Nur radikaler Verzicht verhindert die Klimakatastrophe

Weltklimakonferenz in Paris – die Zähmung des Klimawandels

Am 12. Dezember 2015 verabschiedeten 196 Staaten auf der UN-Weltklimakonferenz in Paris ein Abkommen, welches bis heute als zentrale Zielvereinbarung zur Bekämpfung des Klimawandels gelten kann. Während Syrien und Nicaragua dem Abkommen nach Abschluss noch beigetreten sind, stellt die USA mit dem Austritt durch Präsident Trump den einzigen Staat weltweit dar, welcher sich nicht auf die Ziele der Weltklimakonferenz festgelegt hat. Nach diesen Zielen soll die maximale durch den Menschen verursachte Erderwärmung bei „deutlich“ unter 2 °C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit (gemeint ist das Jahr 1750) liegen. Aber auch die Messzahl von 1,5 °C taucht im Abkommen auf: Sie soll „möglichst“ eingehalten werden. Die Aufgabe der Staaten besteht nun darin, ihre CO2-Emissionen vor Ort so zu senken, dass diese Marke global nicht überschritten wird.

Vollständiger Text des Übereinkommens von Paris in deutscher Sprache.

Sonderbericht des IPCC – die Zeit drängt

Am 08. Oktober 2018 stellte der Weltklimarat (IPCC) den „Sonderbericht 1,5 °C globale Erwärmung (SR1.5)“ vor. Beim IPCC („Intergovernmental Panel on Climate Change“) handelt es sich um ein zwischenstaatliches Gremium, welches vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen gebildet wurde. 195 Staaten sind dem IPCC offiziell beigetreten, über hundert Organisation beobachten die Arbeit des IPCC. Es handelt sich dabei also um ein Gremium, an dem weltweit mehrere Tausend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligt sind und welches mit dem Auftrag betraut ist, den Klimawandel und in diesem Zusammenhang die Rolle des Menschen zu untersuchen, zu dokumentieren und Prognosen aufzustellen.

Im „Sonderbericht 1,5 °C globale Erwärmung“ stellt der IPCC Prognosen auf Basis zahlreicher Simulationen vor, wie es um die Einhaltung dieser Ziele steht und welche unterschiedlichen Auswirkungen die Erwärmung um 1,5 °C oder 2 °C vor Ort hätten. Demnach beträgt die menschengemachte Erderwärmung im Vergleich zum Jahr 1750 derzeit etwa 1 °C, der Wert von 1,5 °C wäre je nach Simulation zwischen 2030 und 2052 erreicht, wenn die Emissionen im derzeitigen Maßstab fortgesetzt würden. Sollte es der Menschheit gelingen, das Ziel von 1,5 °C einzuhalten, wären die Risiken sehr viel besser einzuschätzen: Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit würden die Meeresspiegel deutlich weniger ansteigen, Extremwetterphänomene wie starke Regenfälle oder anhaltende Dürreperioden wären seltener und weniger stark ausgeprägt, die Artenvielfalt wäre in sehr viel geringerem Maße bedroht.

Zusammenfassung des IPCC des Sonderberichts 1,5 °C in deutscher Sprache.

Kompletter Bericht in englischer Sprache (offizielle Übersetzung liegt erst im Dezember vor).

Kipppunkte der Erde

Viele Klimaforscher halten das 2-Grad-Ziel aber auch deshalb für zu wenig ehrgeizig, weil bei einer solchen Erwärmung mit hoher Wahrscheinlichkeit sogenannte „Kipppunkte“ erreicht werden, welche eine Kette von sich gegenseitig beschleunigenden und nicht mehr rückgängig zu machenden Mechanismen freisetzen. So würden bei etwa 2 °C Erwärmung im Vergleich zum Jahr 1750 fast alle Gletscher sowie arktische Eisflächen komplett abgeschmolzen sein. Dadurch wird weniger Sonneneinstrahlung reflektiert, der Erdboden erwärmt sich weltweit deutlich schneller als zuvor. Dort finden sich jedoch große Mengen an Methangas, welches z.B. durch natürliche Verwesungsprozesse entsteht: Sowohl im Meeresboden als auch in den normalerweise durchgängig gefrorenen Permafrostböden bildete sich über Jahrtausende ein großer Speicher, welcher im Tauprozess freigesetzt würde. Dieses Gas übertrifft die Klimaschädlichkeit von CO2 um das 21-fache. Darüber hinaus werden die verschiedenen Zirkulationsbewegungen innerhalb der Ozeane stark von der globalen Temperatur sowie der durch die schmelzenden Eismassen steigenden Süßwassermenge beeinflusst. Werden diese in ihrem Ablauf gestört oder kommen gar ganz zum Erliegen, hätte auch das eine weitere Erwärmung der Weltmeere zur Folge. Die beschriebenen Effekte bedrohen weltweit Waldbestände, welche durch veränderte Temperaturen, langanhaltende Dürreperioden sowie Abholzung bereits heute zurückgehen. Diese Bestände, insbesondere der Amazonas-Regenwald in Südamerika, sind jedoch maßgeblich dafür verantwortlich, dass klimarelevante Gase aus der Atmosphäre entfernt werden können und sorgen somit für eine negative Klimabilanz: Der natürliche Stoffwechsel von Pflanzen ist die mit Abstand wichtigste der derzeit wenigen technisch bekannten Möglichkeiten, den Ausstoß von Klimagasen rückgängig zu machen.

