Toleranz-Quiz

Wie fit sind Sie in Sachen Toleranz? --- Testen Sie sich selbst und beantworten Sie die folgenden sieben Fragen!
Tipp: Einige Antworten ergeben sich aus den Hintergrundinformationen zu unseren Thesen.

Der Islam gehört zu Deutschland.

Toleranz
Toleranz kommt vom lateinischen Wort tolerare, was erdulden und ertragen bedeutet. Jemand, der tolerant ist, duldet und achtet andere Personen oder Gruppen auf der Grundlage eigener Wertvorstellungen. Ein toleranter Mensch lässt andere gelten und gewähren, obwohl er mit deren Denken oder Handeln selbst nicht einverstanden ist.
Toleranz ist damit zu unterscheiden von Akzeptanz, die deutlich weiter geht: Akzeptanz umfasst auch eine Zustimmung zu anderen Ansichten und Verhaltensweisen.

Zu unterscheiden ist zwischen unbedingter (grenzenloser) Toleranz und bedingter (begrenzter) Toleranz:

Unbedingte (grenzenlose) Toleranz als absolutes Prinzip bezeichnet die Duldung und Achtung Andersdenkender und –handelnder auch einschließlich des Falles, dass die Toleranz von den Tolerierten nicht erwidert wird. Einen häufigen Unterfall bildet hierbei die erzwungene unbedingte Toleranz in asymmetrischen Machtgefällelagen, z.B. im Verhältnis eines Untergebenen gegenüber einem Diktator. Hier ist aber ggf. zwischen nur vorgespiegelter Toleranz (aus Furcht vor Repressalien) bei in Wahrheit zugleich stiller Intoleranz zu unterscheiden.

Bedingte (begrenzte) Toleranz ist in der Praxis eher der Regelfall und kommt in zwei häufigen Ausprägungen vor: Erstens als „Toleranz auf Gegenseitigkeit“, wobei als Bedingung der Toleranzgewährung von dem Tolerierten verlangt wird, dass er im Gegenzug ebenso tolerant gegenüber einem selbst ist. Zweitens kann Toleranz situativ oder zeitlich begrenzt sein, indem ein bestimmtes Verhalten nur in bestimmten Umgebungen / Umständen oder nur für einen begrenzten Zeitraum toleriert wird. (Beispiel: Toleranz öffentlicher Nacktheit nur am FKK-Strand oder in der Sauna).

Religiöse Toleranz: Der Islam gehört zu Deutschland.

Als der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff diese These im Oktober 2010 öffentlich vertrat, sprach er damit zugleich die Frage nach religiöser Toleranz direkt an. Er erntete schon damals viel Kritik, lange bevor im Jahr 2015 die große Flüchtlingswelle aus überwiegend muslimisch geprägten Ländern einsetzte. Auch die Verschleierungs- bzw. Kopftuchdebatte hinsichtlich muslimischer Frauen erregt bereits seit Jahrzehnten immer wieder einmal die Gemüter. An diesen Beispielen zeigt sich, dass der Islam und die mit ihm verbundene muslimische Lebensweise und Kultur in Deutschland schon seit langem umstritten ist. In die gleiche kritische Richtung deuten auch die Befunde einer Vergleichsstudie von Forschern der Universität Münster aus dem Jahr 2010: Während Niederländer, Franzosen und Dänen jeweils mehrheitlich positiv über Muslime dachten, traf dies in Deutschland nur für eine Minderheit von 34 % (West) und 26 % (Ost) der Befragten zu. Als Ursache negativer Einstellungen gegenüber Muslimen wurde die geringe Kontakthäufigkeit der Deutschen mit ihnen zitiert, und die bewegte sich speziell im Osten Deutschlands auf einem sehr niedrigen Niveau. Teile der westdeutschen Bevölkerung konnten hingegen seit Mitte der 1960er Jahre durch die türkischen Gastarbeiter Erfahrungen mit muslimischen Mitbürgern sammeln.

Einerseits ist das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland natürlich vor dem christlich geprägten Wertehintergrund der deutschen Geschichte entstanden, aber die darin in Artikel 4 verankerte Religionsfreiheit war im Nachkriegsdeutschland für die längste Zeit ebenso wenig umstritten wie die Trennung von Kirche und Staat und der Primat von Staat, Gesetz und Politik.
Andererseits ist es wohl kein Zufall, dass sich die Toleranzthematik schon historisch seit der Einstellung der Christenverfolgung im Römischen Reich meist am Thema "Religion" konkretisierte, weil hier in besonderer Weise unterschiedliche tradierte Lebens- und Verhaltensmuster aufeinander prallen, die jeweils mit Nachdruck nach Geltung und Akzeptanz verlangen. In Deutschland sorgte ganz unabhängig vom Islam bereits vor Jahrzehnten die Anbringung von Kruzifixen in bayerischen Klassenzimmern für heftigste Diskussionen, die bis vor das Bundesverfassungsgericht führten. Auch die Frage der Tolerierung religiöser Sekten wird bisweilen sehr leidenschaftlich geführt.

