Wir brauchen digitale Medienbildung als Schulfach.

Hintergrundinformationen zu „Wir brauchen digitale Medienbildung als Schulfach.“

1. Problemhintergrund

Schon fast so lange, wie es das Internet gibt, wird auch die Frage diskutiert, ob und in welcher Weise den Schülerinnen und Schülern digitale Medienbildung nahegebracht werden muss. Es gibt allerdings einen Verbindungsstrang zwischen Computerwelt und Schule, der sogar noch deutlich älter als das Internet ist: Informatik, das in den Anfangszeiten häufig nur als AG durchgeführte, später auch als Schulfach eingeführte Unterrichtsangebot, dessen Wurzel – natürlich ausschließlich offline – im Erlernen und einfachen Anwenden von Programmiersprachen lag und das meist nur von „Freaks“ belegt wurde, solange es sich noch um ein freiwilliges oder ein Wahlangebot handelte.

Seit aber das Internet zum Standard wurde, seit die Webseiten und deren Inhalte exponentiell komplexer wurden, sich die sogenannten „sozialen Netzwerke“ etablierten, und seit sich schließlich auch der mobile Internetzugang in Form von Handys und Smartphones allgegenwärtig durchsetzte, hat sich das Bild gewandelt: Häufig drängt sich der Eindruck auf, dass nicht wenige Schülerinnen und Schüler manchen Lehrerinnen und Lehrern in Sachen technischer Medienkompetenz durchaus überlegen sind, zumindest bei der Bedienung des Smartphones. Schwieriger gestaltet sich die Lage allerdings bei der sozialen Medienkompetenz:

Wie nutze ich die digitalen Medien für mich sinnvoll und wie gelange ich effizient zu den benötigten Inhalten? Welche Folgewirkungen können meine Posts in den sozialen Medien haben? Wie erkenne ich Filterblasen und Echokammern und wie gehe ich damit um? Welche Downloads sind erlaubt, welche nicht? Welche Bilder sind geschützt, welche darf ich weiterverwenden? Wie schütze ich mich vor Viren, wie vor Abzocke, wie vor Online-Spielsucht,wie vor politischen Manipulations- und Rekrutierungsversuchen? Und, heute vielleicht am allerwichtigsten: Wie schütze ich meine persönlichen Daten vor Weiterverbreitung und missbräuchlicher Verwendung aller Art durch Dritte? Bundespräsident Steinmeier hat überdies unlängst die Definition einer "digitalen Ethik" angeregt.
Nach den rasanten technologischen Entwicklungen der vergangenen Jahre liegt es auf der Hand, dass den Schülerinnen und Schülern Antworten auf diese Fragen aufzuzeigen sind. Hinsichtlich der Vermittlung sowohl technischer als auch sozialer Medienkompetenz stellt sich heute nur noch die Frage nach dem „Was“ und dem „Wie“. Es geht um das Lernen mit Medien und über Medien. Zu entscheiden ist unter anderem, ob „Digitale Medienbildung“ ein eigenständiges Schulfach sein sollte oder ob es sich als Querschnittsthemenbereich quasi durch alle (oder einige der) schon bestehenden Unterrichtsfächer ziehen und dort jeweils einen Teilinhalt bilden sollte.

2. Einige bisherige Entwicklungen

In Thüringen gibt es schon seit 2002 einen fächerübergreifenden Kurs Medienkunde: bei Einführung zunächst nur in den Klassenstufen 5 bis 7, dann bis Klasse 10 und seit dem Schuljahr 2017/18 auch bereits ab der Grundschule. Nach Bekunden des Kultusministers hat sich dieser Kurs grundsätzlich bewährt.

Die Berliner Denkfabrik "Initiative D21" veröffentlichte im Jahr 2013 eine Bundesländer-Vergleichsstudie zur Nutzung digitaler Medien im schulischen Unterricht, deren Ergebnisse aufgrund des mittlerweile überholten Standes hier nicht im Detail darzustellen sind, aus denen sich aber ablesen ließ, dass die schulische Nutzung digitaler Medien bereits 2013 kontinuierlich zunahm. Als begrenzende Faktoren erwiesen sich vor allem die teils fehlende Hardware-Ausstattung von Schulen, der relative Mangel an fachlich geschulten Lehrern sowie mancherorts auch die geringe Geschwindigkeit und Belastbarkeit des Internetanschlusses.

Im Jahr 2016 erarbeitete und veröffentlichte die Kultusministerkonferenz (KMK) das Strategiepapier "Bildung in der digitalen Welt", an dem sich u.a. das Land Sachsen bis heute im Grundsatz orientiert. In dem Papier wird für das Erlernen von Medienkompetenz kein eigenes Fach vorgesehen, sondern es solle integrativer Bestandteil aller Fächer werden.

