Kultusministers hat sich dieser Kurs grundsätzlich bewährt.

Die Berliner Denkfabrik "Initiative D21" veröffentlichte im Jahr 2013 eine Bundesländer-Vergleichsstudie zur Nutzung digitaler Medien im schulischen Unterricht, deren Ergebnisse aufgrund des mittlerweile überholten Standes hier nicht im Detail darzustellen sind, aus denen sich aber ablesen ließ, dass die schulische Nutzung digitaler Medien bereits 2013 kontinuierlich zunahm. Als begrenzende Faktoren erwiesen sich vor allem die teils fehlende Hardware-Ausstattung von Schulen, der relative Mangel an fachlich geschulten Lehrern sowie mancherorts auch die geringe Geschwindigkeit und Belastbarkeit des Internetanschlusses.

Im Jahr 2016 erarbeitete und veröffentlichte die Kultusministerkonferenz (KMK) das Strategiepapier "Bildung in der digitalen Welt", an dem sich u.a. das Land Sachsen bis heute im Grundsatz orientiert. In dem Papier wird für das Erlernen von Medienkompetenz kein eigenes Fach vorgesehen, sondern es solle integrativer Bestandteil aller Fächer werden.

3. Die aktuelle Situation in Sachsen

Bereits heute ziehen sich medienkundliche Inhalte durch die Lehrpläne vieler Unterrichtsfächer verschiedener Schularten, insbesondere z.B. durch jene der Fächer Informatik sowie Gemeinschaftskunde (Oberschulen) bzw. G/R/W (Gymnasien).
Noch während der kurzen Amtszeit von Kultusminister Haubitz stellte das Sächsische Staatsministerium für Kultus dann im November 2017 die "Konzeption Medienbildung und Digitalisierung in der Schule“ vor. Sie stellt themenbezogen die aktuelle Position der Sächsischen Staatsregierung dar, wird also auch vom derzeitigen Kultusminister Piwarz mitgetragen. Die Konzeption orientiert sich u.a. an dem KMK-Papier "Bildung in der digitalen Welt" von 2016 und sieht digitale Medienbildung folglich ebenfalls als ein Querschnittthema vor, nicht aber als ein eigenständiges Schulfach. Diese Linie liegt zugleich im Einklang mit dem generellen Bestreben des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus (SMK), die Stundentafeln in den kommenden Jahren eher etwas abzuspecken statt weitere Pflichtstunden hinzuzufügen. Weitere Kernpunkte der 44-seitigen sächsischen Konzeption sind (zit. n. Sächsische Zeitung Online v. 18.11.2017):

• Alle Schulen sollen schnellstmöglich einen breitbandigen, ausbaufähigen und nicht beschränkten Internetanschluss bekommen. Jede Schule soll bedarfsgerecht mit Technik ausgestattet werden.
• Ist keine Ausstattung möglich, soll die pädagogische Internetnutzung auf privaten Geräten von Schülern möglich werden.
• Bis 2025 sollen alle Lehrer über eine auf das jeweilige Unterrichtsfach bezogene Medienbildung verfügen. Bis 2019 soll Medienbildung zudem bereits während des Lehramtsstudiums und des Referendariats vermittelt werden und prüfungsrelevant sein.

Einen zentralen Baustein der sächsischen Konzeption bildet ferner der aus der 2016er KMK-Vorlage für Sachsen adaptierte "Kompetenzrahmen", der die Zielperspektiven der digitalen Medienbildung umreißt und der zum Schuljahr 2019/2020 verbindlich in die sächsischen Lehrpläne aufgenommen wird. Der Kompetenzrahmen "Kompetenzen in der digitalen Welt" gliedert sich in die folgenden sechs Kompetenzbereiche (vgl. im einzelnen Abb. 1 unten):

1. Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren,
2. Kommunizieren und Kooperieren,
3. Produzieren und Präsentieren,
4. Schützen und sicher Agieren,
5. Problemlösen und Handel, und
6. Analysieren und Reflektieren.