Gehört der Islam wirklich zu Deutschland?

Im Januar 2015 widersprach Ministerpräsident Stanislav Tillich in Bezug auf das Bundesland Sachsen der oben zitierten These Wulffs - und löste damit seinerseits Kritik und Diskussionen aus. Sowohl Wulffs als auch Tillichs Äußerung führten wohl auch deswegen zu einem so starken Echo, weil die Formulierung "... gehört zu..." sehr interpretationsoffen ist. Was alles kann die Aussage bedeuten? Erstens könnte eine neutrale Ist-Zustandsbeschreibung gemeint sein (z.B.: "Der Islam ist angesichts der muslimischen Bevölkerungsminderheit heute ein Teil Deutschlands."). Zweitens könnte es sich um eine bewertende Soll-Beschreibung handeln (also: "Es ist gut so und richtig, dass der Islam zu Deutschland gehört."). Drittens schließlich könnte speziell die Formulierung Tillichs auch als die verkürzte Form einer geschichtlichen Aussage verstanden werden, die dann wohl niemand bestreiten würde (nämlich: "Der Islam gehört NICHT SCHON IMMER zu Sachsen.").

Ein Blick in die Ergebnisse von zwei Studien liefert zum einen Fakten, zum anderen Indizien über die subjektiv empfundene Zugehörigkeit oder Nicht-Zugehörigkeit des Islam zu Deutschland: Betrachtet man die Muslime in Deutschland statistisch, so fällt auf, dass sie in ihrer großen Mehrheit in engem Einklang mit dem Grundgesetz leben. Der Religionsmonitor 2015 stellt fest, dass in Deutschland lebende Muslime aufgrund der Erfahrung, als religiöse Minderheit zu leben, oftmals sehr viel liberale Einstellungen haben als Glaubensangehörige mehrheitlich muslimischer Länder: Der Aussage, die Demokratie sei eine gute Staatsform, stimmen 90 Prozent der hochreligiösen Sunniten zu. Der Satz „man sollte allen Religionen gegenüber offen sein“ erfährt eine Zustimmungsrate von 93 Prozent. 85 Prozent der befragten Muslime sind der Meinung, jede Religion habe einen wahren Kern. Die zunehmende religiöse Vielfalt in Deutschland empfinden 68 Prozent der hochreligiösen und 75 Prozent der weniger religiösen Muslime als Bereicherung.

Auch die Behauptung, Muslime seien in unsere Gesellschaft nicht integriert, lässt sich nur schwer nachvollziehen. So geben 90 Prozent der befragten (auch streng gläubigen) Sunniten an, sie hätten in ihrer Freizeit regelmäßigen Kontakt mit Angehörigen anderer (christlicher) Religionen oder mit konfessionslosen Menschen. Nur etwa 8 Prozent der Befragten halten sich bewusst in einem Netzwerk gläubiger Muslime auf.
Dieser Kontakt zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionen und konfessionslosen Menschen führt nachweisbar dazu, dass Vorurteile gegeneinander abgebaut werden. Der Aussage „der Islam ist bedrohlich“ stimmen in Nordrhein-Westfalen 46 Prozent der Bevölkerung zu, dabei handelt es sich größtenteils um Bewohner außerhalb großer Städte. In Sachsen hingegen stimmen derselben Aussage 78 Prozent der Befragten zu. Vergleicht man dazu den Anteil von Muslimen innerhalb der Gesamtbevölkerung (NRW: 2,8%, davon lebt ein Großteil innerhalb der Städte; Sachsen: 0,43%), so lässt sich leicht feststellen, dass der Islam vor allem dort als bedrohlich empfunden wird, wo wenige oder gar keine Muslime leben (bei der Erhebung dieser Fragen wurden ausschließlich Nicht-Muslime befragt).

