Soziale Medien spalten die Gesellschaft.

Was versteht man unter Medien?

Der Begriff „Medien“ (lat. „medium“: Mittel) bezeichnet im weiteren Sinne Mittel, welche zum Erreichen eines Zweckes eingesetzt werden. Im engeren Sinne und alltäglich wird der Begriff meistens im Bereich der Kommunikation benutzt. Hier ist ein Medium das Mittel oder der Kanal, um eine Information von Sender zu Empfänger zu transportieren. Umgangssprachlich werden als „Medien“ meist Sendeanstalten des Fernsehens, Rundfunks oder Verlagshäuser der Presse verstanden.

Ob soziale Netzwerke und Informationsangebote des Web 2.0 - also durch (anonyme) Nutzer generierte Inhalte wie z.B. Blogs - unter dem Begriff „soziale Medien“ als Teil des Mediensystems angesehen werden können, ist umstritten. Zwar decken immer mehr Menschen ihren Informationsbedarf über soziale Netzwerke, allerdings dienen diese meistens zur Verbreitung von nach wie vor journalistisch erarbeiteten Inhalten. Gleichzeitig vermischen sich im Bereich des Web 2.0 private Eindrücke mit journalistischer Berichterstattung, eine professionelle Kontrolle findet in der Regel nicht statt.

 

Soziale Medien als wachsendes Forum

Soziale Medien oder auch Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Youtube spielen in der Kommunikation zwischen Menschen eine immer herausragendere Rolle. Gerade bei aktuellen Ereignissen reagieren die Sozialen Netzwerke schnell, unmittelbar und deutlich. Oft jedoch auch emotional, irrational und vollkommen befreit von Werten, Moral und Anstand. Auch in Sachsen ist diese Entwicklung spürbar.

Das soziale Netzwerk Facebook verzeichnete in Deutschland zu Beginn des Jahres 2017 zwischen 24 bis 28 Millionen „monthly active user“. Weltweit sind 1,8 Milliarden Menschen in diesem Netzwerk vernetzt. Der Kurznachrichtendienst Twitter erreicht laut verschiedenen Aussagen knapp eine Million aktive Nutzerinnen und Nutzer. Jedoch stieg nicht zuletzt durch twitternde Präsidenten oder durch häufige Zitierung in Presseberichterstattungen die Aufmerksamkeit für dieses Netzwerk. Setzt man in diesen Netzwerken eine Nachrichten, einen Tweet oder Post ab, erreicht man ohne große Hürden Tausende Menschen.

 

Macht oder Ohnmacht?: Soziale Medien und Demokratie

Als bisherigen Höhepunkt von Sozialen Medien hinsichtlich demokratischer Partizipation - zumindest auf internationaler Ebene - kann man die Ereignisse rund um den Arabischen Frühling sehen. Über Twitter und Facebook organisierten sich Demonstranten und verbreiteten Informationen in einer Lage großer Unsicherheit und Unruhen. Viele Beobachter der damaligen Situation resümierten, dass gerade durch die Nutzung der Sozialen Netzwerke das Aufflammen und der Erfolg der revolutionären Bewegungen erst möglich waren. Auch wenn zu diesem Punkt Kontroversität besteht, ist klar, dass gerade für den Zusammenschluss Gleichgesinnter und zum zeitnahen und kurzweiligen Austausch von Informationen soziale Netzwerke eine herausragende Rolle spielten und künftig spielen werden. Doch welche Auswirkungen haben Soziale Netzwerke in Deutschland? Sind sie ein Hort direkter Demokratie und Mitbestimmung oder eine Kammer veränderter Realitäten, die gefährlich für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft sind?