Die sächsische Konzeption soll als Masterplan sowohl praktisch umsetzungsrelevant werden als auch ein politisches Zeichen setzen, dass die Staatsregierung die strategisch-inhaltlichen wie organisatorisch-infrastrukturellen Krisenzeichen der Zeit erkannt hat und nun rasch handelt. Natürlich entstand die Konzeption nicht plötzlich aus dem Nichts, sondern auf Basis verschiedener früherer Überlegungen außerhalb und innerhalb Sachsens: Neben "Bildung in der digitalen Welt" (KMK 2016) stellte der KMK-Beschluss „Medienbildung in der Schule“ (2012) eine weitere Orientierungsquelle der sächsischen Konzeption dar, ebenso auf Bundesebene der Bericht „Digitale Medien in der Bildung“ des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages sowie die Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft“ (jeweils 2016).
Sachsenspezifische Bezugsquellen bildeten die „Innovationsstrategie des Freistaates Sachsen“, die Digitalisierungsstrategie „Sachsen digital", der Abschlussbericht „Digitale Medienbildung im Freistaat Sachsen“ der AG Digitale Medienbildung des Landespräventionsrates Sachsen (2016), ferner die bereits älteren Berichte „Eckwerte zur Medienerziehung“ und „Eckwerte zur informatischen Bildung“ (jeweils Comenius-Institut 2004).

Links zum Nach- und Weiterlesen:

Konzeption „Medienbildung und Digitalisierung in der Schule“ (SMK, November 2017):
https://www.schule.sachsen.de/download/download_bildung/Konzeption_Medie...

darin v.a.:
Kompetenzrahmen "Kompetenzen in der digitalen Welt" (SMK, Oktober 2017):
https://www.schule.sachsen.de/download/download_bildung/Kompetenzrahmen_...

vgl. dazu auch:
Seite des SMK zur digitalen Medienbildung:
https://www.schule.sachsen.de/16093.htm

SMK-Blogbeitrag zur Konzeption „Medienbildung und Digitalisierung in der Schule“:
https://www.bildung.sachsen.de/blog/index.php/2017/11/18/masterplan-zur-...

Artikel in der Sächsischen Zeitung Online v. 18.11.2017: "Sachsen hat jetzt einen 'Masterplan' für Digitalisierung in der Schule.":
https://www.sz-online.de/sachsen/sachsen-hat-jetzt-einen-masterplan-fuer...

weitere Quellen

Lehrplandatenbank Sachsen, Portalzugang:
https://www.schule.sachsen.de/lpdb/

Abschlussbericht „Digitale Medienbildung im Freistaat Sachsen“ der AG Digitale Medienbildung des Landespräventionsrates Sachsen (2016):
http://www.lpr.sachsen.de/download/landespraeventionsrat/20170410_Berich...

Handlungskonzept "Bildung in der digitalen Welt" der Kultusministerkonferenz (2016):
https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/2016/Bildun...

Medienbildung an deutschen Schulen (Studie der "Initiative D21", 2014):
https://initiatived21.de/app/uploads/2017/01/141106_medienbildung_online...

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Deutschland ist ein digitales Entwicklungsland.

Hintergrundinformationen zur These „Deutschland ist ein digitales Entwicklungsland.“

Wie digital ist die Bundesrepublik 2018?