Dass Muslime sich dennoch häufig dem Vorwurf ausgesetzt sehen, sie würden das Grundgesetz nicht anerkennen, liegt vor allem an der überproportionalen medialen Darstellung radikaler muslimischer Gruppierungen, hauptsächlich der Glaubensrichtung der Salafisten. Dabei handelt es sich allerdings um eine kleine Minderheit (weniger als 2% aller Muslime in Deutschland gehören dieser Glaubensrichtung an), die vollständig vom Verfassungsschutz überwacht wird.

Die Ergebnisse des Sachsen-Monitors 2016 machen deutlich, dass in Sachsen vor allem diejenigen Befragten vor der vermeintlichen „Islamisierung des christlichen Abendlands“ Sorge haben, die selbst auch den größten Abstand zum Christentum haben. Der Aussage „Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden“ (Zustimmung insgesamt: 39 Prozent) bejahen überdurchschnittlich oft solche Befragten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst konfessionslos sind: Arbeiter, Befragte, die sich selbst der Unterschicht zuordnen, und die Gruppe der 18-29-jährigen. Die pauschale Ablehnung des Islam ist also – trotz der Bezugnahme auf ein vermeintliches „christliches Abendland – offenbar häufig mit einer allgemeinen Skepsis gegenüber Religionen verbunden.

An den Positionierungen zur Aussage "Die meisten hier lebenden Muslime akzeptieren nicht unsere Werte" schließlich wird mit einer eklatanten Ausnahme deutlich, dass islamkritische Ansichten überproportional bei bildungsferneren bzw. wirtschaftlich weniger gut gestellten Schichten festzustellen sind: Während 69 Prozent aller sächsischen Befragten dieser Aussage "voll" oder "eher" zustimmen, liegt dieser Wert für die Befragten ohne Bildungsabschluss oder mit Hauptschulabschluss bei 78 Prozent, für Arbeitslose bei 75 Prozent und für Arbeiter bei 80 Prozent. Den Spitzen-Zustimmungswert von 88 Prozent erzielt jedoch eine andere Berufsgruppe: die Beamten!
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Quelle Studie Religion und Toleranz, Universität Münster 2010:
https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2010/dez/PM_Studie_Religioese_Vielfalt_in_Europa.html

Quelle Religionsmonitor 2015:
http://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/Projekte/51_Religionsmonitor/Zusammenfassung_der_Sonderauswertung.pdf

Quelle Sachsen-Monitor 2016:
https://www.staatsregierung.sachsen.de/download/staatsregierung/Tabellen_SN-Monitor_2016_Final.pdf

Der Dialog ist beendet

Große Einkommensunterschiede tun einer Gesellschaft nicht gut.

Toleranz
Toleranz kommt vom lateinischen Wort tolerare, was erdulden und ertragen bedeutet. Jemand, der tolerant ist, duldet und achtet andere Personen oder Gruppen auf der Grundlage eigener Wertvorstellungen. Ein toleranter Mensch lässt andere gelten und gewähren, obwohl er mit deren Denken oder Handeln selbst nicht einverstanden ist.
Toleranz ist damit zu unterscheiden von Akzeptanz, die deutlich weiter geht: Akzeptanz umfasst auch eine Zustimmung zu anderen Ansichten und Verhaltensweisen.

Zu unterscheiden ist zwischen unbedingter (grenzenloser) Toleranz und bedingter (begrenzter) Toleranz:

Unbedingte (grenzenlose) Toleranz als absolutes Prinzip bezeichnet die Duldung und Achtung Andersdenkender und –handelnder auch einschließlich des Falles, dass die Toleranz von den Tolerierten nicht erwidert wird. Einen häufigen Unterfall bildet hierbei die erzwungene unbedingte Toleranz in asymmetrischen Machtgefällelagen, z.B. im Verhältnis eines Untergebenen gegenüber einem Diktator. Hier ist aber ggf. zwischen nur vorgespiegelter Toleranz (aus Furcht vor Repressalien) bei in Wahrheit zugleich stiller Intoleranz zu unterscheiden.

Bedingte (begrenzte) Toleranz ist in der Praxis eher der Regelfall und kommt in zwei häufigen Ausprägungen vor: Erstens als „Toleranz auf Gegenseitigkeit“, wobei als Bedingung der Toleranzgewährung von dem Tolerierten verlangt wird, dass er im Gegenzug ebenso tolerant gegenüber einem selbst ist. Zweitens kann Toleranz situativ oder zeitlich begrenzt sein, indem ein bestimmtes Verhalten nur in bestimmten Umgebungen / Umständen oder nur für einen begrenzten Zeitraum toleriert wird. (Beispiel: Toleranz öffentlicher Nacktheit nur am FKK-Strand oder in der Sauna).


