Wir machen uns zu viele Gedanken um eine faire Verteilung der Impfungen.

Hintergrundinformationen zur These: Wir machen uns zu viele Gedanken um eine faire Verteilung der Impfungen.

 

Am 27. Dezember 2020 wurde die erste Person in Deutschland gegen die Lungenkrankheit COVID-19 geimpft. Seitdem haben mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland mindestens eine Impfdosis erhalten. Im Vergleich mit anderen Ländern ist hierzulande bisher nur ein kleiner Teil der Bevölkerung geimpft, mit Blick auf die weltweiten Impfungen ist die Zahl an geimpften Menschen in Deutschland jedoch vergleichsweise hoch. Mit knapp zwölf Prozent der Bevölkerung, die mindestens eine Impfdosis erhielten, liegt Deutschland aktuell auf Platz 38 der Impf-Weltrangliste (Stand: 6. April 2021).

 

Wer regelt die Verteilung des Impfstoffs in Deutschland?

 

Am 17. Juni 2020 hat die Europäische Kommission eine gemeinsame Impfstrategie der EU-Mitgliedstaaten vorgestellt. In der Erklärung heißt es, die Europäische Union wolle somit einen möglichst gleichberechtigten Zugang zu Impfstoffen gewährleisten, um nationale Alleingänge in der Zulassung und Beschaffung zu vermeiden. Dennoch kaufen die Mitgliedstaaten selbst die Impfdosen bei den Entwicklern - alle zum gleichen Preis, der pro Dosis für die gesamte EU vereinbart. wurde. Folglich liefern die Impfstoffhersteller die mit der EU vertraglich festgelegten Dosen direkt an die Länder. Die Mengen der Lieferungen an die einzelnen EU-Staaten richtet sich nach einem Verteilungsschlüssel, der die Bevölkerungsgröße als Grundlage hat. Der Bund verteilt den Impfstoff dann auf die Bundesländer, die wiederum in ihre Landkreise und kreisfreien Städte. Auch hier richtet sich die Menge nach der Bevölkerungsgröße: Je mehr Einwohner, desto mehr Impfstoff für ein Bundesland. Die Organisation der Impfungen liegt anschließend in der Verantwortung der einzelnen Bundesländer.

 

Wie viel Impfstoff steht der Bundesregierung zur Verfügung?

 

Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hat bislang die Impfstoffe der vier Hersteller Biontech und Pfizer, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson in der Europäischen Union (EU) zugelassen. Die Besorgung und Verteilung der Impfstoffe regelt die Europäische Kommission, die insgesamt 2,6 Milliarden Impfdosen bestellt hat, davon 1,8 Milliarden der bereits zugelassenen Vakzine. Nach jetzigem Stand stehen Deutschland davon über 200 Millionen Impfdosen der vier zugelassenen Impfstoffe zu.

 

Wer entscheidet darüber, wer zuerst geimpft wird?

 

Die Corona-Impfverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit regelt, wer als erstes mit den verfügbaren Impfdosen geimpft wird und wer sich noch gedulden muss, bis genug Impfstoff für alle da ist. Die Verordnung teilt die Bevölkerung in vier Gruppen ein, die ihr Angebot zur Impfung in einer festen Reihenfolge erhalten. Die Priorisierung der Gruppen erfolgt dabei anhand ihrer Schutzbedürftigkeit. Die festgelegte Reihenfolge ist nicht in Stein gemeißelt, neue Erkenntnisse über die Ausbreitung des Virus und seiner Mutationen können die Gruppeneinteilung verändern. Auch in Einzelfällen kann laut Verordnung von der Reihenfolge abgewichen werden - wenn so vermieden wird, dass Impfstoffe ungenutzt entsorgt werden müssen. Die Bundesregierung stellte die erste Version der Impfverordnung am 18. Dezember 2020 vor, das letztmalig aktualisierte Exemplar wurde am 31. März. 2021 veröffentlicht (Stand: 6. April 2021).