3. Die aktuelle Situation in Sachsen

Bereits heute ziehen sich medienkundliche Inhalte durch die Lehrpläne vieler Unterrichtsfächer verschiedener Schularten, insbesondere z.B. durch jene der Fächer Informatik sowie Gemeinschaftskunde (Oberschulen) bzw. G/R/W (Gymnasien).
Noch während der kurzen Amtszeit von Kultusminister Haubitz stellte das Sächsische Staatsministerium für Kultus dann im November 2017 die "Konzeption Medienbildung und Digitalisierung in der Schule“ vor. Sie stellt themenbezogen die aktuelle Position der Sächsischen Staatsregierung dar, wird also auch vom derzeitigen Kultusminister Piwarz mitgetragen. Die Konzeption orientiert sich u.a. an dem KMK-Papier "Bildung in der digitalen Welt" von 2016 und sieht digitale Medienbildung folglich ebenfalls als ein Querschnittthema vor, nicht aber als ein eigenständiges Schulfach. Diese Linie liegt zugleich im Einklang mit dem generellen Bestreben des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus (SMK), die Stundentafeln in den kommenden Jahren eher etwas abzuspecken statt weitere Pflichtstunden hinzuzufügen. Weitere Kernpunkte der 44-seitigen sächsischen Konzeption sind (zit. n. Sächsische Zeitung Online v. 18.11.2017):

• Alle Schulen sollen schnellstmöglich einen breitbandigen, ausbaufähigen und nicht beschränkten Internetanschluss bekommen. Jede Schule soll bedarfsgerecht mit Technik ausgestattet werden.
• Ist keine Ausstattung möglich, soll die pädagogische Internetnutzung auf privaten Geräten von Schülern möglich werden.
• Bis 2025 sollen alle Lehrer über eine auf das jeweilige Unterrichtsfach bezogene Medienbildung verfügen. Bis 2019 soll Medienbildung zudem bereits während des Lehramtsstudiums und des Referendariats vermittelt werden und prüfungsrelevant sein.

Einen zentralen Baustein der sächsischen Konzeption bildet ferner der aus der 2016er KMK-Vorlage für Sachsen adaptierte "Kompetenzrahmen", der die Zielperspektiven der digitalen Medienbildung umreißt und der zum Schuljahr 2019/2020 verbindlich in die sächsischen Lehrpläne aufgenommen wird. Der Kompetenzrahmen "Kompetenzen in der digitalen Welt" gliedert sich in die folgenden sechs Kompetenzbereiche (vgl. im einzelnen Abb. 1 unten):

1. Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren,
2. Kommunizieren und Kooperieren,
3. Produzieren und Präsentieren,
4. Schützen und sicher Agieren,
5. Problemlösen und Handel, und
6. Analysieren und Reflektieren.

Die sächsische Konzeption soll als Masterplan sowohl praktisch umsetzungsrelevant werden als auch ein politisches Zeichen setzen, dass die Staatsregierung die strategisch-inhaltlichen wie organisatorisch-infrastrukturellen Krisenzeichen der Zeit erkannt hat und nun rasch handelt. Natürlich entstand die Konzeption nicht plötzlich aus dem Nichts, sondern auf Basis verschiedener früherer Überlegungen außerhalb und innerhalb Sachsens: Neben "Bildung in der digitalen Welt" (KMK 2016) stellte der KMK-Beschluss „Medienbildung in der Schule“ (2012) eine weitere Orientierungsquelle der sächsischen Konzeption dar, ebenso auf Bundesebene der Bericht „Digitale Medien in der Bildung“ des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages sowie die Strategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft“ (jeweils 2016).
Sachsenspezifische Bezugsquellen bildeten die „Innovationsstrategie des Freistaates Sachsen“, die Digitalisierungsstrategie „Sachsen digital", der Abschlussbericht „Digitale Medienbildung im Freistaat Sachsen“ der AG Digitale Medienbildung des Landespräventionsrates Sachsen (2016), ferner die bereits älteren Berichte „Eckwerte zur Medienerziehung“ und „Eckwerte zur informatischen Bildung“ (jeweils Comenius-Institut 2004).