Toleranz gegenüber sozialer Ungleichheit

Wie viel soziale Ungleichheit verträgt eine Gesellschaft? Diese Frage stellt die Toleranz vieler Menschen auf eine harte Probe.  Ideengeschichtlich  ist der Streit um die Verteilung von Einkommen und Wohlstand in einer Volkswirtschaft eine der ältesten politischen Konfliktlinien überhaupt. Im Kern geht es bei dieser Auseinandersetzung um die beiden Pole Gleichheit und Freiheit. In Abhängigkeit davon, welchem Wert der Einzelne mehr Gewicht beimisst, der Freiheit oder der Gleichheit, unterscheidet sich seine Einstellung zur ungleichen Verteilung des Reichtums in einer Gesellschaft. Gleichheit wird dabei zumeist mit Gerechtigkeit gleichgesetzt.

Sachsen fürchten soziale Ungleichheit

Auf die Frage, ob es in Deutschland alles in allem eher gerecht oder eher ungerecht zugehe, antworteten 45 Prozent der Sachsen beim Sachsen-Monitor mit „eher gerecht“ und 48 Prozent mit „eher ungerecht“.

Auf die Frage nach ihren größten Zukunftssorgen gaben 84% der Befragten beim Sachsen-Monitor 2016 an, Sorge zu haben, dass der Gegensatz zwischen arm und reich zunehmen wird, 72% der Befragten befürchten, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt verloren geht.

Liberale Befürworter der Freiheit tolerieren Ungleichheit

Liberale fordern, eine Volkswirtschaft müsse auf dem Prinzip aufbauen, dass ein jeder Bürger die Möglichkeit habe, das Ergebnis der eigenen Arbeit für sich voll in Anspruch nehmen zu können.

Ihrer Meinung nach sollte der Staat nur dafür sorgen, dass Sicherheit nach innen wie nach außen herrscht, dass der Besitz aller Menschen geschützt wird und dass grundlegende wirtschaftliche Regeln festgelegt werden. Jeder Eingriff in Form von Steuern, welche Einkommen zwischen den Bürgern umverteilen, ist nach dieser Denkweise ein illegitimer Eingriff in die Freiheit der Einzelnen.

Sozialistische Befürworter der Gleichheit tolerieren keine sozialen Unterschiede

Sozialisten sind der Meinung, dass eine liberale Wirtschaftsordnung nicht funktionieren könne, da die Teilnehmer am Markt über zu unterschiedliche Voraussetzungen verfügten. Daher müsse der Staat regulierend eingreifen und für eine gleiche/gerechte Verteilung von Produktionsmitteln und Kapital sorgen. Der Staat nimmt also eine umverteilende und fürsorgliche Rolle ein.

Der Konflikt dieser beiden Ausrichtungen führte letztlich den Konsens herbei, auf welchem die Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland bis heute fußt: Die soziale Marktwirtschaft.

Die Wissenschaft ist uneins

Auch Wirtschaftswissenschaftler sind sich nicht einig, wie sehr soziale Ungleichheit einer Volkswirtschaft schadet oder aber dieser sogar förderlich ist. Aus Sicht liberaler Denker ist eine ungleiche Verteilung von Wohlstand notwendig für eine Volkswirtschaft, da sie wie ein Motor wirkt: Wer sich mit anderen vergleicht, welche mehr Wohlstand besitzen, entwickelt demnach selbst Ehrgeiz, seine eigene Lage zu verbessern. Wer selbst wohlhabend ist, erkennt diese Konkurrenz an und entwickelt im Gegenzug den Ehrgeiz, seinen Reichtum zu „verteidigen“. Dadurch steigt die Leistungsbereitschaft insgesamt an und der gemeinsam erzielte Wohlstand wächst stärker, als es bei einer höheren Umverteilung der Fall wäre.

Andere Wirtschaftswissenschaftler hingegen betonen, dass soziale Ungleichheit – unabhängig von moralischen Argumenten – einer Volkswirtschaft auch schaden kann. So stellen die Autoren einer Studie der OECD 2015 fest, dass zu starke Ungleichheit den Großteil der Bevölkerung, welche einen verschwindend geringen oder gar keinen Anteil am Volksvermögen halten, eher hemmt als antreibt. Ein als ungerecht wahrgenommenes Wirtschaftssystem sorgt demnach dafür, dass Leistungsbereitschaft ab- statt aufgebaut wird. Noch entscheidender sind die resultierenden ungleichen Bildungsmöglichkeiten. Eine Volkswirtschaft, welche den unteren Teil der Vermögenden „sich selbst überlässt“ und geringen Wert auf Chancengleichheit und hochwertige Bildung für alle legt, lässt nach dieser Argumentation einen Großteil ihres Potenzials ungenutzt. 