 

Über die Impfreihenfolge entschied das Bundesministerium für Gesundheit. Einbezogen in die Entscheidungen wurden der Spitzenverband des Bundes der Krankenkassen, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Verband der Privaten Krankenversicherung. Außerdem berät der Deutsche Ethikrat die Regierung bei den Überlegungen zur Impfreihenfolge. Eine besonders wichtige Rolle nimmt die Ständige Impfkommission (kurz: STIKO) ein. Die STIKO ist ein un­ab­hängiges Experten­gremium, das vom Robert Koch-Institut (RKI) koordiniert wird. Der Kommission gehören derzeit 18 ehrenamtliche Expertinnen und Experten aus den Bereichen Wissenschaft und Forschung an, die für drei Jahre vom Gesundheitsministerium berufen werden. Darunter befinden sich neben Ärzten und Wissenschaftlerinnen auch Vertreter von Gesundheitsbehörden und Krankenkassen. Zu den Aufgaben der STIKO gehört die ständige Analyse der medizinischen Fachliteratur, darauf aufbauend die Einschätzung von Nutzen und Risiko eines Impfstoffs sowie die Beratung für eine flächendeckende Impfkampagne.

 

Welche Kritik gibt es an der Verteilung des Impfstoffs?

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kritisiert die Geschwindigkeit und Effizienz der europäischen Impfkampagne. Sie sei „inakzeptabel langsam“, sagte WHO-Europa-Direktor Hans Kluge. Im vergangenen Sommer hatte sich die EU-Kommission zum Ziel gesetzt, bis März mindestens 80 Prozent des Personals und Gesundheits- und Sozialberufen und der über 80-Jährigen in den EU-Mitgliedstaaten zu impfen. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat zugegeben, dass die EU sich früher um eine schnellere Impfstoffproduktion und die dafür nötige Infrastruktur hätte kümmern müssen. Von der Leyens Vertreter, Kommissions-Vizepräsident Frans Zimmermanns, räumte zusätzliche Fehler bei der Bestellung der Impfstoffe ein. Die EU-Kommission hatte im letzten Sommer die Bestellungen auf viele Impfstoffe und viele Hersteller verteilt. Diese Strategie, gepaart mit Lieferproblemen der Hersteller, brachte eine Phase der Impfstoff-Knappheit mit sich. Zudem hätten nationale Einwände den Bestellprozess und die Ausarbeitung einer gemeinsamen Vorgehensweise immer wieder verzögert.

 

Im Zentrum der Kritik an der Impfkampagne in Deutschland stehen vor allem bürokratische Hürden: Kommunikation und Datenspeicherung mit Telefon und Papier in der Verwaltung, undurchsichtige Terminvergabe-Verfahren sowie der späte Impfstart in Arztpraxen rufen Unverständnis hervor. Darüber hinaus würden unklare Verantwortlichkeiten und Kompetenzen zwischen EU-Kommission, Bundesministerinnen, Ministerpräsidenten, Bürgermeisterinnen und Landräten flexibles Handeln einschränken.

 

Auf globaler Ebene verurteilt die WHO die bisherige Verteilung der verfügbaren Impfstoffe scharf. Vor knapp einem Jahr schlug die Organisation vor, dass alle Staaten der Welt ihren Impfstoff über einen gemeinsamen Fonds namens Covax beziehen. Der Name steht für Covid-19 Vaccines Global Acces. Das Ziel: ein globaler Zugang zu Impfungen. Doch die Kampagne kommt nur schleppend voran. Zahlreiche Staaten zogen es vor, bilaterale Verträge mit Impfstoffherstellern abzuschließen. Infolgedessen haben vor allem Länder auf der Nordhalbkugel mit flächendeckenden Impfungen begonnen, der Globale Süden hinkt hinterher.

 

Was machen Länder anders, die schneller impfen?

 

Israel gilt als Vorzeige-Land beim Thema Impfungen: Über 60 Prozent der Bevölkerung dort haben bereits mindestens eine Impfdosis bekommen (Stand: 6. April 2021). Die überdurchschnittliche Impfgeschwindigkeit in Israel hat verschiedene Ursachen: Zum einen bevorzugt der Impfstoffhersteller Pfizer bei Lieferungen die israelische Regierung, da der Staat dem Pharmaunternehmen die digitalen Krankenakten der geimpften Menschen zur Verfügung stellt, um gesundheitliche und pandemische Folgen der Impfung auszuwerten. Darüber hinaus übernimmt Israel, nicht der Impfstoffhersteller, die Haftung bei der Impfkampagne und zahlt Medienberichten zufolge einen höheren Preis pro Impfdosis als die EU. Gleichzeitig zeigte sich Israel sehr flexibel, was die Impfreihenfolge angeht: Vielfach wurden übrige Impfdosen spontan an bereitwillige Menschen vor Ort vergeben. Neben Testzentren wurde in Drive-Ins für Autos, am Arbeitsplatz und in Bars geimpft.