Links zum Nach- und Weiterlesen:

Konzeption „Medienbildung und Digitalisierung in der Schule“ (SMK, November 2017):
https://www.schule.sachsen.de/download/download_bildung/Konzeption_Medie...

darin v.a.:
Kompetenzrahmen "Kompetenzen in der digitalen Welt" (SMK, Oktober 2017):
https://www.schule.sachsen.de/download/download_bildung/Kompetenzrahmen_...

vgl. dazu auch:
Seite des SMK zur digitalen Medienbildung:
https://www.schule.sachsen.de/16093.htm

SMK-Blogbeitrag zur Konzeption „Medienbildung und Digitalisierung in der Schule“:
https://www.bildung.sachsen.de/blog/index.php/2017/11/18/masterplan-zur-...

Artikel in der Sächsischen Zeitung Online v. 18.11.2017: "Sachsen hat jetzt einen 'Masterplan' für Digitalisierung in der Schule.":
https://www.sz-online.de/sachsen/sachsen-hat-jetzt-einen-masterplan-fuer...

weitere Quellen

Lehrplandatenbank Sachsen, Portalzugang:
https://www.schule.sachsen.de/lpdb/

Abschlussbericht „Digitale Medienbildung im Freistaat Sachsen“ der AG Digitale Medienbildung des Landespräventionsrates Sachsen (2016):
http://www.lpr.sachsen.de/download/landespraeventionsrat/20170410_Berich...

Handlungskonzept "Bildung in der digitalen Welt" der Kultusministerkonferenz (2016):
https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/2016/Bildun...

Medienbildung an deutschen Schulen (Studie der "Initiative D21", 2014):
https://initiatived21.de/app/uploads/2017/01/141106_medienbildung_online...

25 Meinungen 13 Kommentare

Gast positioniert sich zur These Wir brauchen digitale Medienbildung als Schulfach. neutral

Eine einseitige Medienbildung sollte dabei ausgeschlossen bleiben.

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24.06.2018

Gast stimmt der These Wir brauchen digitale Medienbildung als Schulfach. zu

guck dir an was die Faschos mit den Medien machen.

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20.06.2018

ocir stimmt der These Wir brauchen digitale Medienbildung als Schulfach. nicht zu

Nein. Vielmehr sollten bestehende Fachstrukturen besser genutzt und ausgebaut werden. Meines Erachtens haben wir mit dem Fach Politische Bildung/Sozialkunde/GRW ein Unterrichtsfach, dass für Meinungsbildung und digitale Kompetenz zuständig ist.

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19.06.2018

Gast positioniert sich zur These Wir brauchen digitale Medienbildung als Schulfach. neutral

ist mir egal!

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19.06.2018

Gast stimmt der These Wir brauchen digitale Medienbildung als Schulfach. zu

von klein auf kommen Kinder mit Medien in Berührung, nutzen Messenger zur Kommunikation.

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15.06.2018

Gast stimmt der These Wir brauchen digitale Medienbildung als Schulfach. zu

Bewussten Umgang mit Daten schulen einschl. Datenschutz u. Urheberrechte, sicheres Surfen im Internet, Schutz vor Schadsoftware, Abofallen etc.

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13.06.2018

Gast stimmt der These Wir brauchen digitale Medienbildung als Schulfach. zu

Damit wir die Kinder zu mündigen Bürgern erziehen, damit sie sich in einer komplexen Welt mit Informationsüberschuss zurechtfinden, Nachrichten differenziert betrachten und lernen, sich unabhängig eine Meinung zu bilden.

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13.06.2018

Gast stimmt der These Wir brauchen digitale Medienbildung als Schulfach. zu

12.06.2018

Gast stimmt der These Wir brauchen digitale Medienbildung als Schulfach. zu

Kritische digitale Medienbildung sollte an allen Schulen stattfinden.

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12.06.2018

Gast stimmt der These Wir brauchen digitale Medienbildung als Schulfach. zu

Als Kommunikationswissenschaftlerin sehe ich die Herausforderung, welche die moderne Medienlandschaft an jede*n einzelne*n Bürger*in stellt.

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12.06.2018

Gast positioniert sich zur These Wir brauchen digitale Medienbildung als Schulfach. neutral

Wir müssen unseren Kindern beibringen, Medien zu verstehen und einzuschätzen; ich denke, vor allem das richtige Bewerten von Meldungen/Berichten (ist es eine seriöse Quelle) und Kommentaren (ist es ein fundiertes, sachlich argumentiertes Statement?) is

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11.06.2018 1 Kommentar

Gast stimmt der These Wir brauchen digitale Medienbildung als Schulfach. zu

Computer und Internet vermitteln die für ihre autonome Nutzung notwendigen Kompetenzen nicht von selbst. Unternehmen sind sehr bereit, Kindern und Jugendlichen ... ihre Produkte zu vermitteln.

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10.06.2018

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