Mehr zum Thema soziale Ungleichheit.

 

Der Dialog ist beendet

Auf sächsischen Schulhöfen muss deutsch gesprochen werden.

Toleranz
Toleranz kommt vom lateinischen Wort tolerare, was erdulden und ertragen bedeutet. Jemand, der tolerant ist, duldet und achtet andere Personen oder Gruppen auf der Grundlage eigener Wertvorstellungen. Ein toleranter Mensch lässt andere gelten und gewähren, obwohl er mit deren Denken oder Handeln selbst nicht einverstanden ist.
Toleranz ist damit zu unterscheiden von Akzeptanz, die deutlich weiter geht: Akzeptanz umfasst auch eine Zustimmung zu anderen Ansichten und Verhaltensweisen.

Zu unterscheiden ist zwischen unbedingter (grenzenloser) Toleranz und bedingter (begrenzter) Toleranz:

  1. Unbedingte (grenzenlose) Toleranz als absolutes Prinzip bezeichnet die Duldung und Achtung Andersdenkender und –handelnder auch einschließlich des Falles, dass die Toleranz von den Tolerierten nicht erwidert wird. Einen häufigen Unterfall bildet hierbei die erzwungene unbedingte Toleranz in asymmetrischen Machtgefällelagen, z.B. im Verhältnis eines Untergebenen gegenüber einem Diktator. Hier ist aber ggf. zwischen nur vorgespiegelter Toleranz (aus Furcht vor Repressalien) bei in Wahrheit zugleich stiller Intoleranz zu unterscheiden.
     
  2. Bedingte (begrenzte) Toleranz ist in der Praxis eher der Regelfall und kommt in zwei häufigen Ausprägungen vor: Erstens als „Toleranz auf Gegenseitigkeit“, wobei als Bedingung der Toleranzgewährung von dem Tolerierten verlangt wird, dass er im Gegenzug ebenso tolerant gegenüber einem selbst ist. Zweitens kann Toleranz situativ oder zeitlich begrenzt sein, indem ein bestimmtes Verhalten nur in bestimmten Umgebungen / Umständen oder nur für einen begrenzten Zeitraum toleriert wird. (Beispiel: Toleranz öffentlicher Nacktheit nur am FKK-Strand oder in der Sauna).
     

Toleranz gegenüber anderen Kulturen

Ausgehend von der These „Auf sächsischen Schulhöfen muss deutsch gesprochen werden“, geht es im Folgenden um das Thema Toleranz gegenüber anderen Kulturen. Dieser Aspekt des Toleranzgedankens ist  durch die Flüchtlingsproblematik insbesondere im letzten Jahr immer stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Mit der Zuwanderung von Menschen aus anderen Kulturkreisen nach Deutschland stellt sich den Deutschen auch immer wieder die Frage: Was macht die deutsche Kultur aus? Was ist typisch deutsch? Was wollen und müssen wir bewahren und wie viele Einflüsse aus anderen Kulturen wollen oder müssen wir tolerieren?

Sachsen sind in Sorge um die deutsche Kultur (Ergebnisse des Sachsen-Monitors)

Der Zustrom von Menschen aus anderen Kulturkreisen macht viele Sachsen besorgt: In der aktuellen Erhebung des Sachsen-Monitors 2016 geben 51% der Befragten an, dass sie sich eher große oder große Sorgen machen, dass die deutsche Kultur und Eigenart verloren gehe, 48% gar nicht oder nur zu einem geringen Grad.

In derselben Erhebung nannten 19% der Teilnehmer „Asylpolitik/zu viele Ausländer/Überfremdung“ als das gegenwärtig wichtigste Problem in Sachsen. Am zweithäufigsten wurde mit 14% der das Thema Arbeitslosigkeit/Wirtschaftsförderung genannt. 58% der befragten Sachsen stimmten der Aussage „Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet“ zu. Die Aussage „eigentlich sind die Deutschen anderen Völkern von Natur aus überlegen“ bejahten 18%.

Diese Aussagen lassen erahnen, dass viele Sachsen der Überzeugung sind, einem geschlossenen kulturellen Raum anzugehören, teilweise gar, dass diese vermeintlich deutsche Kultur von Natur aus höherwertig ist als andere Kulturräume.