Wer auf das vergangene Jahr zurückblickt wird feststellen, dass viele Themen und Ereignisse, die die Menschen bewegten, auch immer starke digitale Aspekte hatten oder nicht selten sogar von diesen bestimmt wurden. Wir denken an immer erfolgreichere Bitcoins, an selbstfahrende Autos, an 10 Jahre iPhone, an einen twitternden US-Präsidenten, an #Metoo, an Amazons Start von smarten Lautsprechern und den Einstieg in den Lebensmittelhandel, an das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, an die Milliardenstrafe der EU-Kommission für Google, an den Facebook Datenskandal, an die Bundestagswahl, an Cyberangriffe auf Flughäfen, britische Krankenhäuser und die Deutsche Bahn. Das Internet ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Die Worte der Stunde lauten digitaler Wandel, digitale Transformation oder schlicht: Digitalisierung. Damit wird ein Prozess beschrieben, in dem durch die zunehmende Nutzung von vernetzten Geräten ein Wandel einsetzt, der beinahe alle Bereiche des Privatlebens und der Arbeitswelt verändert. Dies stellt nicht nur Politik und Wirtschaft, sondern auch die Gesellschaft vor ganz neue Herausforderungen. Wo steht Deutschland bei diesen Entwicklungen? Die deutsche Wirtschaft „brummt“. Das Bruttoinlandsprodukt steigt, Konsum- und Geschäftsklima-Indizes befinden sich auf Rekordniveaus. Bei genauerem Hinsehen scheint es aber, als bliebe den Deutschen vor allem die industrielle Sphäre überlassen. Wo man bei Technologien wie 3D-Druckern und Robotik Deutschland seine technologische Führung ausbaut, kommt die sogenannte Plattform-Ökonomie (Google, Apple, Facebook, Amazon etc.) fast gänzlich ohne deutsche Beteiligung aus. Es herrscht ein massiver Fachkräftemangel im IT-Bereich und darüber hinaus existieren große Vorbehalte gegenüber der digitalen Sphäre in der Bevölkerung und in der Politik. Innovationsführerschaft lässt sich nur schwer mit deutscher Datensparsamkeit und Datenschutz vereinbaren. Ist Deutschland 2018 also ein digitales Entwicklungsland? Oder ist es digitaler als sein Ruf?

Da die Digitalisierung längst alle Lebens-, Wirtschafts- und Administrationsbereiche erfasst hat, ist es nicht möglich hier ein umfassendes Lagebild des digitalen Deutschlands im Jahr 2018 zu zeichnen. Anhand der Themen Infrastruktur, des Digitalen Arbeitens, der Internetnutzung, der Kompetenzen der Bundesbürger und der öffentlichen Verwaltung soll jedoch ein kleiner Einblick in den aktuellen Stand vermittelt werden. Für weitere Details sei deshalb insbesondere an die zitierten Studien der Europäischen Kommission, des Fraunhofer Instituts und der D21, sowie unsere Literaturliste zum Thema verwiesen.

Allgemeines

Für einen ersten Eindruck eignet sich der sogenannte Digitalisierungsindikator im Innovationsindikator des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung. In diesen fließen Daten aus den Bereichen Forschung/Technologie, Wirtschaft, Gesellschaft, Infrastruktur, Bildung und Geschäftsmodelle. Im Allgemeinen kommt dieser Vergleich zu dem Ergebnis, dass Deutschland weit weg von der Spitzengruppe und für die großen Chancen der Digitalisierung in vielen Bereichen noch nicht gut genug aufgestellt ist. Deutschland liegt weltweit derzeit nur im Mittelfeld auf dem 17. Rang:


(Bildquelle: Innovationsindikator, Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung)

Auch der Bericht über den Stand der Digitalisierung in Europa 2017 (Europe´s Digital Progress Report) der Europäischen Kommission offenbart ungenutzte Potenziale. Deutschland nimmt dort den 11. Platz unter den 28. EU-Mitgliedstaaten ein. Auch hätte es im Vergleich zum Vorjahr 2016 nur geringe Fortschritte gegeben:



(Bildquelle: Europäische Kommission: Bericht über den Stand der Digitalisierung in Europa 2017/Europe´s Digital Progress Report)

Aber was heißt das genau? Woran liegt es, dass Deutschland hier sich nicht in der Spitzengruppe behaupten kann? Der größte Handlungsbedarf laut beider Untersuchungen vor allem in den Bereichen Infrastruktur und öffentliche Verwaltung. Aber auch andere Bereiche sollte man nicht aus den Augen lassen.

Zugang und Infrastruktur

Eine Grundvoraussetzung dafür, alle Chancen der Digitalisierung nutzen zu können, ist das Vorhandensein von leistungsfähigen Übertragungsnetzen.
Entsprechend ist der sogenannte Breitbandausbau häufig das erste Thema, wenn man über Digitalisierung in Deutschland spricht. Denn hier liegt Deutschland im internationalen Vergleich immer noch deutlich zurück.