Mit dem Aufkommen von Sozialen Netzwerken und ihrer steigenden Popularität stiegen auch die Hoffnungen für politische Partizipationsprozesse, die aber jäh enttäuscht wurden. Beispielsweise hoffte man, dass über Soziale Netzwerke Nichtwähler stärker erreicht würden. Doch empirische Studien zeigen, dass „das Netz keine durchschlagende Wirkung auf das (politische) Verhalten der Bevölkerung insgesamt hat.“ Das Gegenteil ist der Fall. Diejenigen, die ohnehin schon wenig Interesse an Politik haben, meiden sie auch im Netz. Die anfängliche Euphorie wich einer steten Ernüchterung. Auch wurde die Hoffnung, dass durch soziale Netzwerke die politische Partizipation und demokratische Beteiligung gesteigert werden kann, gedämpft. Auch hier ist eher das Gegenteil der Fall. Nutzerinnen und Nutzer, die sich stark in den sozialen Netzwerken engagieren und entsprechend oft kommentieren und liken, sind nicht automatisch aktiv partizipierende Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit. Viel eher lassen sich manchmal stark an Schizophrenie erinnernde Handlungsmuster erkennen. Im Buch des Dresdner Politikwissenschaftler Prof. Dr. Werner J. Patzelt „Pegida Warnsignale aus Dresden“ wird nicht grundlos zwischen „Facebook-Pegida“ und „Straßen-Pegida“ getrennt.

 

Echokammern, Filterblasen, Komfortzonen: Politische Kommunikation in einer schwer überschaubaren Umgebung

Neben den bisher eher ernüchternden Erkenntnissen hinsichtlich der politischen Kommunikations- und Partizipationsmöglichkeiten in den sozialen Netzwerken ist eine Entwicklung positiv zu betonen: Menschen vernetzen sich: regional, national, international, transkontinental. Zwar vernetzten sich Menschen bereits in der Vergangenheit beim Einkaufen oder beim Besuch von Märkten oder Innenstädten. Doch gelang es nicht so spezifisch, wie es über Soziale Netzwerke gelingt. Nimmt man beispielsweise das etwas jüngere Netzwerk: „nebenan.de“. Dort vernetzen sich allen voran Nachbarn eines Stadtteils und lernen so oft Menschen kennen, die sie zwar oft gegrüßt aber nie angesprochen haben. Gerade in urbanen Regionen kann eine solche vernetzte Rückbesinnung auf den eigenen Stadtteil von Vorteil sein.

Doch hat diese Art der schnellen und unkomplizierten Vernetzung auch Schattenseiten. Sogenannte Echokammern beschreiben das Phänomen, dass Menschen gleicher Werte- und Normvorstellungen sich in hermetisch abgeschotteten Gruppen zusammenfinden. Solche Echokammern findet man in allen politischen Milieus und sie führen dazu, dass Menschen in verhärteten Denkmuster verharren und Kontroversität selten erfahren, weil konkurrierende Gruppen entweder dezidiert ausgeschlossen oder gar zu Feindbildern erklärt werden. Große Echokammereffekte findet man rund um die Pegida-Bewegung. Oft lassen sich die inhaltlichen Schwerpunkte dieser Echokammern verkürzt wie folgt zusammenfassen: Geflüchtete sind kriminell. Presse und Medien lügen. Angela Merkel trägt für alle Missstände die Verantwortung. Und wenn man Missstände anspricht („Das wird man wohl noch sagen dürfen!“), gilt man als schlechter Mensch.

Die Abgrenzung der Eigengruppe (Wir sind die stille Mehrheit und „das Volk“) von einer Fremdgruppe („die da oben“, „versiffte Eliten“ „Volksverräter“ oder „Lügenpresse“) lässt sich gerade in dieser Echokammer exemplarisch darstellen. Schaut man sich dann die am häufigsten verlinkten Seiten auf Pegida-Fanseiten an, wird man häufig Seiten finden, die Befürchtungen und Ängste der Eigengruppe fördern und Fremdgruppen auch unter die Zuhilfenahme von sogenannten „Fake-News“ diffamieren. In Summe verstärken diese Echokammereffekte die Spaltung der Gesellschaft.

 