Über die Ursachen der Skepsis der Ostdeutschen gegenüber Menschen aus anderen Kulturkreisen (siehe Zahlen zur Fremdenfeindlichkeit in Ost und West) gibt es die unterschiedlichsten Vermutungen: Manche vermuten, dass der fehlende Kontakt zu Ausländern in der verhältnismäßig abgeschotteten DDR zu einer Skepsis gegenüber Fremden geführt hat. Andere sehen Orientierungsverlust aufgrund der raschen Modernisierungs- und Globalisierungstendenzen in der heutigen Gesellschaft als Ursache für die Ablehnung von Fremden. Eine europaweite Studie der Bertelsmannstiftung hat herausgefunden, dass es vor allem die Angst vor der Globalisierung ist, die die Menschen dazu veranlasst, den fremdenfeindlichen Parolen von Populisten Glauben zu schenken und intolerant gegenüber anderen Kulturen zu sein. Die Studie fand auch heraus, dass die Migration den globalisierungskritischen Menschen besonders Angst macht. Vor allem Menschen mit niedrigem Bildungsniveau und Einkommen und diejenigen, die wenig Kontakt mit Ausländern haben, fürchten die Globalisierung.

Was gehört zur deutschen (Leit)Kultur?

Deutschland versteht sich als eine Kulturnation, deren Identität sich nicht auf ethnische Faktoren sondern auf eine gemeinsame Kultur und einen gemeinsamen Wertekonsens bezieht. Für diesen Wertekonsens hat sich in den politischen Debatten um das Jahr 2000 der Begriff Leitkultur herausgebildet. Darüber, was genau unter diesem Begriff zu verstehen ist, gehen die Meinungen weit auseinander.

2016 haben Politiker der sächsischen CDU und der CSU den Versuch unternommen, zu definieren, was aus ihrer Sicht zur deutschen Leitkultur gehört. Wichtigste Punkte waren dabei u.a.: Kenntnis der deutschen Sprache, Akzeptanz der Verfassungsordnung insbesondere der Gleichberechtigung von Mann und Frau, der sexuellen Selbstbestimmung und dem Respekt vor dem Eigentum anderer, ein abendländisches Wertefundament auf der Basis jüdisch-christlicher Traditionen.  

Da Toleranz ihrem Wesen nach auf Wertgebundenheit basiert, ist es von zentraler Bedeutung, dass sich sowohl der Einzelne als auch die Gesellschaft als Ganzes darüber im Klaren wird, was die Werte sein sollen, die von allen akzeptiert werden und auf deren Grundlage sich die Integration von Zuwanderern aus anderen Kulturen durchführen lässt. Vor allem im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise wurde der Begriff der Leitkultur jedoch überwiegend von politisch eher rechts stehenden Gruppierungen als Abgrenzung zum so genannten Multikulturalismus missbraucht und damit diskreditiert.

Entscheidend für das friedliche Zusammenleben von gebürtigen Deutschen und Zugewanderten wird die Frage sein, wie die Gesellschaft mit unterschiedlichen kulturellen Prägungen umzugehen lernt – die Sprache ist dabei nur ein (wenn auch zentraler) Aspekt der Kultur. Ohne eine Klärung der Frage, was die deutsche (Leit)Kultur ausmacht, auf welche Werte sich die hiesige Kultur stützt wird auch eine wirkliche Toleranz gegenüber anderen nicht möglich sein.

Sprache als Schlüssel zur Integration

Aus dem Lagebericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration von Dezember 2016 geht hervor, dass der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund, welche in der Familie kein deutsch sprechen, leicht sinkt. 54% der bis zu dreijährigen Kinder wachsen in einem Haushalt auf, in dem nicht vorwiegend deutsch gesprochen wird (2006 waren es 56%), im Alter zwischen 3-6 Jahren sind es rund 61% (2006: 63%). Etwa 40% aller Kinder mit Migrationshintergrund sprechen auch in der Familie, ganz nach dem Idealbild des CSU-Papiers, mit ihren Eltern und Geschwistern vorrangig die deutsche Sprache. 

 

Der Dialog ist beendet

Ältere Autofahrer sind eine Bedrohung für den Straßenverkehr.

Toleranz
Toleranz kommt vom lateinischen Wort tolerare, was erdulden und ertragen bedeutet. Jemand, der tolerant ist, duldet und achtet andere Personen oder Gruppen auf der Grundlage eigener Wertvorstellungen. Ein toleranter Mensch lässt andere gelten und gewähren, obwohl er mit deren Denken oder Handeln selbst nicht einverstanden ist.
Toleranz ist damit zu unterscheiden von Akzeptanz, die deutlich weiter geht: Akzeptanz umfasst auch eine Zustimmung zu anderen Ansichten und Verhaltensweisen.