Ausführliche Erläuterung zum Thema Kipppunkte des Umweltbundesamtes.

Frei Verfügbarer Artikel zu Kipppunkten in der Fachzeitschrift „Regional Environmental Change“ (Englisch).

Wie viel geht noch?

Die Frage, wie das Zwei-Grad-Ziel noch erreicht werden kann, lässt sich vereinfacht so ausdrücken: Jede Tonne an klimaschädlichen Gasen, die in die Atmosphäre dringt, erhöht die durchschnittliche Temperatur um einen gewissen Betrag. Bis zum Erreichen von 2 °C Erwärmung bleibt also eine bestimmte Menge an klimarelevanten Gasen, die noch ausgestoßen werden kann. Je länger also auf dem jetzigen Niveau verbraucht wird, desto radikaler müsste der Umstieg zum Zeitpunkt der Umstellung sein. Je früher die Staaten hingegen beginnen, CO2-Emissionen zu reduzieren, desto großzügiger lässt sich die Verminderung gestalten. Das Ziel, welches technologisch auch möglich wäre, ist in diesen Verbrauchsszenarien der Zustand der „Null-Emission“. Das bedeutet nicht, dass keine klimarelevanten Gase mehr in die Atmosphäre dringen – das lässt sich nicht komplett verhindern. Vielmehr wäre Nullemission der Zustand, in dem die natürlichen Regenerationskräfte der Erde mit den vom Menschen verursachten Emissionen mithalten können.

Ausführliche Erklärung des verbleibenden CO2-Budgets durch den Klimaforscher Stefan Rahmstorf.

„CO2-Uhr“ des Mercator Research Institute for Global Commons and  Climate Change in Berlin.

Augen zu – Deiche hoch?

Seit wenigen Jahren stagniert die weltweite CO2-Emission zwar, für das Jahr 2018 prognostiziert die Internationale Energiebehörde IEA jedoch wieder einen leichten Anstieg. Eine Trendwende, geschweige denn eine substanzielle Verringerung des weltweiten Ausstoßes von klimaschädlichen Gasen, ist also derzeit nicht in Sicht. Stattdessen rückt vermehrt das Thema der Anpassung an den Klimawandel in den Fokus. Maßnahmen umfassen hier, unter vielen anderen, Deichbau zur Kompensierung des höheren Meeresspiegels, Impfung gegen neuartige Stechmücken oder landwirtschaftliche Innovationen zur Sicherung der Ernte bei langanhaltenden Hitzeperioden. Jedoch sind gerade die Länder, welche weltweit weniger CO2 ausstoßen, oft weniger in der Lage, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen, da ihnen technische und finanzielle Möglichkeiten fehlen. Gerade auf der südlichen Erdhalbkugel werden so mittelfristig ganze Regionen überspült oder aufgrund von Wüstenbildung für Menschen unbewohnbar werden. Die Folge ist jetzt bereits prognostizierbar: Die weltweite Migration in den globalen Norden wird ansteigen.

Mehr zum Thema Klimawandel und Migration bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

„Klimawandel in Sachsen – wir passen uns an!“ Strategie des Freistaates Sachsen.

Ausführlicher Bericht zur Anpassung an den Klimawandel aus städtebaulicher und raumplanerischer Sicht, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

Überblick des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit zum Thema der Anpassung an den Klimawandel.

Liegt die Verantwortung beim Staat oder bei jedem Einzelnen?