Insbesondere im Bereich der als zukunftssicher geltenden Glasfasernetze herrscht großer Nachholbedarf. Aktuell greifen nur ca. 7% der bereitgestellten schnellen Internetzugänge auf Glasfasertechnik zurück, was gerade einmal 2,7 Millionen Anschlüssen entspricht. Auf dem Land sind es sogar nur 1,4%. Zum Vergleich: in Estland sind 73% und in Schweden 56% aller Zugänge glasfaserbasiert. Bei Glasfaseranschlüssen befindet sich Deutschland in der Gruppe der am schlechtesten versorgten Länder in Europa, auf Platz 28 von 32:


(Bildquelle: Innovationsindikator, Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung)

Ein Großteil der Verbindungen, die Geschwindigkeiten bis zu 50 Mbit/s ermöglichen, nutzt das sogenannte Vectoring der Deutschen Telekom. Dieses Verfahren nutzt die herkömmlichen Kupferkabelnetze. Mithilfe dieses Verfahrens wurde in den letzten Jahres zwar einiges erreicht, aber viele Experten kritisieren, dass es sich hierbei um eine überholte Technologie handelt. So ließen sich selten viel mehr als 100 Mbit/s lässt sich aus den meisten Kupferkabelnetzen herausholen, da es auch immer noch von der Länge des Kabels bis zum nächsten Anschlusskasten abhängt, wie schnell die Daten tatsächlich bei uns Endkunden ankommen. Im mittleren bis unteren Bereich von 30 Mbit/s sind die ländlichen Gebiete in Deutschland mit nur 36,4% Verbreitung besonders stark abgehängt. Nach aktuellen Zahlen der Europäischen Kommission liegt der Breitbandausbau in Deutschland bei nur 81,4 %:


(Bildquelle: Innovationsindikator, Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung)

Digitales Arbeiten

Digitalisierung verändert auch das Arbeiten im Dienstleistungssektor. Auch der Arbeitsalltag vieler Menschen wird zunehmend digitaler. Das heißt, immer mehr Arbeitsabläufe laufen im Internet ab. Das führt zu einem tiefgreifenden strukturellen Wandel. Noch sind es vor allem Jobs aus der Digitalbranche, die ihren Mitarbeitern solche Modelle anbieten. Aber es ist abzusehen, dass künftig sehr viel mehr Arbeitgeber auf digitale Beschäftigungsmodelle zurückgreifen werden.

Digitales Arbeiten ermöglicht:
• Orts- und zeitunabhängiges Arbeiten
• Flexibles Arbeiten
• Dezentrales Arbeiten und der Wegfall von Präsenzzeiten im Büro
• Outsourcing von Spezialaufgaben

Arbeiten im Park oder vom Café aus? Klingt auf den ersten Blick interessant. Die Nachteile einer solchen Entwicklung sind ein starker Druck zur ständigen digitalen Erreichbarkeit, neue Hürden in der Kommunikation durch Zerstreuung von Teams.

Laut Digital-Index 2017/2018 der Initiative D21 nutzen derzeit trotz zunehmender Verbreitung von digitalen, tragbaren Arbeitsmitteln nur etwa ein Sechstel aller Arbeitnehmer in Deutschland die Möglichkeit unterwegs oder flexibel von zu Hause aus zu arbeiten. Über die Hälfte der Befragten (56%) gaben an, dass Homeoffice in ihrem Beruf nicht möglich sei, 26% geben fehlende Möglichkeiten im Unternehmen als Gründe an. Rund die Hälfte der Berufstätigen bekommt einen Laptop vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt.



Internetnutzung der Bundesbürger

Der Anteil der Internetnutzer hat sich in Deutschland von 6,5% im Jahr 1997 auf 62,7% im Jahr 2007, bis auf 89,3% im Jahr 2017 vergrößert. Innerhalb von 20 Jahren ist damit fast jeder Bundesbürger online gegangen. Die noch verbliebende Lücke wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten zehn Jahren auch noch schließen.