Zu unterscheiden ist zwischen unbedingter (grenzenloser) Toleranz und bedingter (begrenzter) Toleranz:

Unbedingte (grenzenlose) Toleranz als absolutes Prinzip bezeichnet die Duldung und Achtung Andersdenkender und –handelnder auch einschließlich des Falles, dass die Toleranz von den Tolerierten nicht erwidert wird. Einen häufigen Unterfall bildet hierbei die erzwungene unbedingte Toleranz in asymmetrischen Machtgefällelagen, z.B. im Verhältnis eines Untergebenen gegenüber einem Diktator. Hier ist aber ggf. zwischen nur vorgespiegelter Toleranz (aus Furcht vor Repressalien) bei in Wahrheit zugleich stiller Intoleranz zu unterscheiden.

Bedingte (begrenzte) Toleranz ist in der Praxis eher der Regelfall und kommt in zwei häufigen Ausprägungen vor: Erstens als „Toleranz auf Gegenseitigkeit“, wobei als Bedingung der Toleranzgewährung von dem Tolerierten verlangt wird, dass er im Gegenzug ebenso tolerant gegenüber einem selbst ist. Zweitens kann Toleranz situativ oder zeitlich begrenzt sein, indem ein bestimmtes Verhalten nur in bestimmten Umgebungen / Umständen oder nur für einen begrenzten Zeitraum toleriert wird. (Beispiel: Toleranz öffentlicher Nacktheit nur am FKK-Strand oder in der Sauna).

 

Toleranz zwischen den Generationen
Die These “Ältere Autofahrer stellen eine Bedrohung für den Straßenverkehr dar” bietet einen Ausgangspunkt zur Beschäftigung mit der Frage, wie es mit der Toleranz zwischen den Generationen, zwischen Jung und Alt, aussieht. Die These steht damit beispielhaft für die “Aufreger-Themen” im Generationendialog. Während die immer älter werdende Gesellschaft, immer mobiler wird; steigen die Unfallzahlen gerade von älteren Autofahrerinnen und Autofahrer. Die Forderung nach einem Fahrverbot ab einem bestimmten Alter werden in Diskussionen häufig angebracht. Während die Diskussionen um ein Fahrverbot eher verblassen, haben Versicherer bereits reagiert. Laut dem Verbraucherportal Verivox ist die KfZ-Haftpflichtversicherung für einen 80-Jährigen etwa doppelt so teuer, wie für einen 50-Jährigen. Bei der Berechnung der Versicherungspolicen nutzen die Versicherer Daten des Statistischen Bundesamtes. 2015 sind beispielsweise bis August des Jahres 36.400 Senioren im Straßenverkehr verletzt worden. 55 Prozent dieser Unfälle wurde von Senioren selbst, die mit dem Auto, dem Rad oder zu Fuß unterwegs waren, verursacht. Am häufigsten mussachten Fahrer über 65-Jahren die Vorfahrt oder lösen Unfälle beim Abbiegen aus. Oft ist die Verunsicherung und Überforderung in solchen Situationen Grund für Unfälle.

 

 

“Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.” Dieser Spruch, der doch so aktuell klingt, wird Sokrates nachgesagt und er dokumentiert, dass Spannungen zwischen den Generationen zu jeder Epoche existierteten. Ganz allgemein kommt die Sinus-Studie 2016 bei der Untersuchung der Wertorientierung junger Menschen zu dem Schluss, dass Jugendliche in Deutschland mittlerweile Toleranz pflegen, wie nie zuvor. Die Forscher erklären sich diese hohe Toleranz vor allem durch die Auswirkungen von Globalisierung und Flüchtlingsströmen. Inwieweit sich diese Toleranz auch auf die ältere Generation erstreckt, wird allerdings nicht ausgeführt. Heute wird die Frage, was die Alten von den Jungen und die Jungen von den Alten tolerieren müssen, häufig unter dem Stichwort Generationengerechtigkeit zusammengefasst.