Politisch umstritten ist die Frage, inwieweit der Staat zur Bekämpfung des Klimawandels in das Privatleben und Konsumverhalten der Menschen eingreifen soll und darf. Aus Sicht einer marktliberalen Politik lässt sich im CO2-Ausstoß einer Volkswirtschaft auch die Bereitschaft der Bevölkerung ablesen, ihre Lebensbedingungen einzuschränken. So existiert ein „grüner“ Markt für Produkte, deren Fertigung wie Vertrieb klimafreundlichen Standards entspricht und den Menschen steht es frei, solche Produkte zu erwerben. Befürworter einer starken staatlichen Regulierung argumentieren dagegen jedoch, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen und der Staat vermehrt mit Grenzwerten, Verboten oder Steuern in Industrie und Verbrauchermarkt eingreifen sollte.

Mehr zum Thema Verantwortlichkeit von Staat und Markt in Bezug auf den Klimawandel.

Weiterführende Literatur:

Brasseur, Guy; Jacob, Daniela et al.: Klimawandel in Deutschland: Entwicklung, Folgen, Risiken und Perspektiven. Berlin, 2017.

Ionesco, Dina; Mokhnacheva, Daria et al.: Atlas der Umweltmigration. München, 2017.

Lesch, Harald: Wenn nicht jetzt, wann dann? Handeln für eine Welt, in der wir leben wollen. München, 2018.

Sommer, Jörg; Müller, Michael: Unter 2 Grad? Was der Weltklimavertrag wirklich bringt. Stuttgart, 2016.

Sturm, Bodo; Vogt, Carla: Umweltökonomik. Eine anwendungsorientierte Einführung. Berlin, 2018.

138 Meinungen 65 Kommentare

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Gast stimmt der These Nur radikaler Verzicht verhindert die Klimakatastrophe nicht zu

Radikal nein, aber ein sinnvollerer Umgang mit allen Resourcen wäre angebracht.

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14.12.2018

Gast stimmt der These Nur radikaler Verzicht verhindert die Klimakatastrophe nicht zu

Nur technologische Entwicklung, Innovation und attraktive neue Produkte und Dienstleistungen werden die Menschen überzeugen. Nicht Zwang und Verzicht.

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14.12.2018

Gast stimmt der These Nur radikaler Verzicht verhindert die Klimakatastrophe nicht zu

Deutschland spielt Global keinerlei Rolle!

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14.12.2018

Gast stimmt der These Nur radikaler Verzicht verhindert die Klimakatastrophe nicht zu

Klimakatastrophe ist totaler Unsinn.

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14.12.2018

Gast stimmt der These Nur radikaler Verzicht verhindert die Klimakatastrophe nicht zu

weil ich das nicht glaube

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14.12.2018

Gast stimmt der These Nur radikaler Verzicht verhindert die Klimakatastrophe nicht zu

Was ist, wenn die These der kleinen Eiszeit und deren jetziges Ende wahr ist? Was bringt der Verzicht, außer übereiltes handeln mit Spätfolgen? Gebt den Nationen Zeit um wirtschaftlich und gesellschaftlich neu (anders) wachsen zu können.

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14.12.2018

Gast stimmt der These Nur radikaler Verzicht verhindert die Klimakatastrophe nicht zu

Es gibt viele intelligente Optimierungsmöglichkeiten, die zu Energieeinsparungen führen würden. Diese sollte man zuerst vollständig ausschöpfen, bevor man sich mit rein schwarz-weiß-gedachten Abschaltszenarien selbst kasteit.

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14.12.2018

Gast stimmt der These Nur radikaler Verzicht verhindert die Klimakatastrophe nicht zu

Abruptes Handeln ist unvorteilhaft für die Wirtschaft und alle Arbeitsplätze.

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14.12.2018

Gast stimmt der These Nur radikaler Verzicht verhindert die Klimakatastrophe nicht zu

Radikal ist nie gut! Das Zauberwort heißt moderat.

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14.12.2018

Gast stimmt der These Nur radikaler Verzicht verhindert die Klimakatastrophe nicht zu

Das CO2, auf das dieser radikale Verzicht steuert, ist nicht die alleinige Ursache der Klimaerwärmung.

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14.12.2018

Gast stimmt der These Nur radikaler Verzicht verhindert die Klimakatastrophe nicht zu

CO2 hat nicht den Einfluss auf unser Klima wie uns erzählt wird. Es gab Erdzeitalter mit einem VIELFACHEN des heutigen CO2-Anteils.

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14.12.2018

Gast stimmt der These Nur radikaler Verzicht verhindert die Klimakatastrophe nicht zu

Es gibt keine Klimakatastrophe, höchstens einen Klimawandel.

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14.12.2018

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