Quellen und Literaturempfehlung zum Thema

  • Werner J. Patzelt / Joachim Klose, “PEGIDA. Warnsignale aus Dresden” Dresden, Thelem [2016]
  • Krüger, Uwe, “Mainstream: warum wir den Medien nicht mehr trauen”, München Verlag C.H. Beck [2016]
  • Proceedings of the National Academy of Sciences, Michela Del Vicario, Alessandro Bessi “The spreading of misinformation online”, 2015, http://www.pnas.org/content/113/3/554.full.pdf, aufgerufen am 28.02,2017
  • Eli Pariser, “The Filter Bubble: “What the Internet Is Hiding from You.” Penguin Press, New York, 2011
  • Lynn Parramore, “The Filter Bubble”. The Atlantic, 2010, http://theatln.tc/2kE8a4p, aufgerufen am: 28.02.2017
  • David Gebhard / Florian Neuhann, „Hans Mayers Ausflug an den rechten Rand“, Heute.de, 2017, http://bit.ly/2meuZbh, aufgerufen am: 28.02.2017
  • Sabine Sasse, “Ist Youtube das neue Fernsehen?”, Der Tagesspiegel, http://bit.ly/2mernGa; aufgerufen am: 28.02.2017
  • Christian Stöcker, “Radikal dank Facebook”, Spiegel Online, 2016, http://bit.ly/1OJtJGo, aufgerufen am: 28.02.2017
  • Christian Buggisch, „Social Media und Messenger – Nutzerzahlen in Deutschland 2017“, 2017, http://bit.ly/2hJOrxf, aufgerufen am 28.02.2017
  • Anna Sauerbrey, „Die macht der sozialen Netzwerke: In der Ausnüchterungsphase“, Der Tagesspiegel, 2015, http://bit.ly/2lbJ9Oi, aufgerufen am 28.02.2017

46 Meinungen 32 Kommentare

Gast stimmt der These Soziale Medien spalten die Gesellschaft. zu

Es wird nur in eine Richtung geschrieben

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23.03.2017 1 Kommentar

Gast positioniert sich zur These Soziale Medien spalten die Gesellschaft. neutral

Letztlich stehen die Nutzer in der Verantwortung. Bedenkenswert ist allerdings der Einfluss durch Algorithmen vorselektierter Inhalte, die eventuell eher bestehende Sichtweisen zementieren, weil man mit anderen Argumenten kaum noch konfrontiert wird.

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22.03.2017

Gast stimmt der These Soziale Medien spalten die Gesellschaft. nicht zu

Soziale Medien sind Medien wie jede anderen auch. Es ist prinzipiell egal, ob man am Stammtisch sitzt und diskutiert oder beim Wochenmarkt auf dem Marktplatz oder eben im Netz.

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22.03.2017

Gast stimmt der These Soziale Medien spalten die Gesellschaft. zu

Man kann schon den Unterschied und die Abspaltung zwischen Online-Leben und realem Leben sehen und erkennen

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22.03.2017 1 Kommentar

Gast positioniert sich zur These Soziale Medien spalten die Gesellschaft. neutral

Soziale Medien unterstützen nur die ohnehin schon vorhandenen Konfliktkonstellationen.

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21.03.2017 1 Kommentar

Gast stimmt der These Soziale Medien spalten die Gesellschaft. nicht zu

Falls sie die Gesellschaft spalteten, dann würden die dort vertretenen eher randständigen Meinungen die "normalen" Nutzer radikalisieren. Das glaube ich nicht.

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20.03.2017 1 Kommentar

Klugscheißer12 stimmt der These Soziale Medien spalten die Gesellschaft. nicht zu

Natürlich fällt es in sozialen Medien leichter, sich nur noch mit Gleichgesinnten zu umgeben. Allerdings sind sie nicht die Ursache des Problems. Dieses hat viel komplexere Ursachen.

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20.03.2017 4 Kommentare

Gast positioniert sich zur These Soziale Medien spalten die Gesellschaft. neutral

Soziale Medien geben Nutzern einen dehnbaren Raum, der vor dem digitalen Zeitalter nur im direkten Umfeld existierte. Somit können Meinungen (selbstverständlich auch extreme) neue Reichweiten entwickeln und Gleichgesinnte sich vernetzen.

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20.03.2017 1 Kommentar

Frank-DD stimmt der These Soziale Medien spalten die Gesellschaft. nicht zu

Nein, wieso denn? Auf soz. Netzwerken kann man Meinungen austauschen und muss bei Kritik seine Meinung begründen können. Man wird dadurch also ggf. dazu gezwungen, seine Meinung zu überdenken, um sie besser begründen zu können.

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20.03.2017

Gast stimmt der These Soziale Medien spalten die Gesellschaft. nicht zu

Nein. Politiker spalten die Gesellschaft, Gierige Wirtschaftsbosse spalten die Gesellschaft oder der Herr Justizminister, der Redeverbote erteilen will, spaltet die Gesellschaft.

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20.03.2017 2 Kommentare

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