 

Generationengerechtigkeit ist ein Eckpfeiler unserer Gesellschaft. Das moderate Zusammenspiel zwischen Bedürfnissen und Notwendigkeiten der jungen, der arbeitenden und der alternden Bevölkerung in unserem Land ist oft nicht ganz einfach. Ob zum Thema Umwelt, Demografie, Wirtschaft oder Repräsentation. Oft spürt man ein vermeintliches Ungleichgewicht. Doch welche Ungleichgewichte gilt es zu tolerieren? Sind sie vielleicht sogar vorteilhaft? Und wann braucht es ein Gegenwirken? Wann hört Anstand auf und unter welchen Bedingungen könnte eine schief liegende Generationengerechtigkeit gefährlich werden?

 

Generationengerechtigkeit - Schulden

Auf die jungen Deutschen kommen riesige Lasten zu: steigende Soziallasten, Kosten der Energiewende, hohe Verschuldung. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag des Verbandes der Jungen Unternehmer machen sich 82 Prozent der Deutschen Sorgen um die Zukunft der Jungen und fordern, diese zu entlasten. 43 Prozent der Bevölkerung halten eine entsprechende Politik angesichts des demografischen Wandels sogar für „sehr dringend“.Hohe Schuldenberge und eine hoher Investitionsstau vor allem bei öffentlichen Investitionen sind eine große Hypothek für die nachfolgenden Generationen. Auf der anderen Seite hinterlassen die Älteren ihren Erben heute ein Vermögen in bisher ungekanntem Ausmaß.

 

Generationengerechtigkeit - Verantwortung

Eines der Themen, die immer wieder für Konflikte zwischen den Generationen führen und die die Toleranz von Alt und Jung auf ein harte Proben stellen, ist die fehlende Bereitschaft der Älteren, Verantwortung abzugeben bzw. die mangelnde Bereitschaft der Jungen, Verantwortung zu übernehmen. Trainiert wird die Übernahme von Verantwortung bereits in jungen Jahren, dennoch sind die Mitbestimmungsmöglichkeiten der Schüler an vielen Schulen auch in Sachsen sehr beschränkt.

 

Junge Menschen sind in den Parlamenten der Republik stark unterrepräsentiert und das, obwohl hier die Entscheidungen getroffen werden, die ihre Zukunft berühren. In Sachsen liegt das Durchschnittsalter der Abgeordneten zum Stichtag 10.01.2016 bei 47,9 Jahren. Immerhin sitzen aktuell 10 von 126 Landtagsabgeordneten im Parlament, die zur Altersgruppe bis 35 gehören. Von 630 Abgeordneten im derzeitigen 18. Bundestag sind gerade 6 Abgeordnete unter 30 Jahren. Der Anteil der jugendlichen Bevölkerung ist also um ein Vielfaches höher, als ihre Repräsentanz in den Parlamenten.

 

Deutsche Familien-Unternehmen haben in Größenordnungen ein Nachfolgeproblem, weil die Erben-Generation der heutigen Unternehmer nicht mehr bereit ist, die Verantwortung für die Betriebe der Eltern zu übernehmen. In der Zeitspanne zwischen den Jahren 2014 und 2018 steht bei rund 135.000 Familienunternehmen in Deutschland die Nachfolge an. Einer Studie zufolge schaffen aber nur 12 Prozent der Familienunternehmen die Weitergabe des Unternehmens bis in die dritte Generation. Und sogar nur noch magere 1 Prozent schaffen die Weitergabe des Familienunternehmens bis in die fünfte Generation.

 

Generationengerechtigkeit - Umwelt
Gerade im Bereich der Umwelt und der Ökologie scheint sich ein Generationskonflikt auf eine einfache Lösung zuzuspitzen: “entweder die Älteren leben zunehmend auf Kosten von immer weniger Jüngeren oder die Älteren müssen mit großen Wohlstandsverlusten rechnen.”

Ein Leitprinzip der Politik ist die nachhaltige Entwicklung. Dieses bedeutet, dass die Politik den Bedürfnissen der gegenwärtigen Generation entsprechen muss, ohne dass sie dabei die Möglichkeit zur Bedürfnisbefriedigung künftiger Generationen gefährdet. Der Erhalt dieses Grundsatzes erfordert, dass nur so viele Ressourcen genutzt werden, wie nachwachsen oder als Ersatz für diese Ressourcen zur Verfügung steht. Die Realität sieht jedoch so aus, dass die Weltbevölkerung deutlich über ihren Verhältnissen lebt. Das Problem ist, dass sich nachfolgende bzw. junge Generationen gegen diese Entwicklung nicht zur Wehr setzen können. Generationenübergreifend muss daher die Frage gestellt werden, wie lange dieser Zustand von der Menschheit noch toleriert werden darf.

Der Dialog ist beendet