 

Ein Grund, weshalb die USA und Großbritannien höhere Impfquoten verzeichnen als Deutschland, sind die frühen Zulassungen der Impfstoffe. Mit Hilfe von gesetzlichen Notfallzulassungen begannen beide Länder einige Wochen vorher mit den Impfungen. Des Weiteren verfügte die USA mit der BARDA (Biomedical Advanced Research and Development Authority) bereits vor der Pandemie über eine Behörde für biomedizinische Forschung und neue Krankheiten, die eigene finanzielle Mittel besitzt. Eine ähnliche, europäische Behörde für die Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen befindet sich gerade im Aufbau. In Großbritannien wiederum sind alle Bürgerinnen und Bürger im staatlichen Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) mit einer Nummer registriert, was die Kontaktaufnahme für Impftermine erleichterte.

 

Zum Nach- und Weiterlesen:

 

 

 

 

 

 

61 Meinungen 36 Kommentare

Gast stimmt der These Wir machen uns zu viele Gedanken um eine faire Verteilung der Impfungen. nicht zu

Grundsatz sollte sein in jedem demokratischen Staat das jeder gleich behandelt wird.

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07.05.2021

Gast stimmt der These Wir machen uns zu viele Gedanken um eine faire Verteilung der Impfungen. nicht zu

Ich finde, die Verantwortlichen machen sich genügend Gedanken um eine gerechte Verteilung, die auch eine Überlastung der Intensivstationen verhindert.

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07.05.2021

Gast stimmt der These Wir machen uns zu viele Gedanken um eine faire Verteilung der Impfungen. zu

Das Impfen ist unnötig und birgt bislang unbekannte Langzeitfolgen

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07.05.2021

Gast stimmt der These Wir machen uns zu viele Gedanken um eine faire Verteilung der Impfungen. zu

Nachdem Risikogruppen geimpft sind, ginge es schneller, wenn es weniger Bürokratie gibt

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07.05.2021

Gast positioniert sich zur These Wir machen uns zu viele Gedanken um eine faire Verteilung der Impfungen. neutral

Der Eine macht sich Gedanken - die Andere nicht - man kann es nicht allen recht machen.

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06.05.2021

Gast stimmt der These Wir machen uns zu viele Gedanken um eine faire Verteilung der Impfungen. zu

Nicht die Prioritäten, sonder die wirklich Impfwilligen sollen entscheiden.

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06.05.2021 1 Kommentar

Gast positioniert sich zur These Wir machen uns zu viele Gedanken um eine faire Verteilung der Impfungen. neutral

Eine priotisierung von besonders vulnerablen oder sozial wichtigen Gruppen halte ich für sinvoll, jedoch darf dafür nicht die Gesamtzahl an Impfungen reduziert oder verlangsamt werden.

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05.05.2021

Gast stimmt der These Wir machen uns zu viele Gedanken um eine faire Verteilung der Impfungen. zu

Geschwindigkeit ist entscheidend

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05.05.2021

Gast positioniert sich zur These Wir machen uns zu viele Gedanken um eine faire Verteilung der Impfungen. neutral

Besonders gefährdete Personengruppen sollten ganz klar bevorzugt behandelt werden. Welcher Landkreis aber wieviel Impfstoff wann bekommt, ist erstmal zweitrangig.

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04.05.2021

Gast stimmt der These Wir machen uns zu viele Gedanken um eine faire Verteilung der Impfungen. zu

Was ist schon fair.

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04.05.2021 1 Kommentar

Gast stimmt der These Wir machen uns zu viele Gedanken um eine faire Verteilung der Impfungen. nicht zu

Nur eine faire Verteilung verhindert noch mehr soziale Spaltung.

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04.05.2021

Gast positioniert sich zur These Wir machen uns zu viele Gedanken um eine faire Verteilung der Impfungen. neutral

noch haben wir zu wenig Impfstoff und daher ist noch eine Priorisierung notwendig. Diese sollte aber möglichst schnell beendet werden

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04.05.2021

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