Das Internet hat im Vergleich zu anderen das Fernsehen mittlerweile beinahe eingeholt:





Die durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer des Internets in Deutschland betrug im Jahr 2017 149 Minuten. Dieser Wert hat sich in den letzten zehn Jahren beinahe verdreifacht.




Im Durchschnitt werden in Deutschland pro Person mehr als zwei internetfähige Endgeräte genutzt. Mit 70% Verbreitung ist das Smartphone dabei das bevorzugte Gerät der Deutschen um das Internet nutzen, gefolgt vom Notebook (62%), Desktop-PC (47%) und Tablet (36%).

Die Deutschen nutzen das Internet am häufigsten um:

• In Suchmaschinen nach Informationen zu suchen (74%)
• Online-Videos anzusehen (45%)
• Zu navigieren (38%)
• Instant-Messaging-Dienste zu nutzen (37%)
• Einzukaufen (36%)
• Zu bezahlen (30%)
• Computerspiele zu spielen (27%)
• Dienstleistungen zu beziehen (Reisen, Liefersevice etc.) (22%)

90% der Bundesbürger nutzen soziale Medien. In der Altersgruppe 14-19 Jahre sind es sogar 100%.





Kompetenzen

Wie die stark verbreitete Nutzung des Internets in Deutschland vermuten lässt, kommt die Europäische Kommission zum Ergebnis, dass die deutsche Bevölkerung vergleichsweise hohe digitale Kompetenzen besitzt. Aber auch hier kommt negativ zum Tragen, dass viele Schulen noch keinen Breitbandanschluss besitzen. Die Vertrautheit mit digitalen Fachbegriffen wie Cookies, Cloud, KI, Algorithmus, VR, Big Data oder E-Health steigt mit zunehmender Bildung, höherem Einkommen und dem jüngeren Alter, ist aber allgemein als gering zu bewerten. Dies erschwert für viele eine Teilnahme am öffentlichen Diskurs zum Thema Digitalisierung, denn die Fachbegriffe werden von Medien und Politik selbstverständlich verwendet, aber nur selten genauer erklärt. Generell lässt sich aber sagen, dass die Internetkompetenzen stetig ansteigen. Über 70% der Deutschen trauen sich Internetrecherchen zu, 56% führen Online-Banküberweisungen durch und 45% verbreiten Inhalte auf sozialen Netzwerken. Lediglich in der Generation 50+ zeigt sich, dass beinahe alle Fähigkeiten ab diesem Alter deutlich abnehmen.
Gleichzeitig sind die Deutschen besonders vorsichtig im Netz. Auffällig ist, dass fast zwei Drittel der Deutschen sehr sparsam mit ihren persönlichen Daten umgehen. Genauso viele wissen, dass Internet-Dienste und Apps persönliche Daten an Firmen weitergeben. Gleichzeitig wechseln aber nu 31% regelmäßig ihre Passwörter.

Verbreitung digitaler öffentlicher Dienste

Der im Bereich Digitalisierung am schwächsten abschneidende Bereich in Deutschland ist die öffentliche Verwaltung. Die Europäische Kommission kam zum Ergebnis, dass es hier seit 2015 so gut wie keine Fortschritte gab. Deutschland gehört demnach zu den Ländern, wo es am wenigsten Online-Interaktion zwischen Behörden und Bürgern gibt. Lediglich 19% der Bundesbürger macht regelmäßig Gebrauch von digitalen Verwaltungsdienstleistungen. Ein Hemmnis im Aufbau einer kohärenten und flächendeckenden digitalen Verwaltung sei dabei die föderale Struktur der Bundesrepublik. Hier existieren auf Länderebene unterschiedliche Systeme, die untereinander nicht kompatibel sind. Außerdem herrscht zum Teil große Ahnungslosigkeit der Bürger, was es denn überhaupt für elektronische Verwaltungsdienste gibt.

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